Fünf Dinge, die es ohne Sachsen wohl nicht gäbe
Dresden - Ob Kaffeefilter, Teebeutel, Zahnpasta in der Tube oder der BH: Sachsen ist die Wiege vieler bahnbrechender Erfindungen, die heute nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sind. Doch einige Erfindungen und Begebenheiten erlangten weitaus weniger Weltruhm und sind nur wenigen bekannt. Nur mithilfe der Sachsen gibt es zum Beispiel ...
Das Bandoneon/Tango
Die Leidenschaft des argentinischen Tangos ist eng mit einem besonderen Instrument verbunden, dem Bandoneon. Seinen Namen erhielt es vom Krefelder Instrumentenhändler Heinrich Band (1821–1860), der lange als Vater des Bandoneons galt.
Doch inzwischen weiß man: Bei seinen Instrumenten handelte es sich um importierte Concertina aus dem Erzgebirge. Der Chemnitzer Instrumentenbauer Carl Friedrich Uhlig (1789–1874) war einer der Ersten, der diese ab 1830 baute. Als weltbester Bandoneon-Bauer galt jedoch Alfred Arnold (1878–1933), der seine Firma 1911 in Carlsfeld gründete.
Um die Jahrhundertwende vollbrachte das Instrument schließlich seinen Siegeszug nach Südamerika. Seeleute und deutsche Auswanderer brachten es mit. Sein melancholischer Klang passte perfekt zum neuen dortigen Tanz, dem Tango. Bis 1945 wurden über 30.000 Bandoneons nach Argentinien und Uruguay exportiert.
Tipp: Mehr über die Geschichte des Bandoneons erfährt man in der Ausstellung "Pioniertöne aus Sachsen – Das Bandoneon und seine Geschichten" in der ZeitWerkStadt Frankenberg.
Infos: zeit-werk-stadt.de
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FCKW-freier Kühlschrank
1992 stand die sächsische Firma Foron kurz vor der Abwicklung durch die Treuhand, als Greenpeace mit einem lukrativen Angebot auf das Unternehmen zukam.
Die Sachsen sollten den ersten FCKW-freien Kühlschrank bauen. Denn längst war bekannt, dass Fluorchlorkohlenwasserstoffe der Ozonschicht schadeten.
Während westdeutsche Firmen ablehnten, griff Foron beherzt zu und präsentierte im März 1993 der Welt den ersten FCKW-freien Kühlschrank, den sogenannten "Greenfreeze". Trotz Schmutzkampagnen der Westkonkurrenz setzte sich der umweltfreundliche Kühlschrank durch.
Schon bald stellten alle Hersteller auf die neue Technologie um – zum Schaden von Foron. Denn eine Klausel im Vertrag verbot die Anmeldung eines Patentes. So musste das Unternehmen 1996 Insolvenz anmelden.
Kaffee aus Vietnam
Vietnam ist der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt und bekannt für den Anbau der Sorte Robusta, die mehr Koffein enthält. Dafür verantwortlich war unter anderem sächsische Entwicklungsarbeit.
So schlossen die DDR und Vietnam im Schatten der weltweiten Kaffeekrise zwei Regierungsabkommen in den Jahren 1980 und 1986, die vorsahen, die Anbaufläche in Vietnam von 600 auf 8600 Hektar zu erhöhen.
Dafür sollte die DDR später mal günstigen Kaffee bekommen – was angesichts der politischen Wende jedoch nie geschah. Geleitet wurde das Projekt von der VEB Interagrarkooperation (heute IAK) mit Sitz im Weißen Haus im agra-Park in Markkleeberg, die sich um die Planung, die Projektrealisierung und die Ausbildung von vietnamesischen Fachkräften kümmerte.
Die Umsetzung erfolgte zudem in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tropische Landwirtschaft der Universität Leipzig. So stammten die ersten Kaffeepflanzen aus den Gewächshäusern des Instituts in Leipzig-Liebertwolkwitz.
Tiefer Bergbau
Mit Silberfunden im Jahr 1168 in Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, begann das "Erste Große Berggeschrey", es machte das Erzgebirge zur Wiege des modernen Bergbaus. So wurden in Sachsen entwickelte Organisations- und Bergbausysteme international übernommen.
Der Sachse Georgius Agricola (1494–1555) zum Beispiel begründete mit seinem Buch "De re metallica", in dem er unter anderem über Schachtbau, Pumptechnik, Erzverarbeitung, Sicherheit und Hüttenwesen schrieb, die moderne Montanwissenschaft. Jahrhundertelang galt es weltweit als Standardwerk des Bergbaus.
1765 wurde schließlich die TU Bergakademie Freiberg als erste Bergbauhochschule der Welt gegründet, an der sich spätere Bergakademien, darunter in St. Petersburg, Paris und Mexiko, orientierten. Erzgebirgische Bergleute galten über Jahrhunderte als Spezialisten, die weltweit angeworben wurden und ihre Expertise weitergaben.
Besonders im Silberabbau, im Wasserlösungsbau und im Tiefbau war Sachsen mit der Entwicklung von komplexen Systemen aus Kunstgräben, Wasserrädern und Entwässerungsstollen führend. Nur mithilfe dieser Technik war der tiefe Bergbau überhaupt möglich.
Günstiges Papier
Was haben ein Wespennest und Kirschkerne gemeinsam? Sie inspirierten den Sachsen Friedrich Gottlob Keller (1816–1895) im 19. Jahrhundert dazu, aus Holzfasern Papier herzustellen. Bis dato wurde Papier nämlich aus alten Lumpen gewonnen.
Doch das war sehr teuer, auch weil Lumpen zu damaliger Zeit Mangelware waren. Beim Anblick eines Wespennestes kam Keller nun die zündende Idee, Papier aus Holzfasern herzustellen. Zwei Jahre lang tüftelte er jedoch vergeblich – bis er sich daran erinnerte, wie er als Kind Kirschkerne abschliff, um daraus eine Kette zu basteln.
Dabei entstand eine schleimige Masse, die sich nach dem Trocknen als biegsam erwies. 1845 gelang es ihm schließlich, erstmals mit dem Holzschliffverfahren Papier herzustellen.
Die Grundlage zur billigen, industriellen Massenproduktion von Papier war geboren und damit der Weg frei für das Zeitalter der Massenmedien (Bücher, Zeitungen, Werbung, Verpackung).
Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa, 123RF/lightfieldstudios, IMAGO/Rupert Oberhäuser

