Die Sachsen rüsten auf: Immer mehr Menschen besorgen sich Waffen - Was soll das?
Dresden - Das Thema Aufrüstung beherrscht in diesen Tagen viele politische Debatten. Es geht dabei vor allem um neue Waffensysteme für die Bundeswehr, Aufträge für die Rüstungsindustrie oder neue Einsatztechnik für Sachsens Polizei. Im privaten Kreis laufen ähnliche Diskussionen. Dabei dreht sich aber alles um Revolver, Schreckschusspistolen oder Waffenscheine, denn die Sachsen rüsten rekordverdächtig auf.
Die Zahlen: Laut Innenministerium waren Ende 2025 im Freistaat 32.800 private Waffenbesitzerinnen und -besitzer registriert, 300 mehr als im Jahr zuvor.
Zugleich stieg die Zahl der legal in Besitz befindlichen Schusswaffen (oder Teilen davon) um fast 2500 auf knapp 158.000 an. Hinzu kommen Reizstoff-, Signal- und Schreckschusswaffen in privaten Händen.
Die Zahl der Waffenerlaubnisse stieg um knapp 1500 auf mehr als 94.000. Dazu muss man anmerken: Eine Person kann mehrere davon besitzen. Es gibt verschiedene Arten von Erlaubnissen, z. B. für Jagdwaffen, Sportschützen oder Sammler.
Bei scharfen Schusswaffen in Sachsen handelt es sich fast ausschließlich um jene der Kategorien B und C.
Dazu zählt man halbautomatische Gewehre, Pistolen sowie Repetierwaffen. 22 entfallen auf die Kategorie A, zu der vollautomatische Pistolen wie die Glock 18, Maschinengewehre, Kriegswaffen sowie explodierende und panzerbrechende Munition gezählt werden.
Über 1000 Kontrollbesuche im vergangenen Jahr
Anfang dieses Jahres waren 1160 ursprünglich legal besessene Schusswaffen und Waffenteile zur Fahndung ausgeschrieben, weil sie abhandengekommen waren.
Die kommunalen Waffenbehörden führten im vergangenen Jahr 1180 Kontrollbesuche bei Besitzern von Waffen durch. Sie klopften überwiegend ohne Anlass und Anmeldung an. Bei knapp 17 Prozent der Kontrollen gab es Beanstandungen.
Waffenbesitzer, die bei solchen Kontrollen auffällig werden, müssen damit rechnen, dass ihnen die Erlaubnis zum Besitz aberkannt wird und Waffen eingezogen werden.
Das geschah 2025 insgesamt 148 Mal, darunter bei 26 sogenannten Kleinen Waffenscheinen.
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Sachsens Innenministerium: "Waffenerlaubnisse nur bei berechtigtem Interesse"
Wie ordnet der Minister die Tatsache ein, dass immer mehr Menschen in Sachsen privat "aufrüsten" und Waffenbesitzer werden?
Martin Strunden erklärt als Sprecher des Innenministeriums auf TAG24-Anfrage dazu: "Die Waffenbehörden wissen, dass die Anträge vor allem von Jägern und Sportschützen gestellt werden. Denn Waffenerlaubnisse können nur bei berechtigtem Interesse erteilt werden, die gesetzlich klar geregelt sind und von den Behörden in einem umfänglichen Verfahren geprüft werden."
Strunden weiter: "Persönliche Bedürfnisse oder das selbst empfundene Sicherheitsgefühl sind keine Kategorie des Waffenrechts."
Kleiner Waffenschein
Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen: Der sogenannte "Kleine Waffenschein" berechtigt zum Führen von Waffen mit dem Kennzeichen PTB im Kreis in der Öffentlichkeit.
Waffen dieses Typs sind gegenwärtig begehrter denn je. Zum Jahresende 2025 sind 25.155 Kleine Waffenscheine in Sachsen erteilt worden – 459 mehr als ein Jahr zuvor. Wie viele Waffen auf dieser Grundlage gekauft worden, ist unklar. Die Zahlen werden nicht erfasst.
Die Besonderheit beim Kleinen Waffenschein: Er wird von den örtlich zuständigen Waffenbehörden ausgestellt. Dabei gelten dieselben Voraussetzungen wie für den Waffenschein, allerdings ohne besonderen Bedürfnis- und Sachkundenachweis.
Im Zusammenhang mit Angriffen auf Rettungskräfte wird dieses Verfahren derzeit häufig kritisiert. Änderungen dieser Gesetzgebung liegen in der Hand des Bundes.
Abgeordnete mahnt Kontrollen an
"Die Entwicklung betrachte ich schon länger mit Sorge, denn mit wachsendem Interesse etwa am Schießsport ist sie kaum zu erklären. Ich interpretiere die Zahlen so, dass das Unsicherheitsgefühl der Menschen zunimmt", sagt Juliane Nagel (47, Die Linke).
Das Innenministerium veröffentlichte die Datenlage zum Waffenbesitz auf ihre Anfragen hin. Die Landtagsabgeordnete ergänzt: "Es fällt auf, dass vor allem in ländlich geprägten Landkreisen eine hohe Waffendichte herrscht. Das könnte darauf hindeuten, dass dort das Vertrauen in die staatlichen Behörden erodiert."
Der Politikerin ist es wichtig, dass die zuständigen Waffenbehörden in Sachsen gestärkt werden.
Nagel: "Die Ämter müssen unterstützt werden, denn nur so können sie mit Kontrollen Verstöße aufdecken und ahnden."
In Tschechien gilt: Amnestie bei Abgabe
Anderes Land, gleicher Trend - mit einer Ausnahme. Auch in Tschechien nimmt der Waffenbesitz stetig zu. Im vergangenen Jahr wurden mehr als eine Million Waffen registriert.
Die Zahl der Waffenscheine stieg in dem Elf-Millionen-Einwohner-Land auf über 324.000. Es gibt aber auch einen Abrüstungstrend - bei den illegalen Waffen.
Die Polizei nutzt ein neues Waffengesetz zur bereits sechsten Amnestie für illegal gehaltene Waffen. Diese können seit dem 1. Januar bis Ende Juni straffrei auf jeder Polizeidienststelle abgegeben oder legalisiert werden. Die Beamten fragen nicht nach der Herkunft der Waffen, heißt es.
Laut Polizei wurden seit Jahresbeginn bereits über 200 Waffen und mehr als 2000 Stück Munition abgegeben. Bei der letzten Waffenamnestie 2021 erhielt die Polizei über 3800 Waffen und 133.000 Stück Munition.
Titelfoto: Montage: imago images/Jochen Tack, Norbert Neumann

