Machen Sie als Umweltminister jetzt alles anders als die Grünen, Herr von Breitenbuch?

Dresden - Sachsens Minister für Umwelt und Landwirtschaft, Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU), verlangte der Sommer 2026 als Krisenmanager viel ab. Hitze, Dürre, Waldbrände, Haushaltsverhandlungen - der Christdemokrat musste oft Stellung beziehen. Er tat es und zeigte dabei, dass er komplett anders tickt als sein Amtsvorgänger von den Grünen. Im Interview mit Redakteurin Pia Lucchesi (53) erklärt von Breitenbuch hier, welche Prioritäten er im Amt setzt.

Georg-Ludwig von Breitenbuch (55, CDU) ist seit Dezember 2024 Sachsens Minister für Umwelt und Landwirtschaft.  © Eric Münch

TAG24: Franziska Schubert warf Ihnen als Fraktionsvorsitzende der Grünen vergangene Woche im Landtag vor, dass Sie die grüne Umwelt- und Agrarpolitik der vergangenen Jahre gegen die Wand fahren. Stimmt das? Drehen Sie das Rad der Zeit zurück?

Georg-Ludwig von Breitenbuch: Das ist eine politische Zuspitzung, die ich nicht teile. Mein Maßstab ist nicht die Politik einer Vorgängerregierung, sondern das, was in der Praxis funktioniert. Nehmen Sie den Biber in der Lausitz: Wo er Teichanlagen zerstört, brauchen wir Lösungen, keine Blockaden. Ich stehe für pragmatischen Naturschutz, der Ökologie und wirtschaftliche Realität zusammenbringt.

TAG24: Sie geben das Stichwort: Wasserhaltung. Jahrzehntelang wehrte sich Sachsen gegen eine Elbe-Staustufe Děčín. Sie unterstützen nun diese Pläne. Warum?

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Von Breitenbuch: Ich denke, die Staustufe kann uns helfen, Probleme mit Niedrig- oder Hochwasser in den Griff zu bekommen. Das entbindet uns aber nicht von der Notwendigkeit, grundsätzlich das Wasser in der Fläche zu halten. Beides gehört zusammen.

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Eine Visualisierung der geplanten Staustufe Děčín am Unterlauf der Elbe. Sie soll aus drei beweglichen Wehren, einer Schleuse und einem Kraftwerk bestehen.  © Verkehrsministerium Tschechien

Von Hochwasser bis Dürre: Wasser als zentrales Thema

Zwei Traktoren wirbeln bei der Feldarbeit Staub auf. Trockenheit ist nur eines von vielen aktuellen Problemen der Landwirte. (Symbolfoto)  © dpa/Jan Woitas

TAG24: Beim Thema Wasser bewegen Sie sich im Spannungsfeld zwischen Dürre und Hochwasser. Was ist dabei Ihr Kompass?

Von Breitenbuch: Wir haben die letzten Jahre sehr viel für den Hochwasserschutz gemacht. Für die Zukunft brauchen wir da natürlich Geld und Fachleute, um das Ganze zu unterhalten. Auf der anderen Seite rückt die Vorsorge für Trinkwasser noch mehr ins Blickfeld. Wir bringen jetzt konkrete Vorhaben zum Abschluss: Hochwasserschutz in Döbeln und Pirna, Investitionen in die Talsperren Lichtenberg und Einsiedel. Das Ziel ist klar: Wasser zurückhalten, regulieren, speichern.

TAG24: Treiben Sie die Ereignisse zum Handeln an?

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Von Breitenbuch: Ich komme von der praktischen Seite. Mich interessiert, was Menschen, Eigentümer, Kommunen motiviert, Hecken oder Bäume zu pflanzen und Gewässer in Ordnung zu bringen. Ich habe dafür gekämpft, dass die Gewässerunterhaltungspauschale in den neuen Haushalt kommt. Wir haben einen Erlass geschrieben, dass Teichschlämme einfacher auf Felder verbracht werden können. Wir haben da jetzt eine klare Regelung. Ich hoffe, das wird genutzt, um etwa kleine Teiche zu erhalten. Denn die Kleingewässer kommen dem Natur- und Artenschutz zugute.

