Er hat die Dinos im Saurierpark modelliert: Dieser Lausitzer hat ein Händchen für die Urzeit

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Seifhennersdorf - Der aus einer spontanen Laune heraus versprochene Freundschaftsdienst machte einen Hobbykünstler zum Schöpfer eines zweieinhalb Meter großen Zwergs im Kinderparadies Querxenland - obwohl er so etwas noch nie versucht hatte.

Stern wohnt und arbeitet inzwischen in Leutersdorf. Hier verewigte er sich mit einer Karasek-Figurengruppe.
Stern wohnt und arbeitet inzwischen in Leutersdorf. Hier verewigte er sich mit einer Karasek-Figurengruppe.  © Stefan Häßler

Wenige Monate später wurde Thomas Stern (66) vom Saurierpark Kleinwelka engagiert, um dort Dutzende Kolosse der Urzeit zu modellieren. Er mauserte sich zu einem der führenden Dinoskulptur-Experten Mitteleuropas. Kürzlich schloss sich der Kreis für diese außergewöhnliche Lebensgeschichte erneut im Querxenland Seifhennersdorf.

Bereits von Kindesbeinen an hatte der kleine Thomas einen Hang zu Malerei und künstlerischer Gestaltung. Umso ernüchternder war es für ihn, dass er nach dem Abi durch die Aufnahmeprüfung der Dresdner Kunsthochschule rasselte. Schließlich wurde er Drucker und pflegte seine Musen im stillen Kämmerchen weiter.

Nach der Wende kam es im Seifhennersdorfer Kulturausschuss zu einer Schicksalsstunde - sozusagen seine Stern-Stunde: Rüdiger Schaper, Gründer des Freizeitzentrums Querxenland, stellte Erweiterungspläne vor.

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So wünschte er für die Eingangspforte einen 2,60 Meter hohen Zwerg und beklagte die vom Holzbildhauer aufgerufenen Kosten. Thomas Stern fiel ihm spontan ins Wort: "Ach, den baue ich dir doch für die Hälfte!"

Als junger Mann sagte Thomas Stern spontan die Erschaffung eines großen Zwerges zu - es war die Sternstunde seiner schöpferischen Entwicklung.
Als junger Mann sagte Thomas Stern spontan die Erschaffung eines großen Zwerges zu - es war die Sternstunde seiner schöpferischen Entwicklung.  © privat
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Im Kinder- und Jugenderholungszentrum Querxenland in Seifhennersdorf schließt sich für den Skulpturenbauer immer wieder der Kreis.
Im Kinder- und Jugenderholungszentrum Querxenland in Seifhennersdorf schließt sich für den Skulpturenbauer immer wieder der Kreis.  © Stefan Häßler

Saurierpark überschüttete Stern mit Aufträgen

Eine ehemalige Baustelle im Saurierpark. Die Dinos entstanden während der Öffnungszeit, die Besucher konnten ihm über die Schulter schauen.
Eine ehemalige Baustelle im Saurierpark. Die Dinos entstanden während der Öffnungszeit, die Besucher konnten ihm über die Schulter schauen.  © privat

Hatte er den Mund zu voll genommen? Nun gut, als gelernter DDR-Bürger hatte er das Improvisieren und als Sachse das Friemeln verinnerlicht. Doch hierbei handelt es sich um ein Stahlgerüst mit bemalter Betonschicht!

Stern: "Ich hatte vorher noch niemals ein Schweißgerät in der Hand gehabt und musste mir das von einem befreundeten Handwerker erst einmal zeigen lassen."

Als der große Querx fertig war, leuchteten Kinderaugen und der Auftraggeber staunte. Schaper stammte aus Kleinwelka und wusste, dass dort ein kreativer Kopf als Nachfolger des Parkgründers Franz Gruß händeringend gesucht wurde.

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Stern stellte sich 1994 vor und durfte als Referenzobjekt einen Baum mit vier Archaeopteryxen bestücken - danach überschüttete ihn der Saurierpark mit Aufträgen.

Bis heute sind in Kleinwelka die Dinos los.
Bis heute sind in Kleinwelka die Dinos los.  © Thomas Türpe

Stern erfüllte sich nebenbei den Traum vom Kunststudenten

Die Querxenburg brauchte nach Jahrzehnten mal wieder eine Generalüberholung. Daher kamen auch neue Zwerge hinzu.
Die Querxenburg brauchte nach Jahrzehnten mal wieder eine Generalüberholung. Daher kamen auch neue Zwerge hinzu.  © Stefan Häßler

Damit sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse und künstlerische Freiheit nicht gegenseitig ins Gehege kommen, stellte man ihm den Paläontologen Dr. Gottfried Böhme von der Humboldt-Uni Berlin zur Seite.

Stern: "Wir streiften oft stundenlang durch die nach Erdzeitaltern geordnete Anlage und berieten gemeinsam, auf welcher Lichtung oder an welchen Bäumen eine lebensnahe Szene mit welchen Urzeit-Echsen gestaltet werden könnte."

Danach fertigte Stern zunächst umfangreiches Skizzenmaterial aus unterschiedlichen Perspektiven an, zu welchem der Wissenschaftler und die Parkleitung ihr grünes Licht geben mussten.

Nebenbei erfüllte er sich auch den Traum vom Kunststudenten, indem er mit 35 Jahren in Dresden vier Semester "Künstlerische Anatomie" paukte.

