Harte Zahlen zum Frauentag: Zur Gleichberechtigung ist es noch ein Stück!

Sachsen - Am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert. Zu Konfekt und warmen Worten gibt es hier einen bunten Strauß an Zahlen. Motto: Die "Gläserne Frau". Lest hier, was Sachsens Frauen ausmacht, beschreibt, bewegt und beschäftigt.

Arbeit

Sachsen verzeichnet mit einer Frauenbeschäftigungsquote von 64,8 Prozent die höchste Quote im Ländervergleich (Stand 2025; Deutschland-Durchschnitt: 60 %).

Damit liegt die Frauen-Beschäftigungsquote nur 1,9 Prozentpunkte unter der von Männern. "Gleichzeitig arbeiten viele Frauen in Teilzeit. Dies ist ihre bewusste – nicht immer freiwillige - Entscheidung, um Beruf und Privatleben zu vereinbaren und die berufliche Teilhabe oft überhaupt zu ermöglichen", berichtet Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter (52, SPD). Tatsächlich arbeiteten im Juni 2025 in Sachsen 35 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Teilzeit.

Während nur 17 Prozent der Männer in Teilzeit arbeiteten, waren es bei Frauen 54,6 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil bei Müttern. Seit 2020 stieg die Teilzeitquote bei Frauen um 3,7 Prozentpunkte. Die Teilzeitquote von Frauen ist in Sachsen höher als im gesamt- oder ostdeutschen Vergleich. Am größten war sie in den Bereichen Erziehung, Unterricht (74 % in Teilzeit), Dienstleistungen (60 %) und Öffentliche Verwaltung (59 %). Am niedrigsten war die Teilzeitquote von Frauen im Verarbeitenden Gewerbe.

Minister Panter nennt die aktuelle Debatte zur Teilzeit "mehr als überflüssig und unsinnig". Würden dort Einschränkungen vorgenommen werden, hätte das massive Auswirkungen auf Arbeitswelt, Gesellschaft und Familien.

Panter: "Besser wäre es, strukturelle Fehlanreize wie das derzeitige Ehegattensplitting zu beseitigen, das sich besonders lohnt, wenn nur einer der Partner arbeitet oder der Lohnabstand zwischen beiden besonders hoch ist."

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In manchen Berufen sind weibliche Mitarbeiter die Ausnahme.
In manchen Berufen sind weibliche Mitarbeiter die Ausnahme.  © imago/Westend61

Macht & Politik

In Sachsen sind 33,1 Prozent (Deutschland: 29 %) der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Im Vergleich der Flächenländer nimmt Sachsen damit den vierten Platz ein. In der Politik sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Zum Stichtag 31. Dezember 2024 gab es in Sachsen 48 Bürgermeisterinnen. Das entspricht 11,7 Prozent der insgesamt 418 Bürgermeisterposten.

Im 8. Sächsischen Landtag sitzen 32 Frauen und 88 Männer (entspricht einem Frauenanteil von 26,67 %). Zwischen den Fraktionen gibt es dabei große Unterschiede. In der Fraktion der Grünen stellen Frauen mit 57,14 % zum Beispiel die Mehrheit. SPD und Linke werden jeweils hälftig von Frauen vertreten. In der Minderheit sind Frauen bei BSW (27 %), CDU (29 %), und AfD (10 %). Das sächsische Kabinett unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) besteht aus vier Frauen und sechs Männern.

Der öffentliche Dienst des Freistaates Sachsen zum Stichtag 30. Juni 2024 ist vorwiegend weiblich. Von den 215.155 Beschäftigten sind 63,7 % weiblich. Der Anteil weiblicher Beschäftigter mit leitenden Funktionen liegt bei 66,9 %. Oberste Leitungsfunktionen sind nahezu paritätisch besetzt.

Männerüberschuss auch im Kabinett.
Männerüberschuss auch im Kabinett.  © dpa/Sebastian Kahnert

Geld

Die Verdienstlücke (Unterschied im Bruttostundenverdienst, auch unbereinigter Gender Pay Gap genannt) zwischen Frauen und Männern betrug 2025 in Sachsen sechs Prozent (Bundesdurchschnitt: 16 %). Altersarmut trifft vor allem Frauen. "Frauenarmut ist Ausdruck struktureller Ungleichheit – etwa auf dem Arbeitsmarkt, durch ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, sowie beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und bezahlbarem Wohnraum. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Frauen in Teilzeit- oder Minijob-Beschäftigung, pflegende Angehörige, ältere Frauen sowie Frauen mit Migrationsgeschichte", sagt Gleichstellungsministerin Petra Köpping (66, SPD).

Mehr Frauen als Männer arbeiten Teilzeit.
Mehr Frauen als Männer arbeiten Teilzeit.  © imago/Westend61

Leben

Kindererziehung ist in vielen Familien oft immer noch Fraue
Kindererziehung ist in vielen Familien oft immer noch Fraue  © imago/Westend61

Von den 4,042 Millionen Einwohnern in Sachsen waren 2024 insgesamt 2,051 Millionen Frauen. Das Verhältnis der weiblichen zur männlichen Bevölkerung hat sich bis 2024 deutlich verändert.

Während gegenüber 1982 die Zahl der Einwohner bis 2024 um 16,6 Prozent zurückging, nahm die Zahl der Einwohnerinnen um 25,7 Prozent ab. Damit verringerte sich der Anteil der weiblichen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung auf 50,7 Prozent. Auch die Geschlechterproportion veränderte sich bis 2024 auf 97 Männer je 100 Frauen.

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung im Freistaat Sachsen stieg von 1990 bis 2024 kontinuierlich. Es beträgt heute 45,4 Jahre. Betrachtet man nur die Frauen, sind es 48,8 Jahre (1990: 36,7 J./41,9 J.). Die Frauen sind heute im Schnitt 29,5 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen (2: 32,5 J./ 3: 33,8).

2024 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im Freistaat bei 1,27 Kindern (Bundesdurchschnitt: 1,35 Kinder je Frau). Die Zahl der Neugeborenen ist seit dem Babyboom 2016 in Sachsen um fast zehn Prozent zurückgegangen. 2019 waren es noch 1,56 Kinder je Frau.

Titelfoto: Bildmontage: Imago/Westend61

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