Görlitzer Einsturzdrama: Schönes Wetter bewahrte zwei Montagearbeiter vor dem Tod
Görlitz - Wohl selten lagen unglaubliches Glück und eine tödliche Tragödie so nah beieinander: Während die beiden Rumäninnen Georgiana Rusu (†25) und Simona Marcu (†26) sowie der Deutsch-Bulgare Ahmed M. (†48) den Zusammenbruch des Hauses in der James-von-Moltke-Straße nicht überlebten, war Georgianas Verlobter Cosmin Ciobanu (27) wegen eines Medikamentenkaufs nicht in dem Todeshaus. Zwei Montagearbeiter wiederum rettete wohl das Wetter. Derweil ist der Mega-Einsatz noch längst nicht beendet.
Als die mutmaßliche Explosion das Haus zum Einsturz brachte, vermuteten die Ermittler zunächst fünf Verschüttete. Am Ende waren es zwei weniger.
Der Grund: Die beiden Polen hätten eigentlich schon eingecheckt sein sollen, kehrten aber auf dem Weg zu dem Haus noch mal ein. Als sie ankamen, war das Unglück bereits geschehen.
Ab da lief ein Mega-Einsatz an: "Es ging uns von der ersten Minute um die Rettung von Menschenleben", sagt Oberbürgermeister Octavian Ursu (58, CDU). "Wir haben drei größere Herausforderungen von Anfang an gehabt."
Das seien die Zahl der Verschütteten, die instabilen Giebelwände, besonders auf der rechten Seite, und das Gas. Letzteres abzustellen, brauchte fast den gesamten Dienstag.
"Beim Gasnetz ist es nicht so einfach", so Sacha Caron (42) von den Stadtwerken Görlitz. Es sei aus Gründen der Versorgungssicherheit wie ein Spinnennetz aufgebaut. "Dementsprechend konnten wir nicht nur eine Stelle einfach abdrehen", sagt er.
"Wir schließen nichts aus", so Polizeirat Raik Schulze
An drei Stellen musste die Straße geöffnet, die Leitung dann mit einer Art Luftballon verschlossen und das Restgas abgeflammt werden. Erst ab da konnte schweres Gerät eingesetzt werden.
Die Arbeiten blieben aber gefährlich: Sensoren überprüften die Giebelwände, bei Bewegung über acht Millimeter mussten sich die Helfer zurückziehen. Das passierte nicht nur bei den Feuerwehrleuten, sondern auch bei den Ermittlern in der Nacht zu Freitag.
"Wir schließen nichts aus", sagt Polizeirat Raik Schulze (59) zu den Ermittlungen. "Das geht quasi vom Materialversagen über eine technische Ursache bis zur fahrlässigen oder vorsätzlichen Begehungsweise, aber da stehen wir noch am Anfang."
Mit Ereignissen der Sektion der Leichen sei nicht vor Dienstag zu rechnen. Pro Tag waren immer zwischen 130 und 150 Einsatzkräfte vor Ort. Das könnten zwischen 500 und 1000 Menschen insgesamt gewesen sein.
Titelfoto: Bildmontage: Thomas Baier/xcitePress//

