Naturalienkabinett nach Jahren wieder geöffnet: Einblick in eine Welt voller Wunder
Waldenburg - Die Dielen knarren bei jedem Schritt. Säuberlich mit Tinte beschriftete Schildchen erläutern die Ausstellungsstücke in den Vitrinen aus Eichenholz. Deren Glas spiegelt leichte Dellen. Wer das Historische Naturalienkabinett von Waldenburg (Landkreis Zwickau) betritt, findet es so vor, wie es vor 180 Jahren eingerichtet wurde: das Museum eines Museums, einzigartig in Deutschland.
Der Kontrast befindet sich in der Etage darunter: eine der modernsten Ausstellungen Sachsens, durch die Besucher von Fürst Otto Victor I. von Schönburg-Waldenburg virtuell und vergnüglich geleitet werden, 2019 ausgezeichnet mit dem Museumspreis - und kurz darauf wegen eines Wasserschadens fast sieben Jahre geschlossen. Nach umfangreicher Sanierung sind jetzt beide Ausstellungen wieder geöffnet.
"Die historische Sammlung hat ihren eigenen Sound", schwärmt Tourismus-Chefin Caroline Hummitzsch (40).
"Hunderte Waldenburger kamen zur Eröffnung und standen Schlange, um zu schauen, ob jedes Ausstellungsstück noch an seinem Platz steht. Viele haben die Sammlung als Kind gesehen und zeigen sie jetzt ihren Enkeln."
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Fördermittel halfen, das fürstliche Haus zu sanieren
Da ist der Blauwalknochen, der noch über der Tür hängt, die 2600 Jahre alte Mumie von Schep-en-Hor liegt in ihrem gläsernen Sarg, Schaukästen voller Insekten, Mineralien, Muscheln, physikalische Gerätschaften, unzählige ausgestopfte Vögel und nicht zuletzt das bizarre Siamesische Kalb, das auf den unteren vier Beinen steht, während die oberen vier in die Luft ragen.
Die historischen Räume werden von einer Begleitausstellung ergänzt, die schon Ende 2018 eröffnete, aber noch wenig bekannt ist: "Es begann in den Räumen muffig zu riechen. Die Ausstellung musste wegen eines Wasserschadens schließen. Das war der Super-GAU", berichtet Hummitzsch.
Weil der Rechtsstreit um die Ursache noch immer nicht entschieden ist, halfen Fördermittel, das fürstliche Haus zu sanieren. Das Museum ist nun wieder komplett und interaktiv nutzbar: zum Beispiel am Apothekertiegel, in dem Besucher verschiedene Ingredienzen - wie Holzkohle und Salz - mixen und sich vom Ergebnis überraschen lassen können.
Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (4)