Experte versichert: Manch teure Versicherung könnt Ihr Euch schenken

Dresden - Eine Versicherung beruhigt, doch ist der Beitrag das Risiko wert? 2200 Euro gibt der Durchschnitts-Sachse jährlich für Versicherungen aus - für Hausrat, Auto, Reisen. Doch welche davon ist sinnvoll und welche pure Geldverschwendung, weil sie nur die Provisionskassen der Vermittler füllt?

Holger Hinze ist Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Sachsen.  © Thomas Türpe

Der Dresdner Versicherungsexperte Holger Hinze (56), Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Sachsen, teilt Versicherungen in drei Kategorien ein.

Damit Ihr optimal abgesichert seid und zudem Hunderte Euro für Policen sparen könnt.

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Notwendige Versicherungen

Eine Haftpflicht-Versicherung braucht jeder. Man muss dafür auch keine Unsummen ausgeben.  © Maik Börner

• Haftpflichtversicherung

"Jeder braucht eine Haftpflichtversicherung, die für Fahrlässigkeiten und Missgeschicke aufkommt", stellt Hinze klar. So rechneten die Verursacher des Großbrandes im Chemnitzer Autohaus der Fugel Gruppe, das in der vergangenen Silvesternacht von Feuerwerkskörpern getroffen wurde, über ihre Haftpflichtversicherung ab.

Schadenssumme: rund 15 Millionen Euro. Zum Vergleich: "Eine Haftpflicht-Police gibt es schon ab 5 Euro im Monat", sagt Hinze.

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• Berufsunfähigkeitsversicherung

"Sie zahlt, wenn man seinen Beruf gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben kann und ist deshalb existenziell notwendig", sagt Hinze.

Dabei müssen Handwerker wegen eines höheren Risikos meist mehr zahlen als Büroangestellte. "Verträge mit einer Berufsunfähigkeitsrente von monatlich 2000 Euro gibt es für einen 25-jährigen Einzelhandelskaufmann ab 80 Euro/Monat. Elektroinstallateure müssen mit 100 Euro/Monat rechnen."

Auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung solltet Ihr besser nicht verzichten.  © 123RF/wirestock
Mit einer Risikolebensversicherung sind Hinterbliebene im Falle eines Todesfalls abgesichert.  © 123RF/ballha67

• Risikolebensversicherung

Damit sichert man im Todesfall Hinterbliebene ab. Die können damit vielleicht eine hohe Kreditrate für eine Eigentumswohnung weiter bedienen, ohne ausziehen zu müssen. Kosten: ab 10 Euro/Monat für eine Summe von 100.000 Euro im Todesfall.

• Gebäudeversicherung

"Sie ist unverzichtbar für Hauseigentümer, um vor Schäden durch Brand, Blitzschlag, Leitungswasser, Sturm und Hagel abgesichert zu sein", sagt Hinze. Dabei sind Reparaturen, der Wiederaufbau oder Instandsetzungen abgedeckt. Kosten für ein Einfamilienhaus: rund 500 Euro/Jahr. Wichtig zu wissen: Wer sich gegen Hochwasserschäden absichern will, braucht zusätzlich eine Elementarschadenversicherung.

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Die sinnvollen Versicherungen

Eine Hausratversicherung schützt Möbel und Technik im Falle eines Einbruchs.  © 123RF/babar760

• Hausratversicherung

Kann man abschließen, muss man aber nicht. Man beachte: Bei Einbruchdiebstahl sind Mobiliar und Technik zum Neuwert abgesichert. Hinze: "Sie kann sich bei teurer Ausstattung und Wertgegenständen im Haushalt lohnen."

• Unfallversicherung

Sie zahlt bei körperlichen Dauerschäden (Invalidität). "Das Risiko dafür muss jeder für ich selbst einschätzen", rät Hinze.

• Kinderinvaliditätsversicherung

Sie zahlt - anders als eine Unfallversicherung - auch bei einem krankheitsbedingten Grad der Behinderung. Damit können Einkommensausfälle der Eltern ausgeglichen werden, wenn sie sich um die Kleinen zu Hause kümmern müssen.

Braucht Ihr Rechtsbeistand bei Verkehrs-, Arbeits- und Miet-Streitigkeiten, greift Ihr am besten auf eine Rechtsschutzversicherung zurück.  © 123RF/allaaramyan

• Rechtsschutzversicherung

Sie zahlt anwaltlichen Beistand und trägt Gerichtskosten bei Verkehrs-, Arbeits-, Miet- und Vertragsrecht-Streitigkeiten. Auch hier gilt: prüfen, ob notwendig.

