Pirna - An die Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gedachten am Dienstag in Pirna Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) und der ungarische Staatspräsident Tamás Sulyok (69).
An der Kranzniederlegung an der "Grauen Kaserne" nahmen auch Zeitzeugen teil. "Wir kamen mit dem Viehwaggon 1948 in Pirna an. Ich war zehn Jahre alt, als man meine Familie zwang, Ungarn zu verlassen", berichtete Nikolaus Drexler (88).
Die Familie wurde nach Porschdorf in die Sächsische Schweiz weitergeschickt. Sie erlebte da Hunger und Elend.
"Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Ein ungarisches und ein deutsches", sagte Drexler, der nach der Wiedervereinigung als Sebnitzer Landrat Verantwortung trug.
"Ich war dreieinhalb Jahre alt, als man meine Familie zwangsaussiedelte und enteignete. Wir kamen nach Pirna und später zu einem Bauern nach Herzogswalde. Wir hatten damals kaum zu essen", berichtete Teresia Malisch (81).
In Ungarn ist er bereits nationaler Gedenktag
Die Seniorin lebt heute in Wilsdruff. Drei Kinder zog sie groß. Ihr ist wichtig: "Das Schicksal der Menschen, die Zwangsaussiedlung, Flucht und Vertreibung erlebt haben, darf nicht in Vergessenheit geraten."
Fast 50 000 Ungarndeutsche kamen in Wellen 1947 und 1948 nach Sachsen. Die "Graue Kaserne" in Pirna diente damals als Erstaufnahme Vertriebener.
In Ungarn ist der 19. Januar seit 2012 sogar nationaler Gedenktag zur Vertreibung der Ungarndeutschen.
Michael Kretschmer machte den Ernst der Lage deutlich: "Daraus sind Traumata entstanden"
"Das unterscheidet Ungarn sehr von anderen Ländern, in denen solche Vertreibungen stattgefunden haben", betonte der Ministerpräsident. Über diese Geschichte sprach man in der DDR nicht.
"Daraus sind Traumata entstanden, nicht nur für diejenigen, die das unmittelbar erlebt haben, sondern auch für die nachfolgenden Generationen", so Kretschmer.
Staatspräsident Sulyok sagte: "Die Vertreibung der Ungarndeutschen war eine schädliche Sünde am Menschen. Nach dem blutigen Weltkrieg wurden nicht erst die Wunden geheilt, sondern vielmehr neue Wunden aufgerissen."