Alte Technik weckt Erinnerungen: Nichts geht über frisch gemangelte Wäsche
Von Katrin Mädler
Lichtenstein - Es rumpelt und rattert und riecht wie in Kindheitstagen. Wer den Raum der Wäschemangel in Heinrichsort (Landkreis Zwickau) betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. In dem Ortsteil von Lichtenstein steht etwas, das heute eine Kuriosität geworden ist: eine Kaltmangel.
Nach wie vor schwört mancher auf das mit Steinen gefüllte Ungetüm, um frisch gewaschene Wäsche zu glätten.
"Das Einzugsgebiet der Menschen, die hier Wäsche mangeln, reicht bis Chemnitz", erzählt Ortsvorsteherin Annett Richter.
Betttücher, Tischdecken oder Handtücher werden auf sogenannte Docken oder Rollhölzer gewickelt und dann dreimal mit dem schweren Kasten überrollt.
"Das presst die Wäschestücke stark zusammen und macht sie glatt", erklärt Richter. Wichtig: Knöpfe oder Reißverschlüsse könnten durch den Druck kaputtgehen.
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Seit Ende der 1960er-Jahre steht die Kaltmangel in Heinrichsort
Seit Ende der 1960er-Jahre steht die Kaltmangel in dem kommunalen Gebäude in Heinrichsort. "Und sie läuft wohl weiter, bis sie niemand mehr reparieren kann", sagt Richter. Bisher hat es ihr Ehemann Michael geschafft, Riemen und anderes Zubehör aufzutreiben und so das historische Stück instand zu halten.
Bis in die 1990er-Jahre waren vielerorts noch private und öffentlich nutzbare Mangelstuben gegen Entgelt für die Bevölkerung in Betrieb - inzwischen hat jede einzelne Mangel Seltenheitswert.
Im Freistaat sind laut Landesamt für Denkmalpflege noch 64 Wäschemangeln in 47 Orten als Kulturdenkmäler erfasst.
Die wohl ältesten Exemplare sind im Museum in Halsbrücke erhalten. Dort engagiert sich Tobias Neubert (62).
Er hat 15 große und 20 kleineren Mangeln zu einer Ausstellung zusammengetragen. Das älteste Exemplar ist über 200 Jahre alt.
Titelfoto: Jan Woitas/dpa

