Mehr E-Autos auf Sachsens Straßen, doch die private Nachfrage lahmt weiter
Von Alexander Bischoff, Daniel Josling
Leipzig - Nach dem Rückgang im Vorjahr steigt die Zahl neuer E-Autos in Sachsen wieder an. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) vermeldet ein dickes Zulassungsplus für rein batteriebetriebene Fahrzeuge. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt hingegen vor Augenwischerei. Eigenzulassungen der Autofirmen würden über die anhaltende Elektro-Flaute hinwegtäuschen.
Alles in Kürze
- Sachsen verzeichnet mehr E-Autos auf den Straßen.
- Neuzulassungen steigen um über 2500 im Vergleich zum Vorjahr.
- Industrie und Politik sehen eine Trendumkehr.
- Autohändler warnen vor Augenwischerei durch Eigenzulassungen.
- Private E-Auto-Nachfrage ist seit zwei Jahren rückläufig.

Zuerst die Zahlen: Im Freistaat wurden laut KBA von Januar bis Juli 6677 batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV) neu zugelassen - ein Plus von mehr als 2500 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Juli waren es demnach 895 E-Autos.
Industrie und Politik künden von einer Trendumkehr. Denn 2024 waren die BEV-Neuzulassungen nach dem abrupten Ende der staatlichen Förderung eingebrochen, im Gesamtjahr standen nur 7801 neue E-Autos in der Statistik.
"Im ersten Halbjahr 2025 waren fast 60 Prozent der ausgelieferten Macan-Modelle vollelektrisch", teilte das Porsche-Werk Leipzig mit.
Auch BMW verweist auf die Entwicklung in seinem Leipziger Werk: "Grundsätzlich verzeichnen wir einen steigenden Anteil an vollelektrischen Fahrzeugen, deren Anteil liegt mittlerweile bei über einem Drittel der Produktion", hieß es.
Die Realität sieht anders aus

Nicht in den Jubel einstimmen wollen hingegen die Autohändler. Deren Interessenvertretung ZDK sieht in den KBA-Zahlen eine verzerrte Realität.
"Die wachsende Zahl an BEV-Neuzulassungen täuscht über die Realität im Handel hinweg", erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn.
"Was statistisch als Erfolg erscheint, ist in der Realität häufig das Ergebnis von Eigenzulassungen durch Hersteller und Händler, Flottengeschäften oder taktischen Maßnahmen - nicht aber von echten Kundennachfragen im Handel."
Seit zwei Jahren schrumpfe die E-Auto-Nachfrage bei Privatleuten - private Neuzulassungen lägen im Vergleich zu 2023 um 4,8 Prozent zurück. Peckruhn: "Die Politik nimmt diese Absatzkrise nicht wahr, weil sie nur auf die Entwicklung der amtlichen Zulassungszahlen schaut."
Titelfoto: Bildmontage: 2024 Porsche AG / Marco Prosch; kfzgewerbe.de