Armes Sachsen: Immer mehr Rentner beziehen Sozialhilfe
Dresden - Immer mehr Frauen und Männer im Rentenalter sind auf Sozialhilfe angewiesen, um ihren Lebensabend bestreiten zu können. Die Zahl der Rentner mit Sozialhilfe stieg in Sachsen im März im Vergleich zum Vorjahr um 1600 auf 21.490.
Das Statistische Bundesamt veröffentlichte die Daten nach einer Anfrage vom Bündnis Sahra Wagenknecht. Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen nahm die Zahl der Hilfen-Empfänger zu.
Auffällig: Die Armut ist weiblich. Deutlich mehr Frauen als Männer holen sich die Stütze vom Amt.
"Die Zahlen sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Viele Rentner beantragen aus Scham keine Hilfe oder liegen nur knapp darüber", kommentierte Thomas Schulze (62). Er ist BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt für die im September anstehende Landtagswahl.
Schulze plädiert in diesem Zusammenhang für eine Rente nach dem Vorbild Österreichs. Dort liege die Durchschnittsrente 800 Euro höher und es gebe eine Mindestrente, die nach jahrzehntelanger Arbeit vor Armut schützt.
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Mehr Rentner als noch vor einem Jahr
Der Politiker warnte zugleich vor den Folgen der geplanten Rentenreform für Ostdeutschland. Seiner Meinung nach werden die Maßnahmen "die Ostdeutschen besonders hart treffen, weil sie nur die gesetzliche Rente haben". Thomas Schulze: "Es ist eine brutale Rentenkürzung, dass Menschen, die 45 Jahre gearbeitet haben, nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen dürfen."
Bundesweit erhalten 771.275 Rentnerinnen und Rentner aktuell Sozialhilfe. Das sind über 7000 mehr als drei Monate zuvor, fast 30.000 mehr als vor einem Jahr und fast 180.000 mehr als vor vier Jahren, rechnete das BSW vor.
Titelfoto: Bildmontage: imago images / Schöning, dpa/Peter Gercke
