Autorin Josefine Gottwald über Selfpublishing und Crowfunding: "Finde das sehr nachhaltig"
Leipzig - Im Umfeld der Leipziger Buchmesse gewinnt Crowdfunding im Literatur- und Verlagsbereich zunehmend an Bedeutung. Dabei handelt es sich um eine Finanzierungsform, bei der viele Leute - die "Crowd" - ein Buchprojekt bereits vor seiner Veröffentlichung mit Geldbeträgen unterstützen.
Attraktiv ist das besonders für Selfpublisher - die Autoren sind nicht mehr ausschließlich auf klassische Verlage angewiesen, sondern können ihre Projekte eigenständig umsetzen und zugleich das finanzielle Risiko reduzieren.
Die Dresdner Selfpublisherin und Netzwerkerin Josefine Gottwald ("Eiselfen") referierte am Samstag auf der Buchmesse darüber ("Einstieg ins Crowdfunding - Eine Marketingkampagne, die sich selbst finanziert?", 13.30 bis 15 Uhr). TAG24 sprach mit ihr.
TAG24: Frau Gottwald, Crowdfunding ist ein neuer Trend im Buchgeschäft, der vor allem für Selfpublisher relevant ist. Erläutern Sie bitte, wie das funktioniert.
Josefine Gottwald: Zuerst sollte man ein Projekt wählen, das eine gute Relevanz hat und sich plausibel kommunizieren lässt - am besten mit hohem Mehrwert. Die Aktion lässt sich auf verschiedenen Plattformen aufsetzen, ich habe 99Funken und Startnext ausprobiert. Dann fängt man an, darüber zu kommunizieren, am besten abwechselnd gezielt und persönlich und dann wieder breitbandig, durch Storys, Statusupdates und Reels.
Für die Urheber entsteht dabei der Effekt, dass sie sehr gut lernen, auch über ihre Themen zu sprechen - als Künstler oder Autorin hat man oft das Problem, dass man Marketing eigentlich nicht mag und sein Licht unter den Scheffel stellt. Hier braucht es jetzt eine klare Kommunikation, denn davon kommt ja der Begriff Community!
Josefine Gottwald: "Crowdfunding hebelt schnelllebige Mechanismen ein Stück weit aus"
TAG24: Im Voraus Geld einzusammeln ist etwas, das hauptsächlich dem Autor nützt, damit er sein Buch veröffentlichen kann. Was haben die Geldgeber davon?
Josefine Gottwald: Viele Leute geben tatsächlich eine Spende ohne Gegenleistung, weil sie eine gute Sache unterstützen wollen - hier muss aber ein persönlicher Bezug da sein.
Wenn man eine breite Masse mobilisieren will, kann man sogenannte Dankeschöns als Gegenleistung anbieten. Die können symbolisch oder auch digital sein, wie ein Wallpaper-Download. Sehr üblich ist es, das fertige Produkt vorab schon zur Bestellung anzubieten, also zum Beispiel das Buch, das entsteht.
TAG24: Welchen Einfluss hat Crowdfunding im derzeitigen Verlagsgeschäft?
Josefine Gottwald: Es gibt kleine Verlage, die Crowdfunding betreiben, mir fällt da Ultraviolett aus Dresden ein, die Verlegerin hat auf diese Art ein Übersetzungsprojekt gestemmt. Für große Verlage ist das keine wirkliche Option, weil sie zu kommerziell agieren; Crowdfunding ist eher eine Indie-Sache, die Konsumenten mündiger macht und Nischenprojekte sozusagen "am Markt vorbei" ermöglicht.
Auf diese Art kann man die schnelllebigen Mechanismen ein Stück weit aushebeln – ich finde das sehr nachhaltig.
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Gottwald schreibt unter anderem Fantasy-Bücher
TAG24: Welche Rolle spielt Crowdfunding für Ihre eigene Buchproduktion?
Josefine Gottwald: Ich habe mit der Hörbuchmanufaktur Berlin acht Hörbücher meiner Fantasy-Reihe "Eiselfen" gemacht. Aber die Streaming-Bedingungen werden immer schwerer - Spotify schüttet zum Beispiel unter 1000 Downloads gar keine Tantieme mehr aus.
Jetzt kann der Verlag ausgerechnet das Finale der Saga, den letzten Band, nicht mehr stemmen, weil der natürlich auch etwas umfangreicher als die vorigen ist. Deswegen haben wir uns entschieden, das Projekt auf Startnext zu setzen, und jetzt suchen wir viele helfende Hände.
Titelfoto: Bildmontage: PR/Heike Stille; Jennifer Brückner/dpa

