Radebeul - Eine DDR-Legende ist zurück! Nach langer Aufarbeitungsphase und mehr als 20 Jahren Stillstand konnte der historische Schnellverkehrstriebzug VT 18.16.07/10 am Sonntag vom Instandsetzungswerk in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) nach Radebeul überführt werden. Fortan ist das einstige Prestige-Flaggschiff der Deutschen Reichsbahn auf dem Gelände von Hersteller "Arevipharma" stationiert.
Dass der "ICE des Ostens" noch immer für große Begeisterung sorgt, war während der Sonderfahrt unübersehbar. Zahlreiche Fans und Hobbyfotografen tummelten sich an den Bahnsteigen oder direkt im Zug.
Spontan konnten noch Tickets zwischen 80 und 100 Euro – je nach Einstiegsort – an Bord gekauft werden.
Die Plätze befanden sich entweder im Großraum oder im Abteilbereich, wo etwa die drei Fahrgäste Jan-Mike Dittrich (62), Uwe Schreiber (67) und Frank Marx (62) saßen. Sie unterstützen als Förderclub-Mitglieder seit fünf Jahren die SVT Görlitz gGmbH, die sich als gemeinnützige Gesellschaft dem Erhalt des Triebwagens verschrieben hat.
"Für uns ist der historische Wert bedeutsam", sagen sie. Als Jugendlicher durfte Dittrich den Schnellzug bereits miterleben. "Ich bin mit ihm ins tschechische Karlsbad gefahren", erinnert er sich an die Fahrten des "Karlex" zurück.
Fahrgäste können restaurierten Zug endlich testen
Durch Zufall hat Ulrike Schmidt (45) über Instagram von der Sonderfahrt erfahren. "Glücklicherweise konnte ich noch ein Ticket ergattern", freute sich die Leipzigerin. Sie ist fasziniert von der alten Technik und hat sogar Geld für den Bau einer Halle auf dem Bahngelände gespendet, die als "Parkplatz" für den Zug dient.
Club-Mitglied Ingo Weber (58) gönnte sich in der Mitropa ein Bier. Der Berliner hatte sehnlichst darauf gewartet, dass der Triebwagen endlich wieder in den Einsatz kommt. "Er ist heute noch phänomenal", sagt der DB-Standort-Planer.
Im Hintergrund werkelte der Gastronom Michael Voigt (58). Am Herd kredenzte er Rührei und Bratwürste. "Ich liebe das Kochen beim Reisen", so der Selbstständige.
Bei Frieder Nürnberger (60) kamen während Fahrt Kindheitserinnerungen wieder hoch. "Der Zug war oft in meiner Heimat Plauen unterwegs", erzählt er. Während eines Tagesausflugs habe er 1978 die Wagen von innen bestaunen können.
Damals war der Zug nicht nur von und nach Tschechien unterwegs. Auch die Ziele Wien ("Vindobona") und Kopenhagen ("Neptun") standen auf dem Plan.
Die Abstellung des Fahrzeugs erfolgte im Jahr 2003 mit Fristablauf. Es brauchte Finanzmittel in Höhe von rund sieben Millionen Euro (davon großteils Fördergelder), um eine Restaurierung (ab 2021) samt abschließender Hauptuntersuchung durchführen zu können. Künftig soll der Zug zu regelmäßigen Touren - auch ins Ausland - aufbrechen. Infos dazu auf der Seite des Fördervereins und bei Maertens Reisewelt.