Lohsa/Schleife (Sachsen) - Die Ermittlungen zu Angriffen auf Sachsens Stromnetz in Lohsa (Landkreis Bautzen) und Schleife (Landkreis Görlitz) laufen auf Hochtouren. Nun hat die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft weitere Details veröffentlicht.
So konnten im unmittelbaren Bereich von Hochspannungstrassen südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen acht und östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife vier, somit insgesamt zwölf, selbst hergestellte Sprengvorrichtungen aufgefunden werden, wie es in einer Mitteilung vom Samstagnachmittag heißt.
Die Sprengsätze hätten Schäden an den Leitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen sollen. "Spezialkräfte des Landeskriminalamtes Sachsen entschärften die Vorrichtungen und stellten diese zur weiteren Untersuchung sicher", erklärt Patrick Pintaske (42), Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden.
Im Zuge der Arbeiten hätten die Hochspannungstrassen kurzzeitig stromfrei geschaltet werden müssen. Zu einem tatsächlichen Schaden oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung sei es aber nicht gekommen. "Es besteht keine Gefahrenlage für die Bevölkerung", so Pintaske weiter.
Die umfangreichen Polizeieinsätze an den Umspannwerken seien nach behördenübergreifenden Informationen und der Meldung eines aufmerksamen Bürgers erfolgt.
Mögliche Verbindung zu Sabotage-Akten in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen in Prüfung
Die Maßnahmen stehen auch im Zusammenhang mit dem Bekennerschreiben eines Deutschen (48), das nach der Sabotage auf das Stromnetz Turnow-Preilack in Südbrandenburg aufgetaucht war.
"Aufgrund eines in dem Bekennerschreiben erwähnten Tatortes und der Art der Sprengvorrichtungen wird derzeit eine Verbindung zu den Ermittlungsverfahren in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wegen der dortigen Sabotage an Umspannwerken geprüft", so die Mitteilung.
Es werde wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt Sachsen und die Polizeidirektion Görlitz bitten die Bevölkerung um Unterstützung über das Hinweisportal NRW. "Möglicherweise sind im Bereich von Hochspannungstrassen Personen oder Fahrzeuge aufgefallen. Von besonderem Interesse ist auch mögliches Bild- und Videomaterial", heißt es.
Erstmeldung vom 4. September, 17.36 Uhr. Letzte Aktualisierung am 5. September, 16.42 Uhr.