Sachsen fehlen Schulsozialarbeiter: Gewerkschaft fordert kostspieligen Ausbau bis 2032
Von Jörg Schurig
Dresden - Bei der Schulsozialarbeit in Sachsen gibt es noch viel Luft nach oben. Das ist ein Fazit aus einer Studie, bei der die Situation in diesem Bereich in allen Bundesländern verglichen wurde.
Studienleiter Lars Bieringer von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes sah Sachsen im Mittelfeld. Die Schulsozialarbeit befinde sich im Freistaat auf einem guten Weg, es gebe aber einzelne Stellschrauben zur Verbesserung.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte genau wie die Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit (LAG) einen stufenweisen Ausbau des Angebotes bis zum Jahr 2032. Dann soll Sozialarbeit an jeder Schule selbstverständlich sein.
"Die psychische Belastung bei Schülerinnen und Schülern steigt enorm, besonders bei Familien mit schwacher Einkommenssituation", sagte GEW-Chef Burkhard Naumann. Die Anzahl der Schulabbrecher und der Schulverweigerer befinde sich auf dem Höchststand.
Naumann zufolge sind die Schulen tagtäglich mit diesen Problemen konfrontiert. Zugleich stagniere der Ausbau der Schulsozialarbeit seit Jahren. Im Doppelhaushalt des Freistaates seien die Gelder auf gleicher Höhe geblieben, durch die Kostensteigerung bedeute das aber de facto einen Abbau.
Jetzt kostenlos für den News-des-Tages-Newsletter anmelden!
Flächendeckender Ausbau kostet rund 100 Millionen Euro
Nach Angaben von LAG-Bildungsreferent Wolfgang Müller haben in Sachsen seit 2019 rund 40 Prozent der Schulen eine Sozialarbeiterin oder einen Sozialarbeiter. Zwingend erforderlich ist das per Gesetz nur an staatlichen Oberschulen und Gemeinschaftsschulen.
Für 417.000 Schulkinder und Jugendliche an 1575 Schulen gebe es derzeit 640 Vollzeitstellen, die sich 750 Sozialarbeiter teilten. Rein rechnerisch kommen damit 651 Schüler auf eine Stelle. Aber viele Schulen hätten gar keinen Sozialarbeiter.
Müller zufolge würde ein flächendeckender Ausbau bis 2032 Kosten von etwa 100 Millionen bedeuten. Bei einem Landesanteil von 90 Prozent wären das für den Freistaat rund 90 Millionen Euro. Momentan gebe der Freistaat etwa 37,5 Millionen pro Jahr aus. Bezogen auf den Etat des Kultusministeriums sei das aber eine verschwindend geringe Summe.
Bieringer empfahl Sachsen einen flächendeckenden Ausbau von Teamstrukturen, fachliche Begleitung und Weiterqualifizierung von jungen Fachkräften mit geringer Berufserfahrung sowie eine langfristige finanzielle und strukturelle Absicherung der bestehenden Träger- und Anstellungsstrukturen.
Titelfoto: Bildmontage: Robert Michael/dpa / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

