Von Thomas Staudt, Stefan Häßler
Dresden - Das Interesse am "Tag der offenen Tür" in der Justizvollzugsanstalt Dresden am Wochenende war rekordverdächtig. Aber warum wollen so viele Sachsen unbedingt in den Knast?
Ein Blick in die knasteigene Polsterei, Gefangenentransportfahrzeuge zum Anfassen auf dem Gefängnishof, dann weiter zu den Zellen, die hochoffiziell "Hafträume" heißen, und zum Abschluss in den Besucherbereich mit Einzelbesuchsräumen, Familienzimmern und einem sogenannten Trennscheibenraum. Dieses Angebot in der JVA Dresden wollten sich am Samstag 278 Besucher, aufgeteilt in zehn Gruppen, nicht entgehen lassen.
Irre, denn eigentlich will ja niemand wirklich freiwillig in den Knast. TAG24 wollte deshalb von den Besuchern wissen, was sie dorthin treibt. Die Antworten fielen fast erwartungsgemäß heterogen aus (siehe unten).
Die angeführten Gründe reichen von reiner Neugier bis hin zu einem ausgeprägten beruflichen Interesse. Manch einer wollte einfach nur mal sehen, wo er unter Garantie niemals landen möchte.
735 Gefangene sind etwa wegen Diebstahls oder Körperverletzung in der JVA untergebracht
Eigentlich war das Interesse an der Besichtigungstour noch deutlich größer. "Wir hatten insgesamt 545 Personen, die sich für eine Führung angemeldet haben und darüber hinaus noch eine Reihe direkter Anfragen", sagte Sprecherin Anja Rücker.
Mehr als die zehn Touren seien aber aus organisatorischen Gründen nicht machbar gewesen. Für 2028 plane die Leitung aber eine Neuauflage des Angebots, so Rücker.
Übrigens: Derzeit sind 735 Gefangene etwa wegen Diebstahls, Unterschlagung, und Körperverletzung in der JVA untergebracht - 223 Untersuchungsgefangene, 494 Strafgefangene und 18 Personen in Zivilhaft.
Den Mitarbeitern begegneten die Besucher natürlich schon, den Gefangenen allerdings nicht.
Besucher-Umfrage
Rico Froehner: "Mich treibt die Neugier! Man fährt oft dran vorbei und macht sich so seine Vorstellungen, jetzt wage ich mal den Blick hinter die Mauern."
Uwe: "Na ich war einfach mal neugierig, wie das mit der Unterbringung wirklich aussieht. Sehr interessant."
Anna-Maria Biener: "Mein Interesse liegt beim Recht, habe Praktika bei Anwälten und im Gericht gemacht. Und nun, da ich 16 bin, darf ich an dieser Führung teilnehmen."
Andreas Kraetzel: "Ich gucke mir an, wo ich nicht hin will, und bin schon das zweite Mal dabei. Waldheim habe ich mir auch schon angesehen. Gott sei Dank bin ich draußen!"