Hinten Kohle, vorne Windkraft: Energie-Riesen nehmen kleines Mulkwitz in die Mangel
Mulkwitz - Das Ende der Braunkohlezeit in der Oberlausitz ist besiegelt. Durch das Aufstellen von bis zu 21 Windkraftanlagen (WKA) sollen im Ort Schleife (Landkreis Görlitz) wenigstens einige Arbeitsplätze erhalten werden. Doch bis dahin sind es gut zehn Jahre, in denen vor allem das 200-Seelen-Dörfchen Mulkwitz in die Mangel genommen wird.
Die asphaltierte Spur hört hinter dem gepflegten Friedhof auf, ein Schotterweg zieht sich in den Oberlausitzer Wald. Rund einen Kilometer zu Fuß hinter einer Schranke öffnet sich die weitläufige Mulkwitzer Hochkippe, zukünftiges Plateau für vier WKA, jeweils 250 Meter hoch.
Noch in dieser Woche plant "Enercity", Energieunternehmen aus Hannover, die Anlieferung der ersten Großteile aus dem 20 Kilometer entfernten Boxberg.
Ein herber Einschnitt für Mensch und Natur, meint die Initiative zum Erhalt der Mulkwitzer Hochkippen: "Es ist gerade Hirschbrunft, die dadurch entweder gestört oder ganz verhindert wird. Zudem sind die Hochkippen für die Menschen ein Ort, den sie zum Teil an Projekttagen in der Schule selbst bepflanzt haben", klagt ein Sprecher angesichts der anstehenden radikalen Umstrukturierung der Hochkippen.
Die Stimmung im Dorf ist angespannt: "Die Grundstückspreise sinken in den Keller. Wir sind verkauft und verraten", poltert ein junger Mann auf dem Friedhof vor dem Grab seiner Mutter.
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In Mulkwitz herrscht angespannte Stimmung
In dieselbe Kerbe schlägt Andy Kreutz (37), in Mulkwitz geboren: "Ich habe im Nacken das Brummen des Tagebaus, daneben die Explosionen vom Truppenübungsplatz und in Zukunft vor Augen die Windräder. Ich fühle mich in die Mangel genommen."
Dennoch will oder kann der Familienvater nicht wegziehen, zu tief reichen die Wurzeln ins Land.
Der Bürgermeister von Schleife nimmt die Sorgen der Bürger hinsichtlich Schallemission, Schattenwurf und Sichtbarkeit der Anlagen ernst, doch ohne erneuerbare Energien sieht er keine Alternative: "Angesichts des absehbaren Endes des Braunkohletagebaus im Jahr 2038 ist es notwendig, neue Perspektiven zu entwickeln", bekundet Jörg Funda (60, CDU).
Mit Beginn 2027 sollen die Bürger von Schleife von der neuen Energie profitieren - mit bis zu 80 Euro Strom-Rabatt pro Jahr und Person. Vorausgesetzt, die Bürger sind dann noch da …
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler
