Frost-Fest im Osterzgebirge! Warum 200 Menschen freiwillig im Eiswasser schwimmen

Altenberg - 13 Grad minus in der Nacht, 2,6 Grad plus im Wasser – und am Waldsee hinter dem Landhotel "Altes Zollhaus" in Neuhermsdorf herrscht trotzdem Volksfeststimmung. Denn hier im Osterzgebirge steigen an diesem Wochenende die deutschen Eisschwimm-Meisterschaften. Statt Chlorgeruch gibt es Natur pur und traumhaftes Winterwetter.

Das Wetter zeigte sich am Freitag von seiner besten Seite.  © Norbert Neumann

Die Sonne blinzelt durch die verschneiten Bäume und bringt den kleinen Teich zum glitzern. Rund 200 Frauen und Männer stehen in Badekleidung im Schnee, klatschen, jubeln, atmen die eiskalte Luft ein. Gegen 10 Uhr am Freitag fielen die ersten Starts – hinein in das bibberkalte Wasser. Während Atemwolken über den See zogen, feuerten die Zuschauer jeden Schwimmer an, egal ob Profi oder Amateur.

Geschwommen wird auf 25-Meter-Bahnen über insgesamt 50, 100, 200 und 1000 Meter. Besonders im Fokus: die 1000 Meter, die Königsdisziplin. Aus Sicherheitsgründen gilt: Wer diese Distanz nicht innerhalb von 25 Minuten schafft, muss das Wasser verlassen.

Mitten im Feld hält sich der älteste Teilnehmer Brian Bain (66) aus Schottland warm. "Ich bin das erste Mal hier. Seit ungefähr vier Jahren mache ich mittlerweile Eisschwimmen", erzählt er. Früher war er Leistungssportler, Freunde brachten ihn auf die Idee mit dem Eis. In Neuhermsdorf startete er über 50 und 1000 Meter.

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"Ich finde die Location hier super schön und muss definitiv öfter hierherkommen. Sonst schwimmen wir in einem Pool und hier in so einem kleinen Teich. Es sieht aber ganz schön kalt aus."

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17 Minuten für 1000 Meter waren das Ziel des Schotten Brian Bain (66).  © Norbert Neumann

Schwimmer reist für Eis-Event extra aus Vietnam an

Trainiert haben die Vietnamesen Nguyen Phan Anh (15, l.) und Nhung Bui (42) mit zehn Kilo Eis in der Badewanne.  © Norbert Neumann

Noch weiter angereist ist Nguyen Phan Anh (15) aus Vietnam: "Ich möchte mich selbst herausfordern. Es ist mein erstes Mal überhaupt." Er tritt über 50 Meter Schmetterling sowie 100 und 200 Meter Freistil an.

"Es ist das erste Mal, dass ich überhaupt Schnee sehe." Warum ist das Starterfeld so international? Weil es hier um wichtige Weltcup-Punkte geht. Das Event hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Deshalb zählt es dieses Jahr zu einem der "Ice World Cups".

Organisator und Hotel-Chef Gerrit Curcio (58), selbst Starter über 50 Meter Brust und Freistil, zeigt sich begeistert:

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"Wir sind sehr zufrieden mit dem Event. Wir hatten viel mit dem Wetter zu kämpfen bei minus 13 Grad in der Nacht, mussten heute früh das Wasser nochmal vom Eis befreien. Dass wir am Schluss mit so schönem Wetter belohnt werden, ist einfach traumhaft"

Gerrit Curcio (58) ist mit dem Event und seiner Leistung im Wasser zufrieden.  © Norbert Neumann

Für Sicherheit sorgt die DLRG. Rettungsschwimmerin Luise Wauer (21) beobachtet jeden Teilnehmer genau: "Bei den Schwimmern achten wir besonders bei längeren Distanzen darauf, wie sich die Bewegung verändert."

Die größte Herausforderung sei die Kälte. "Mit der ganzen Ausrüstung im eiskalten Wasser, das ist auch für uns anspruchsvoll."

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Luise Wauer (21) von der DLRG sorgte für Sicherheit vor Ort.  © Norbert Neumann

1000-Meter-Siegerin erklärt: "Aufwärmen danach ist das Schlimme"

Lisa Holm (22) schwamm auf den 1000 Metern der Frauen allen davon.  © Norbert Neumann

Und wie fühlt es sich nun eigentlich an, 1000 Meter bei 2,6 Grad zu schwimmen? "Im Wasser selbst geht es eigentlich, aber das Aufwärmen danach ist das Schlimme. Man ist den ganzen Tag noch kalt", sagt Lisa Holm (22) aus Osnabrück. Sie schwamm die 1000 Meter, sicherte sich souverän den Sieg. "Das hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Mein Ziel wäre es schon, zur WM fahren zu können."

Neuhermsdorf ist an diesem Wochenende Treffpunkt einer Szene, die das Extreme sucht und im eiskalten Wasser ihre Grenzen verschiebt.

"Die ganzen Extremsportler sind eine richtige Familie und wir sind auf einem sehr guten Weg, 2030 olympisch zu werden", weiß Eisschwimm-Trainer Stefan Hetzer (72), der für den Deutschen Schwimmverband vor Ort war.

Eines bleibt gewiss: Wer diesmal dabei war, möchte unbedingt auch nächstes Jahr wiederkommen.

Die Zuschauer bei den Zollhaus Open feuerten alle Schwimmer an - vollkommen egal, aus welchem Land sie kamen.  © Norbert Neumann
Die Schwimmer kannten keine Schmerzen und zogen voll durch.  © Norbert Neumann

5 Gründe, warum kaltes Wasser gut für uns ist

Eisbaden hat viele Vorteile für Körper und Geist. Forschung zeigte, dass Kältetherapie eine fundierte Methode zur Gesundheitsoptimierung ist. Fünf Fakten.

  • Beim Eintauchen in Eiswasser aktiviert der Körper einen "Kältemodus", um sich anzupassen. Beim regelmäßigen Eisbaden lernen die Blutgefäße, sich schneller und effizienter zu regulieren. Die Mitochondrien als Kraftwerke der Zellen vermehren sich, steigern ihre Effizienz. Die Effekte dieser verbesserten Energieproduktion sind auch im Alltag später spürbar.
  • Eisbaden hilft beim Regenerieren, steigert die Leistungsfähigkeit. Nach sportlichen Anstrengungen erholt man sich schneller und es gibt weniger Muskelkater.
  • Beim Eisbaden optimiert sich das Immunsystem. Wer sich so abhärtet, kann Infekten besser die Stirn bieten.
  • Kältereize pushen und verbessern den Stoffwechsel. Dieser Zustand hält Stunden nach dem Bad an. Studienteilnehmer zeigten nach zwölf Wochen regelmäßigen Eisbadens eine verbesserte Insulin-Sensitivität und reduzierte Entzündungsmarker.
  • Eisbaden ist ein Trainingsprogramm für die grauen Zellen, denn es verbessert Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, mentale Belastbarkeit und Schlaf.

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