Zwölf Knirpse und ein Männelmacher: Hier lernen kleine Sachsen das Drechseln
Sayda - Mitten im erzgebirgischen Wald surrte plötzlich eine Drechselbank - und zwölf kleine Nachwuchshandwerker warteten gespannt auf die ersten Späne. Nussknacker-Macher Markus Füchtner (45) aus Seiffen hatte die Vorschulkinder der Johanniter-Kita "Bahnhofsspatzen" zu einem ungewöhnlichen Vormittag am "Kleinen Vorwerk" eingeladen.
"Plötzlich standen da zwölf erwartungsvolle Kinder im Wald", erzählt Füchtner. "Es hat Spaß gemacht, ihnen zu erklären, wo das Holz herkommt, über Nussknacker zu philosophieren und gemeinsam zu drechseln."
Kaum lief die Maschine, standen die Sechsjährigen ringsherum, fingen die Späne ein und durften selbst Hand anlegen. Aus vorbereiteten Holzringen entstanden kleine Ringelbäumchen, wie man sie von Schwibbögen und Räucherhäuschen kennt.
"Das ist cool, wie die Späne fliegen", schwärmten die Kinder. Finley und Jasmin (beide 6) waren stolz: "Wir haben das zum ersten Mal gemacht. Es war toll!" Ihre Bäumchen wollen sie Weihnachten zu Hause aufstellen.
Den Strom für die Drechselbank mitten im Wald lieferte Füchtners Ford-Pick-up. Steckdosen auf der Ladefläche machen ihn zur mobilen Powerbank.
Der Waldausflug gehört zur "Mission Wilhelm", mit der Füchtner Nachwuchs für das traditionelle Handwerk begeistern will.
Nussknacker-Versteigerung bringt mehr als 14.000 Euro
Geld dafür brachte die Versteigerung seiner neuen "Knack-Dialog"-Nussknacker am 24. Juni in Leipzig. Die zweiteiligen Figuren verbinden erzgebirgische Tradition mit modernen Entwürfen.
Die neun handgefertigten Prototypen erzielten insgesamt 14.200 Euro. Allein "König und Königin" wurden für 2600 Euro versteigert. "Mit dem Erlös können wir viele Aktionen für den Nachwuchs und die gesamte Branche starten", sagt Füchtner.
Eine Kleinserie der neuen Nussknacker ist bereits in Produktion, die ersten Teile werden bemalt.
"In der Vorweihnachtszeit sollen sie auf jeden Fall in den Verkauf gehen", kündigt Füchtner an. Auch über weitere Nachwuchsaktionen denkt er bereits nach, verraten will er aber noch nichts.
Finley und Jasmin hat er mit dem Waldabenteuer allerdings noch nicht für seine Werkstatt abgeworben: Finley möchte Landwirt werden, Jasmin Erzieherin.
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt (3)