August 2026: Niedrigwasser in der Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge.  © DPA/Robert Michael
Unwetterschäden in Mittelsachsen. Wassermanagement und -haltung in der Fläche gewinnen zunehmend an Bedeutung angesichts der Zunahme von Extremereignissen.  © EHL Media

Ökologisches Wirtschaften mit knappen Mitteln

Maiskolben auf einem Feld im Gegenlicht der Sonne. Die Wetterkapriolen führen zu Ernteausfällen bei vielen Bauern. (Symbolfoto)  © dpa/Sebastian Kahnert

TAG24: Der Haushaltsentwurf sieht eine drastische Reduzierung der Mittel für das Kompetenzzentrum Ökolandbau vor. Haben Sie etwas gegen Ökobauern?

Von Breitenbuch: Nein. Wer ökologisch wirtschaftet, trifft eine unternehmerische Entscheidung, die ich respektiere. Aber als Minister muss ich mit knappen Mitteln Prioritäten setzen. Wir versuchen, das Thema Ökolandbau über die EU-Agrarförderung zu finanzieren. Für entsprechende attraktive Ökoregelungen setze ich mich vom ersten Tag an ein.

TAG24: Welchen Stellenwert räumen Sie dem Waldschutz und der Waldmehrung ein?

Von Breitenbuch: Der Wald spielt eine zentrale Rolle. Wir müssen die Wälder bewahren und entsprechend dem Klimawandel verändern. Dazu brauchen wir die Förster, die ihre fachlichen Vorstellungen an jedem Standort umsetzen können. Ich setze mich dafür ein, dass da Hemmnisse aus Deutschland und der EU abgebaut werden - etwa bei der konkreten Ausgestaltung der EU-Wiederherstellungsverordnung.

TAG24: Da steht die Anpflanzung neuer Gehölzarten in Ihrem Fokus, richtig?

Von Breitenbuch: Ja. Die Förster können nicht überall das pflanzen, was sie eigentlich pflanzen müssen. Das betrifft unter anderem den Auwald in Leipzig. Mit der geltenden Rechtslage kann man den Naturveränderungen nicht mehr erfolgreich begegnen.

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Hochwertiger Naturschutz - und das sachsenweit

Der Umgang mit dem Wolf beschäftigt Menschen, Politiker, Naturschützer und Gerichte. Ende September ist dazu die Jagdverordnung Thema im Landtag. (Symbolfoto)  © dpa/Patrick Pleul

TAG24: Die Naturschutzverbände sind in extremer Alarmstimmung. Die Straffung und Vereinfachung von Planungsverfahren führt dazu, dass deren Möglichkeiten stark beschnitten werden, als Anwalt der Natur einzutreten.

Von Breitenbuch: Wo Mitwirkungsrechte zu Blockade-Instrumenten werden, muss das korrigiert werden. Wir müssen im Land Dinge auch bauen und gestalten dürfen. Wir machen sachsenweit sehr hochwertigen Naturschutz. Er entsteht zum Beispiel im Erzgebirge, in unserem Biosphärenreservat, im Nationalpark und nicht in Widerspruchsverfahren.

TAG24: Wie stehen Sie zu umstrittenen Erweiterungen vom Kiesabbau - zum Beispiel in Ottendorf-Okrilla bei Dresden?

Von Breitenbuch: Wir arbeiten an einer Rohstoffstrategie, in die ich mich als Umweltminister aktiv einbringe. Kein Abbau ohne klares Rekultivierungskonzept und sorgfältiges Planungsverfahren. Aber eine Region wie Dresden oder Leipzig braucht Kies und das ist eine Realität, die ich nicht ignoriere.

TAG24: Letztes Thema: Wolf. Seit März steht der Wolf im Bundesjagdgesetz. Wo steht man in Sachsen?

Von Breitenbuch: Bereits seit April können Wölfe nach Riss-Ereignissen bejagt werden. Ungeachtet dessen entwickeln wir derzeit einen Wolfsmanagementplan für Sachsen. Entsprechend dieses Plans ändern wir ab September die Jagdverordnung - die Zustimmung des Landtages vorausgesetzt. Durch die gezielte Entnahme von Wölfen können wir damit den günstigen Erhaltungszustand der geschützten Art sichern.

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