Öko-Dilemma! Wenn Wind und Wasser zu Kontrahenten werden

Burkhardtsdorf - Wasser wird angesichts des Klimawandels mit steigenden Temperaturen und länger andauernden Trockenperioden immer mehr zum Schutzgut. Wie unterschiedliche Nutzungen ein und desselben Gebiets dabei konkurrieren, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Erzgebirge.

Blick auf Burkhardtsdorf: Der Abtswald ist idyllisch.  © Corinna Bergelt

Der Abtswald bei Burkhardtsdorf (Erzgebirge) liegt in der Greifensteinregion und bietet 1000 Hektar Idylle pur. Für das Gebiet wird derzeit geprüft, ob Teile als Windenergieflächen ausgewiesen werden können. Doch die dortigen Quellgebiete liefern auch das Trinkwasser für rund 7500 Menschen in Burkhardtsdorf und im Amtsberger Ortsteil Dittersdorf.

"Eine alternative Versorgung besteht nach Angaben des zuständigen Wasserversorgers nicht", meint Ulf Lange (59), landwirtschaftspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag. Er kommt selbst aus dem Erzgebirge.

Die Waldrodungen und Bauarbeiten für Windräder würden den Wasserhaushalt jedoch empfindlich stören.

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Ein Dilemma: Sachsen steht vor der Aufgabe, ausreichend Flächen für die Nutzung von Windenergie auszuweisen und muss gleichzeitig die sinkenden Grundwasserstände aufgrund ausbleibender Niederschläge und die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung im Auge behalten.

Laut dem Klimatologen Daniel Hertel vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bekommt der vom Kontinentalklima geprägte Osten Deutschlands im Regelfall bereits ohne Klimawandel weniger Niederschlag ab als der Westen, wobei das Erzgebirge immer noch als vergleichsweise regenreich gilt.

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Ulf Lange (59, BSW) hält Trinkwasser für wichtiger als Windenergie.  © picture alliance / dts-Agentur
Klimatologe Daniel Hertel (l.): Weniger Niederschläge im Osten Deutschlands.  © Petra Hornig
Stehen künftig Windräder im Abtswald? - Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.  © IMAGO/Steinsiek.ch

Sachsen fehlt die Finanzen für die erforderlichen Maßnahmen

Rund 40 Prozent der Bevölkerung in Sachsen erhalten das Trinkwasser aus Talsperren (hier: die Talsperre Cranzahl). In Burkhardtsdorf kommt das Trinkwasser jedoch aus dem lokalen Quellgebiet. Dort wird derzeit geprüft, ob Windräder errichtet werden können. Beide Nutzungen schließen sich aus.  © Uwe Meinhold

Die Staatsregierung will den Erfordernissen mit dem vor zwei Jahren beschlossenen Programm "Zukunft Wasser für Sachsen" begegnen. Das damals zuständige Ministerium bezifferte den Finanzbedarf für die erforderlichen Maßnahmen auf 1,6 Milliarden Euro.

Aber die Kassen des Freistaats sind leer. Um die Nutzung des Abtswalds wird indes heftig gerungen. So liegen gegen die Planungen des Regionalen Planungsverbands zur Windenergienutzung laut "Freier Presse" rund 6000 Stellungnahmen vor.

Was also, Wasser oder Wind? "Wir dürfen erneuerbare Energien und Trinkwasserschutz nicht gegeneinander ausspielen", sagt Ulf Lange. Aber: "Wo Eingriffe in sensible Wassereinzugsgebiete die Versorgungssicherheit gefährden könnten, muss das Vorsorgeprinzip gelten."

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