Chemnitz - Spitzenverdiener und Billiglohnarbeiter: Wo die Löhne in Sachsen am höchsten sind und warum der Abstand zum Westen immer noch so groß ist.
Die gute Nachricht: In allen sächsischen Landkreisen sind die Löhne im vergangenen Jahr gestiegen. Das ergab eine Auswertung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. Danach lag der Verdienst in den drei sächsischen Metropolen am höchsten.
Für Dresden errechnete die Direktion einen mittleren Bruttomonatsverdienst (Median) für Vollzeitbeschäftigte von 4182 Euro. Leipzig lag mit einem Durchschnittsverdienst von 4026 Euro auf Platz zwei, gefolgt von Chemnitz mit 3794 Euro.
Innerhalb des Freistaats sind die Unterschiede groß. In Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) etwa verdienten die Beschäftigten im Schnitt rund 1000 Euro weniger als im 130 km entfernten Dresden. Gründe seien in der Branchenstruktur sowie in der Anzahl und Größe der Betriebe zu suchen, so die Direktion.
In Dresden pusht die Mikroelektronik-Branche die Löhne, in der Handelsmetropole Leipzig die Kreativwirtschaft, die Automobilindustrie und die Logistik.
Aber Geld ist für die Beschäftigten nicht alles. Auch "attraktive Arbeitsbedingungen, gute Aufstiegs-Chancen und Qualifikationsmöglichkeiten" seien heute wichtig, sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion.
Sachsens Löhne kommen nicht an West-Niveau heran
Trotz der Lohnsteigerungen um 200 Euro oder sechs Prozent im vergangenen Jahr kann Sachsen noch immer nicht an das West-Niveau heranreichen. In Hamburg etwa kommen Vollzeitbeschäftigte auf ein mittleres Monatseinkommen von 4768 Euro. Die Hansestadt liegt damit an der Spitze der Fahnenstange (Bundesschnitt: 4217 Euro).
Zu den Gründen sagt die Direktion: Große Betriebe sind oft tarifgebunden und zahlen deshalb meist höhere Löhne. In Sachsen findet sich eher eine kleinteilige Wirtschaftsstruktur. Auch Konzernsitze und gut bezahlte Forschungs- und Entwicklungsbereiche sind in Sachsen im Vergleich zu westlichen Regionen weniger präsent.