Berlin/Leipzig - Während Berlin sich als Bewerber um die Spiele 2036, 2040 oder 20244 zurückzog und trauert, versucht Sachsen, den Traum von Olympia im Freistaat weiterzuträumen.
"Das ist bitter und eine riesige verpasste Chance für Berlin. Ich denke, dass Berlin der absolute Favorit gewesen ist. Aber so ist das. Wahlen entscheiden am Ende über viele Zukunftsperspektiven und Chancen", kommentierte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) den Rückzieher der Hauptstadt nach der Wahl und dem Sieg der Linken Elif Eralp (45).
Sie ist gegen die Olympia-Bewerbung und will lieber bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Kretschmer sah das Positive: "Wir sind an der Bewerbung von Nordrhein-Westfalen beteiligt mit dem Kanupark Markkleeberg. Diese Bewerbung bindet das ganze Deutschland ein - mit Segeln in Warnemünde und dem Kanupark Markkleeberg. Das wäre ganz groß, wenn man etwa über 2040 redet und 50 Jahre deutsche Einheit. Nun unterstützen wir die Bewerbung von Rhein-Ruhr."
Am Donnerstag sprach Berlins Sportsenatorin Iris Spranger beim Ende der Olympia-Träume vom schrecklichsten Morgen. Der Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand (73) kämpfte mit den Tränen, als der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (54, CDU) den Rückzug der Bewerbung neben ihm offiziell machte.
"Olympische und Paralympische Spiele wären eine Riesenchance für Berlin und für Ostdeutschland gewesen", so Wegner.
Grünen-Abgeordneter kritisiert Innenminister Armin Schuster: "Aufs falsche Pferd gesetzt"
Die Verantwortlichen zogen zwei Tage vor der Entscheidung über den deutschen Kandidaten die Bewerbung zurück. Chancen hatten sie nach den Entwicklungen der vergangenen Tage keine mehr.
"Was die Verbände von uns verlangt haben, konnten wir ihnen nicht bieten - nämlich politische Stabilität", sagte Niroomand. Berlin habe es nicht "verdient", in Baden-Baden am Sonnabend "abgewatscht zu werden". Am Sonnabend geht's somit um München oder Köln-Rhein-Ruhr.
Der sportpolitische Sprecher der Grünen im Sächsischen Landtag, Valentin Lippmann (35), nutzt das Aus von Berlin zum Angriff auf den sächsischen Innenminister Armin Schuster (65, CDU).
"Die gemeinsame Bewerbung Leipzigs mit Berlin stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Man hatte in den letzten Monaten immer häufiger das Gefühl, dass Innenminister Schuster schlicht auf das falsche Pferd gesetzt hat", so Lippmann. "Der voreilige Rückzug der Bewerbung geht damit auch auf das Konto des Sportministers, der viel zu lange Berlin mit angezogener Handbremse gewähren lassen hat, wo es als Sachsen notwendig gewesen wäre, nach vorn zu gehen."
Allerdings sind die Chancen für den Freistaat nicht gesunken.
Olympia in Sachsen: Der Traum lebt weiter
Der Kanupark ist Deutschlands einziger sicherer Wildwasserkanal für die Slalom- und Cross-Wettbewerbe. Somit führt an der Anlage vor den Toren Leipzigs nichts vorbei.
Selbst München wird über kurz oder lang Augsburg aufgeben, weil der Lech nicht mehr genügend Wasser führt.