• Kfz-Schutzbrief

"Ein Schutzbrief ist oft schon in der Fahrzeugversicherung eingeschlossen, muss somit nicht extra bei einem Automobilklub abgeschlossen werden", gibt Hinze zu bedenken.

"Im Fall einer Panne kommen dann trotzdem oft die 'Gelben Engel', ohne dass man explizit Mitglied dort ist."

Die überflüssigen Versicherungen

Eine Insassenunfallversicherung ist in der Regel unnütz, weil die Insassen über die KFZ-Haftpflicht-Versicherung geschützt sind.  © 123rf/olegloktionov

• Garantieverlängerungs-Versicherung

Wird gern im Elektrogroßmarkt gleich beim Kauf angeboten. Dabei wird ein Monatsbetrag für eine verlängerte Garantiezeit bezahlt - meist 6 bis 7 Euro. "Eher überflüssig, denn in der Regel gilt bereits die zweijährige gesetzliche Händlergewährleistung, die Nachbesserung, Tausch oder eine Kaufrückabwicklung vorsieht", warnt Hinze.

So sollte einer seiner Klienten fünf Jahre lang für einen 800 Euro teuren Fernseher jeden Monat 6,99 Euro Versicherung zahlen - knapp 420 Euro über die gesamte Laufzeit. Hinze: "Mit dieser Summe könnte man ein Neugerät finanzieren." Widerrufsfrist: 14 Tage.

• Insassenunfallversicherung

"Sie ist nur für den Versicherungsmakler wegen der Provision lukrativ", sagt Hinze. "Die Insassen sind gegenüber dem Fahrzeughalter ohnehin anspruchsberechtigt und über die Kfz-Haftpflichtversicherung geschützt."

• Sterbegeldversicherung

Manche Versicherer verzichten zwar auf eine Gesundheitsprüfung, zahlen dann aber erst nach drei Jahren Wartezeit und davor nur die eingezahlten Beiträge zurück. "Weil die aktuelle Garantieverzinsung zudem nur bei einem Prozent liegt, zahlt man oft mehr ein, als man am Ende herausbekommt", warnt Hinze. So hatte ein Klient zwar 12.000 Euro eingezahlt, erhielt aber bei einem mickrigen Garantiezins von 0,25 Prozent nur 6000 Euro raus. "Den Abschluss einer Sterbegeldversicherung können Bezieher von Bürgergeld/Grundsicherung erwägen, weil eine Einmaleinzahlung von bis zu 8000 Euro als Schonvermögen angerechnet wird." Hinze rät: "Die Summe für eine Beisetzung selber als Tages- oder Festgeld ansparen."

Eine Krankenhaustagegeldversicherung wird besser durch eine Krankentagegeldversicherung ersetzt.  © 123RF/yacobchuk

• Reisegepäckversicherung

"Die kann man sich sparen, weil man laut Versicherungsbedingungen förmlich auf den Koffern sitzen muss, damit die Versicherung zahlt", weiß Hinze.

• Brillenversicherung

"Das Risiko, dass man mehr Versicherungsbeiträge zahlt, als es der Zeitwert einer zerbrochenen Brille entspricht, ist groß", meint Hinze.

• Handyversicherung

Sie ist oft teuer und schließt viele Schäden aus. Hinze: "Manchmal sind Handyschäden auch über die Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung abgesichert."

• Restschuld-/Restkreditversicherung

"Empfehlen wir gar nicht", sagt Hinze. "Sie wird auf die Kreditsumme aufgeschlagen und kann sie um bis zu 20 Prozent verteuern! Wir hatten kürzlich einen Fall, da wurden auf 27.000 Euro Kreditsumme insgesamt 5500 Euro aufgeschlagen."

• Krankenhaustagegeldversicherung

Hinze: "Sie zahlt nur für die Zeit, während der man im Krankenhaus liegt.

Ratsamer wäre eine Krankentagegeldversicherung, die 90 Prozent Lohnfortzahlung verspricht, wenn nach sechs Wochen kein Krankengeld mehr gezahlt wird - wichtig für Selbstständige und wenn eine wichtige Kreditrate zu bedienen ist."

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