Noch Tausende schlummernde Sprengkörper: Sachsen bleibt ein Pulverfass

Dresden - Die offizielle Einschätzung klingt harmlos: In den nächsten zehn Jahren gebe es noch genug Arbeit für Sachsens Kampfmittelbeseitiger (KMBD), so das Polizeiverwaltungsamt.

Holger Klemig (55, Chefsprengmeister, r.) und André Mauermeister (44, Chef KMBD) halten ein "bombenfreies" Sachsen erst in 50 Jahren für wahrscheinlich.
Holger Klemig (55, Chefsprengmeister, r.) und André Mauermeister (44, Chef KMBD) halten ein "bombenfreies" Sachsen erst in 50 Jahren für wahrscheinlich.  © Eric Münch

Doch Bomben-Experte André Mauermeister (44) hält das für viel zu kurz gedacht: "Die Einschätzung von zehn Jahren halte ich für sehr gering. Realistisch reden wir von 50 Jahren, bis Sachsen halbwegs frei ist."

Der Grund: Noch immer schlummern unzählige Blindgänger und Munitionsreste unter unseren Füßen. Allein 2024 wurden 206 Tonnen Kampfmittel geborgen - ein Rekordjahr.

Darunter Granaten, Handwaffenmunition, aber auch spektakuläre Funde wie eine 500-Pfund-Bombe an der Dresdner Carolabrücke. Die meisten Treffer gibt es auf Baustellen oder bei gezielten Räumstellen. "Die Masse der 200 Tonnen sind tatsächlich von Kampfmittelräumstellen", erklärt Mauermeister.

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"Bomben sind's nicht, weder in der Anzahl noch in der Masse. Viel häufiger finden wir Granaten, Panzerabwehrmunition oder Handwaffenmunition."

Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung (KMBD) betrachten eine Bombe an der Carolabrücke.
Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung (KMBD) betrachten eine Bombe an der Carolabrücke.  © DPA
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In Sachsen verstecken sich unzählige stille Zeitbomben

Auch kleine Munition kann nach Jahrzehnten noch tödlich verletzen.
Auch kleine Munition kann nach Jahrzehnten noch tödlich verletzen.  © Egbert Kamprath

Besonders tückisch: Auch winzige Teile können tödlich sein. "Eine Zwei-Zentimeter-Granate reicht aus, um schwerste Verletzungen bis hin zum Tod hervorzurufen." Deshalb sein eindringlicher Appell: "Egal, was gefunden wird: sofort Polizei verständigen, nicht anfassen!"

Und das Risiko bleibt, auch wenn 2025 bislang kein Anstieg durch Trockenheit oder Niedrigwasser gemeldet wurde. "In diesem Jahr haben wir keinen signifikanten Anstieg festgestellt. Aber natürlich sind Hochwasser oder Trockenheit ein Thema", warnt der Experte.

Klar ist: Sachsen bleibt ein Pulverfass. Auch wenn weniger Bomben an die Oberfläche kommen - die Gefahr bleibt. Sachsen ist kein leer geräumtes Schlachtfeld, sondern ein Gebiet mit Zehntausenden stillen Zeitbomben.

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Und die Sprengmeister? Die müssen noch viele Jahre dafür sorgen, dass aus Zündstoff keine Katastrophe wird.

Titelfoto: Bildmontage: Egbert Kamprath/Eric Münch

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