In Sachsen gebaut, aber nur schwer verkauft: Steigt durch die Prämie die Nachfrage nach Elektroautos?
Chemnitz - Die Produktion von E-Autos legte in Sachsen 2025 um 20 Prozent zu. Insgesamt 288.000 Neuwagen liefen vom Band. Die E-Mobilität hat trotzdem hierzulande weiter einen schweren Stand. In Sachsen ist nur etwa jedes 50. zugelassene Auto ein Stromer (Deutschland: etwa jedes 25.).
Leipzig (+3,5 Prozent) und Dresden (+3,3 Prozent) heißen die Schlusslichter im Vergleich der deutschen Großstädte, wenn es um den Umstieg von Verbrenner auf E-Autos im Vorjahr geht (Quelle: HUK-E-Barometer).
Die repräsentative Studie setzt Dresden und Leipzig auf die allerletzten Plätze des Städte-Rankings beim Anteil der reinen Elektroautos im Bestand der versicherten HUK-Fahrzeuge.
Laut Barometer steigt die Akzeptanz von E-Autos - besonders in Städten. Gekauft werden Stromer aber vor allem von Menschen, die jenseits der Zentren in selbst genutzten Immobilien wohnen.
Immer mehr Autofahrer können sich vorstellen, perspektivisch vollelektrisch unterwegs zu sein.
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Günstige Automarken spüren mehr Nachfrage
Löste da die neue staatliche Kaufprämie Fesseln? Eine TAG24-Umfrage bei sächsischen Autohändlern ergab ein gemischtes Lagebild.
Günstige Automarken aus Fernost und China spüren deutlich mehr Nachfrage seit Januar. Merklich, aber nicht unheimlich, stieg das Interesse an elektrischen Flitzern europäischer Markenhersteller. Impulse für das hochpreisige Pkw-Segment setzte die Förderung bislang nicht.
Thomas Aehlig (49) ist als Chef des VW-Betriebsrates Sachsen davon überzeugt, dass der Kaufanreiz sich in Bestelleingängen widerspiegeln wird. Davon dürfte auch der Produktionsstandort Zwickau profitieren.
"Ob das am Ende nachhaltig sein wird und ob sich danach ein Tal anschließt, weil Menschen ihren Autokauf wegen der Prämie vorziehen, wird sich erst später zeigen."
EU in der Pflicht
Sachsens Ex-Staatsminister Thomas Schmidt (64, CDU) nennt die undifferenzierte Kaufprämie "kontraproduktiv". Er lenkt als Mitglied des Europäischen Rates der Regionen die Automotive Regions Alliance.
Schmidt: "Warum sollten wir mit Steuergeld ohnehin günstige, nicht europäische Autos noch billiger machen? Das Geld gehört in Entwicklung und Produktion hier vor Ort - damit Deutschland selbst bezahlbare Pkw bauen kann, statt Importe zu subventionieren."
Er sieht die EU in der Pflicht.
"Sie muss endlich ihrem Aktionsplan, den sie vor gut einem Jahr vorgelegt hat, konkrete Maßnahmen folgen lassen. Die europäische Automobil- und Zulieferindustrie braucht Unterstützung für den Wandel, was nicht nur Förderung bedeutet, sondern auch Deregulierung und Beschleunigung von Prozessen."
Viele Unklarheiten in der Förderung
Die Bundesregierung fördert rückwirkend ab 1. Januar das Kaufen oder Leasen von E-Autos mit einer Prämie. Privatpersonen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen bis zu 80.000 Euro (maximal 90.000 Euro, wenn zwei Kinder unter 18 im Haushalt leben) können die Förderung beantragen.
Geld gibt es nur für erstmals in Deutschland zugelassene Neufahrzeuge mit rein batterieelektrischem Antrieb, batterieelektrischem Antrieb mit Range-Extender und mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.
Noch bestehen allerdings diverse Unklarheiten (etwa bei Bemessungsgrenzen).
"Letzte Details des Programms werden nun im Zuge der Ausarbeitung der Förderrichtlinie festgelegt", so das Bundesumweltministerium.
Anträge können voraussichtlich ab Mai über ein neues Online-Portal gestellt werden.
Titelfoto: imago/Sylvio Dittrich