Neidvoll schaute man auf Kleinwelka

Auch wenn sich die Aufträge für Urzeit-Riesen zuletzt rar machten, bleibt der Künstler immer schöpferisch.
Auch wenn sich die Aufträge für Urzeit-Riesen zuletzt rar machten, bleibt der Künstler immer schöpferisch.  © Stefan Häßler

Für die größeren Skulpturen musste zunächst ein Fundament erstellt werden, bevor das Stahlskelett geschweißt wurde. Darüber wird ein Drahtgeflecht gelegt und dann per Hand die erste Schicht Beton aufgetragen - je nach Größe kann diese bis zu zehn Zentimeter dick werden.

Noch am feuchten Mörtel bildet Stern mit feinen bildhauerischen Mitteln die Struktur der Haut nach. Vier Wochen später, wenn der Beton getrocknet ist, kommt schließlich Farbe drauf.

An die 150 Dinosaurier aller Gattungen dürfte Stern in den vergangenen Jahrzehnten in Kleinwelka modelliert haben, kleinere Exemplare auch aus Kunststoff.

Die von Steven Spielberg 1993 mit "Jurassic Park" und den Folgefilmen ausgelöste Dinomania ließ die Kassen weltweit klingeln. Neidvoll schaute man auf Kleinwelka, wo bereits in den 1980er-Jahren Saurier in Lebensgröße zu sehen waren.

Zur Einweihung waren 60 Urzeit-Viecher fertig.

Stern und sein Räuberhauptmann Karasek. Diesem ist in Seifhennersdorf ein eigenes Museum gewidmet.
Stern und sein Räuberhauptmann Karasek. Diesem ist in Seifhennersdorf ein eigenes Museum gewidmet.  © Stefan Häßler

Ein österreichischer Geschäftsmann überredete Investoren zu einem "Styrassic Park" bei Graz. Und weil es an Fachleuten mangelte, warb man Thomas Stern 1998 als künstlerischen Leiter an. Eine Herausforderung.

"Ein Jahr später sollte der Park bereits eröffnen. Man unterstellte mir etwa 40 talentierte Leute, die nach meinen Vorgaben das Schweißen und Modellieren lernten. Die Dinosaurier entstanden - weiter mit Beratung des Paläontologen Böhme - fast im Akkord."

Eine Woche weilte Stern in Kleinwelka, die andere in Bad Gleichenberg in der Steiermark. Zur Einweihung waren 60 Urzeit-Viecher fertig.

Daraufhin kamen Anfragen aus ganz Europa. Nicht nur für Dinos. In Oslo etwa erstellte Stern einen riesigen Wikingerwurm, für die italienischen Dolomiten einen Höhlenbären, für das Skigebiet Galsterberg einen Galsterix und in der Schweiz knapp drei Meter hohe Frühlingsblumen.

Ein Liftbetreiber in Andorra ließ sich verschiedene Hexen und Figuren aus den regional bekannten Sagen modellieren.

Sterns erster Riesenquerx musste zwischenzeitlich ersetzt werden

In einem Leipziger Wohngebiet entstand ein fünf Meter hoher und zehn Meter langer Drachenkopf aus Stahlbeton.
In einem Leipziger Wohngebiet entstand ein fünf Meter hoher und zehn Meter langer Drachenkopf aus Stahlbeton.  © privat

Doch auch in Sachsen hat sich Thomas Stern weiter verewigt. In einem Leipziger Wohngebiet steht ein überdimensionierter Drachenkopf. Den Räuberhauptmann Karasek baute er sowohl für Seifhennersdorf als auch für die Nachbargemeinde Leutersdorf, in welcher er inzwischen lebt.

Und immer wieder gern hilft er im Querxenland. Sein erster Riesenquerx musste zwischenzeitlich ersetzt werden, weil Halbstarke ihm eine Schlinge um den Hals warfen und mit dem Auto über die Straße zerrten.

Auch die einst von ihm gestaltete Querxenburg kam in die Jahre. Neuerdings ist sie wieder mit frischen und lebensfrohen Kobolden bestückt. Die Hasen und Hühner am Osterhasenpostamt stammen ebenfalls von ihm.

Nur Saurier-Aufträge machen sich in letzter Zeit rar. Stern: "Inzwischen gibt es zu viele Anbieter aus Osteuropa und China, welche Dinos in Serie herstellen. Da kann ich nicht mithalten."

Kleinwelka lässt Stern nicht los

In seiner Werkstatt wendet sich der Kunsthandwerker in letzter Zeit wieder kleineren Schmuckstücken zu.
In seiner Werkstatt wendet sich der Kunsthandwerker in letzter Zeit wieder kleineren Schmuckstücken zu.  © Stefan Häßler

Daher geht es der Kunsthandwerker nun etwas kleiner an. Unter seinen geschickten Händen entstehen Schmuck und grazile Skulpturen aus Metall.

Dennoch lässt ihn Kleinwelka nicht los. In den vergangenen Tagen zeichnete er die Skizze und erstellte das Modell eines Lesothosaurus.

Am Samstagnachmittag erklärte er in drei Vorträgen (15, 17 und 19 Uhr) dem neugierigen Publikum bei einem Special Event im Saurierpark, wie aus einer Zeichnung eine Plastik entsteht.

Info: saurierpark.detom-stern.jimdosite.com.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe, Stefan Häßler

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