Seit 2002 lahmgelegt: Fährt die 130 Jahre alte "Saftbahn" bald wieder?

Von Simon Kremer

Bitterfeld-Wolfen - Die als "Saftbahn" bekannte Bahnstrecke zwischen Bitterfeld, Zörbig und Stumsdorf könnte laut einer Machbarkeitsstudie reaktiviert werden. Eine vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie schätzt die Kosten der Reaktivierung und Elektrifizierung auf rund 130 Millionen Euro.

Seit 2002 ist die Strecke nicht mehr für den Personenverkehr verfügbar. (Symbolfoto)
Seit 2002 ist die Strecke nicht mehr für den Personenverkehr verfügbar. (Symbolfoto)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis habe sich für die Reaktivierung in Verbindung mit der stündlichen Verlängerung der S2 von Leipzig nach Köthen ergeben, teilte die Nahverkehrsgesellschaft NASA mit.

Nach Angaben des Fahrgastverbands Pro Bahn wäre es die erste Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke in Sachsen-Anhalt. Die Strecke wird "Saftbahn" genannt, weil über sie landwirtschaftliche Produkte wie Zuckerrübensirup transportiert wurden.

Die Reaktivierung von Bahnstrecken sei eine Möglichkeit, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, sagte Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (61, FDP) bei der Vorstellung der Studie. Man setze auf das bestehende, bereits sehr dichte Streckennetz in Sachsen-Anhalt.

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Reaktivierungen könnten aber, sofern noch Infrastruktur vorhanden sei, wirtschaftlich sinnvoll sein. Dies ersetze aber nicht den Neubau, so Hüskens.

Projekt brächte 31.000 Menschen ans S-Bahn-Netz

So könnte die Streckenführung der Saftbahn zwischen Bitterfeld und Stumsdorf aussehen.
So könnte die Streckenführung der Saftbahn zwischen Bitterfeld und Stumsdorf aussehen.  © Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH

Laut NASA könnten bei der Umsetzung des Projekts rund 31.000 Menschen neu an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden. Sandersdorf, Zörbig und Köthen erhielten eine direkte Verbindung in die Metropolregion Leipzig und damit einen besseren Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungs- und Versorgungsangeboten.

Die verbesserte Erreichbarkeit stärke zudem die Verflechtung mit dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum und steigere die Attraktivität der Kommunen als Wohn- und Unternehmensstandorte. Gleichzeitig verbessere die direkte Schienenanbindung die Erreichbarkeit wichtiger Gewerbe- und Industriestandorte, so die Nahverkehrsgesellschaft.

Darunter der Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen, das Industriegebiet Brehna sowie der Technologiepark Mitteldeutschland. Aber auch touristisch könnte die Region um den Großen Goitzschesee profitieren.

Möglicherweise würde es auch mehr Touristen an die Goitzsche ziehen.
Möglicherweise würde es auch mehr Touristen an die Goitzsche ziehen.  © Sebastian Willnow/dpa

Fahrgastverband Pro Bahn: Sanierung und Neubau nicht vergessen

Der Personenverkehr auf der Strecke Bitterfeld - Stumsdorf ist seit September 2002 ausgesetzt. Auf Betreiben der Stadt Zörbig wurde im August 2005 der Streckenabschnitt zwischen Bitterfeld und Zörbig zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen.

Die Entwicklung der Region habe zunehmend aber auch mögliche Perspektiven für den Personenverkehr erkennen lassen, so die NASA. Mit der Reaktivierung würden neue Verkehrsstationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig entstehen.

Titelfoto: Bildmontage: Karl-Josef Hildenbrand/dpa, Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH

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