Kosten-Frust bei der Tafel: Warum Helfen in Sachsen jetzt teurer wird
Dresden - Die Tafeln müssen ihre Preise anheben. Schuld daran sind die enorm gestiegenen Kosten für Kraftstoffe, Energie sowie die Aufstockung des Mindestlohnes. "Uns bleibt nichts anderes übrig. Der Kostendruck ist enorm. Wir stehen vor riesigen Herausforderungen", sagt Sachsens Tafel-Chef Sebastian Vogel (46) zerknirscht.
Die Verteuerungen treffen alle Akteure im Tafel-Netzwerk. Beispiel Kraftstoffe: Fahrzeuge des Landesverbandes legen pro Woche etwa 2000 Kilometer zurück, um gespendete Lebensmittel abzuholen und zu verteilen.
Bei einer regionalen Tafel - etwa der Tafel Meißen - machen die Transporter pro Tag rund 100 Kilometer Strecke, um Spenden einzusammeln oder Ausgabestellen zu beliefern. In ländlichen Gebieten wie der Oberlausitz oder dem Vogtland fallen tagtäglich sogar noch mehr Fahrtkilometer an.
"Wir optimieren unsere Logistik beständig, um zu sparen", sagt Tafel-Sprecher Stephan Trutschler (64). Er hat Angst, dass eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird. Weil das Spritgeld fehlt, können Spenden nicht abgeholt werden. Spender kündigen, weil die Tafel "unzuverlässig" wird.
Trutschler: "Das wäre eine Katastrophe. Schon jetzt verzeichnen wir Rückgänge bei gespendeten Lebensmitteln."
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Tafel-Kunden müssen mancherorts schon tiefer in die Tasche greifen
Die Tafeln zogen bereits die Reißleine. Der Landesverband hob die Preise zur Weitergabe von Paletten mit Lebensmitteln an regionale Vereine um 25 Prozent auf 100 Euro an. Bedürftige Tafel-Kunden müssen mancherorts (etwa Pirna/Heidenau) tiefer in die Tasche greifen und Aufschläge oder höhere Eigenanteile bezahlen.
Stephan Trutschler versucht gegenwärtig, Sponsoren zu finden, die mit Benzingutscheinen die Tafel-Arbeit unterstützen. Zudem erneuert er seine Bitte an die Landesregierung, die Förderung der Tafel-Arbeit auf neue Füße zu stellen.
"Wir brauchen mehr freie Mittel, um Betriebs-, Personal- und Transportkosten begleichen zu können."
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt, Thomas Türpe
