Kulturminister verbannt Smartphones von Schulen: Lehrergewerkschaft kritisiert Handy-Verbot
Dresden - Kultusminister Conrad Clemens (42, CDU) verließ seinen "Handy-Gipfel" mit einem Knall: Schon zum nächsten Halbjahr verbietet er die Telefone an Grundschulen.
Alles in Kürze
- Kultusminister verbietet Smartphones an Grundschulen
- GEW kritisiert das Verbot als Showpolitik
- 98,6 Prozent der Grundschulen haben bereits eigene Regeln
- Dreiviertel der Schulleiter wünschen sich landesweite Regeln
- Handy-Gipfel ergab ein klares Meinungsbild

Das hätten sich viele Schulleiter gewünscht. Obwohl noch mehr bereits eigene Regeln gefunden hatten. Die GEW spricht von Showpolitik.
"Das war keine ernsthafte Diskussion mit offenem Ergebnis, sondern ein inszeniertes Schauspiel mit längst vorbereiteten Maßnahmen", poltert Burkhard Naumann (38), Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Fast alle Grundschulen hätten bereits eigene Regeln. Und vor allem andere Probleme: "Unterrichtsausfall, steigende Belastungen und Lehrkräftemangel", so Naumann weiter. Der Gipfel sei "politische Selbstdarstellung" gewesen.
Fakt ist: 98,6 Prozent der Grundschulen in Sachsen haben das Handy tatsächlich bereits selbst verboten oder seine Nutzung eingeschränkt. Das ergab eine Umfrage von Clemens' Ministerium. Aber: Dreiviertel ihrer Schulleiter wünschten sich trotzdem landesweite Regeln.
"Ich habe bei meiner Schultour und in vielen Gesprächen immer wieder diesen Wunsch vernommen", so Clemens zur TAG24. Der Handy-Gipfel habe dazu "ein klares Meinungsbild mit Blick auf die Grundschulen ergeben".
Das Hightech-Netzwerk Silicon Saxony erinnerte an die Erfindung des Taschenrechners 1967. Die seien bei ihrer Einführung in Deutschland sechs Schuljahre lang verboten gewesen. Der Dresdner Norden sieht darin Parallelen zum heutigen Umgang mit Smartphones und KI.
Titelfoto: Eric Münch