Diese Linde spaltet ein ganzes Dorf: Beliebter Baum soll einem Kreisverkehr weichen

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Heidenau (Sachsen) - In Bosewitz (südlich von Heidenau) wohnen weniger als Hundert Menschen. Im Zentrum ihrer Gemeinde steht eine Linde. Doch das Rathaus von Dohna (wozu Bosewitz gehört) will einen Kreisverkehr errichten. Dafür soll der Baum gefällt werden.

Diese Linde in Bosewitz soll zugunsten eines Kreisverkehrs gefällt werden.
Diese Linde in Bosewitz soll zugunsten eines Kreisverkehrs gefällt werden.  © Norbert Neumann

Vor 27 Jahren von den Bürgern von Bosewitz gepflanzt, teilt die Linde per Plakat Folgendes über sich mit: "Ich bin gesund und standfest, ich präge den Dorfcharakter, nach mir wurde das Lindenfest Bosewitz genannt."

Angela Teichmann hat die Linde schon als Mädchen gehegt und gepflegt. Die Schwiegereltern pflanzten den Baum an derselben Stelle ein, an dem bis zum Ende der 60er-Jahre eine alte Linde stand.

Doch ein Auto sei frontal hineingefahren und die alte Linde wurde gefällt: "Der Baum ist unser Wahrzeichen, die Seele des Dorfes. Sie muss bleiben."

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Bei aller Linden-Liebe, die vierfache Mutter beklagt auch die Verkehrssituation an der Kreuzung. Die rund 100 Meter entfernte Haltestelle des Schulbusses ist vor allem in den dunklen Jahreszeiten aufgrund des fehlenden Fußwegs gefährlich: "Leider gilt hier nur Tempo 50. Manchmal donnern die Autos schneller durch."

Ein Horrorszenario für die vierfache Mutter Angela Teichmann, die schon als Kind die Linde gegossen hat.
Ein Horrorszenario für die vierfache Mutter Angela Teichmann, die schon als Kind die Linde gegossen hat.  © Norbert Neumann
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Mit einem Plakat informiert die Linde - über sich.
Mit einem Plakat informiert die Linde - über sich.  © Norbert Neumann

Dohnas Bürgermeister hat klare Prioritäten

Bosewitz, Ortsteil von Dohna, hat weniger als 100 Einwohner.
Bosewitz, Ortsteil von Dohna, hat weniger als 100 Einwohner.  © Norbert Neumann

Dohnas Bürgermeister Ralf Müller (57, CDU) kritisiert gleichermaßen den "damals unfachmännisch gemachten Kreuzungsbereich" wie den "unfachmännischen Einbau der Linde".

Seit mehr als fünf Jahren laufen im Rathaus die Debatten, Voruntersuchungen hätten ergeben, dass ein Kreisverkehr die beste Lösung sei. Entscheidend hierbei ist nicht nur der alltägliche Verkehr: "Die Strecke von Abfahrt Heidenau zur Abfahrt Pirna parallel zur A17 wird bei Stau gern als Umfahrung genutzt."

Wenngleich aktuell kein Baustart in Aussicht steht, nimmt der Bürgermeister das Ende der Linde im Dorfkern indirekt vorweg: "Sie wird die nächsten 10 bis 20 Jahre nicht überleben. Sie ist der kümmerlichste Baum im Dorfkern und hat Schäden im Fußbereich."

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Priorität habe also nicht etwa der Baum, sondern ein neuer Abwasserkanal und "danach die Straßenverbreiterung mit Fußweg zu einer neuen Haltestelle", so der Bürgermeister Dohnas. Zumindest zum nächsten Lindenfest in Bosewitz wird die Linde noch stehen...

Titelfoto: Bildmontage: Norbert Neumann (2)

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