Oberlichtenau - 1000-mal daran vorbeigefahren, 1000-mal nicht beachtet. Dabei läuft auf dem Feld am Ortseingang Oberlichtenau (Landkreis Mittelsachsen) ein Test, der für Sachsens Landwirtschaft immer wichtiger wird: Welche Sojabohne passt zu welchem sächsischen Landwirt?
Auf dem Feld stehen acht Soja-Sorten in sechs Meter langen und 1,50 Meter breiten Streifen. Es sind alles Sorten, die in die Region passen und in Mittelsachsen angebaut werden können.
Welche sich wo am besten eignet, testet "Silotech", eine Geschäftsstelle von der Saatgut-Vertriebsplattform "Saatgut 2000".
Das Unternehmen mit Sitz in Oberlichtenau hat sich auf Saatgut spezialisiert: Getreide, Feinsämereien wie Gräser und kleinkörnige Leguminosen wie Klee, aber auch großkörnige Leguminosen wie Sojabohnen, Ackerbohnen und Erbsen. "Wir wollen für jeden Standort die passende Sorte finden", erklärt Anbauberater Jörg Schiller (40).
Denn der Boden in Sachsen ist nicht gleich: "Wenn der Landwirt in Bautzen sagt: Ich möchte gerne für meinen Standort eine Sorte haben, möchten wir ihn genauso gut beraten können wie einen im Leipziger Land, wo der Boden eher trockener ist und es weniger Niederschläge gibt. Oder im Erzgebirge, wo Höhenlage und Steinigkeit eine Rolle spielen."
Schiller vermittelt Landwirten die passenden Sorten und erklärt ihnen, wie die Ernte möglichst ertragreich wird. Diese landet anschließend als Tierfutter auf dem Markt oder in der Lebensmittelindustrie.
Mehrere Versuchsfelder in Sachsen
Damit die Empfehlungen nicht nur auf Vermutungen beruhen, gibt es mehrere Versuchsfelder. "Ein großes ist in Methau bei Rochlitz. Dort stehen 25 Weizensorten. Und in Oberlichtenau haben wir neben den Sojabohnen auch Sommerweizen und -gerste sowie Hafer."
Drei Jahre stehen die Pflanzen auf den Versuchsfeldern. Erst dann lassen sich verlässliche Aussagen über die Sorten treffen.
Warum ist das so wichtig? Soja ist eine Alternative zu anderen Anbaukulturen, besonders wenn deren Erträge gering ausfallen. Aber: "Wir könnten nicht eine komplette Kultur mit Soja austauschen."
Für Schiller ist Soja nicht nur ein weiteres Standbein: "Wir geraten aufgrund der Fruchtfolge, die wir in der Landwirtschaft einhalten müssen, an Grenzen." Dazu kommt: Soja ist ein wichtiges Tierfutter. "Die Tiere werden in Deutschland leider immer weniger, aber wir importieren relativ viel Soja", so Schiller.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden auf deutschen Äckern in diesem Jahr 52.300 Hektar angebaut. "Wir könnten locker das Doppelte bis Dreifache in Deutschland anbauen", sagt Schiller. "Aber da braucht der Landwirt eine Vermarktungsstrategie."
Die Power-Bohne
Soja ist nicht nur für Landwirte spannend. Die Bohne steckt voller Protein und ist damit eine wichtige Energiequelle für Mensch und Tier.
Tofu, Sojamilch, Sojaöl, Sojasauce – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen und nachhaltigen Lebensmitteln. Das verbessert die Marktchancen für Sojabohnen.
Doch die Bohne kann noch mehr: Sojapflanzen binden Stickstoff aus der Luft und reichern ihn im Boden an.
Dadurch wird weniger zusätzlicher Dünger benötigt. Das senkt die Produktionskosten und kann die Umweltbelastung durch chemische Düngemittel verringern.