Von Jasmin Beisiegel
Dresden - Aus der sächsischen Politik kommt Verständnis für den Rücktritt von SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (58). Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) wünschte der Sozialdemokratin viel Kraft.
Sie habe einen schweren Schicksalsschlag erlebt, sagte der CDU-Politiker der "Leipziger Volkszeitung" und der "Sächsischen Zeitung". "Ich verstehe, dass sie nicht einfach weitermachen kann, als wäre nichts gewesen."
Auch Sachsens SPD-Vorsitzende Kathrin Michel (63) äußerte Verständnis und Respekt für den Rücktritt von Bas. "Ein politisches Amt verpflichtet zu Verantwortung. Es verpflichtet nicht, alles auszuhalten", sagte Michel laut einer Mitteilung. Sie dankte Bas für ihren Einsatz "mit großer Leidenschaft und klarer Haltung".
Am Morgen hatte Bas ihren sofortigen Rücktritt als Arbeitsministerin und SPD-Chefin angekündigt. Sie begründete dies einerseits mit dem Tod ihrer Stieftochter, andererseits mit öffentlichen Angriffen gegen sie, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union.
Sachsens Arbeitsministerin und SPD-Bundesvizevorsitzende Petra Köpping (68) bezeichnete den Umgang von Teilen der CDU mit Bas als besonders schädlich. "Respekt und Menschlichkeit müssen immer gegeben sein", sagte sie der "Leipziger Volkszeitung" und der "Sächsischen Zeitung".
Bas brauche in dieser schweren Zeit Ruhe und Raum für ihre Trauer, sagte Michel. "Dass sie selbst in dieser Situation weiteren politischen Angriffen ausgesetzt war, ist bitter."
Nachfolger von Bärbel Bas: MP Kretschmer hofft auf Ergebnisse
Den Nachfolger im Bundesarbeitsministerium, Alexander Schweitzer (53, SPD), bezeichnete Ministerpräsident Kretschmer als geschätzten Kollegen aus der Ministerpräsidentenkonferenz.
Als neuer Arbeitsminister habe er wichtige Aufgaben vor sich. "Gerade bei der Rente brauchen wir Lösungen, die langfristig tragen und die unterschiedlichen Erwerbsbiografien in Deutschland berücksichtigen", sagte er den Zeitungen.
Bei den Arbeitsmarktreformen forderte Kretschmer mehr Flexibilität, weniger Bürokratie und bessere Bedingungen für Unternehmen und Beschäftigte. "Ich hoffe, dass wir schnell zu konkreten Ergebnissen kommen."
Ähnlich äußerte sich Köpping. "Die Menschen erwarten zu Recht, dass wir uns um ihre Sorgen kümmern. Selbstbeschäftigung wäre das völlig falsche Signal."
Die SPD sei nach dem Rückzug von Bärbel Bas als Bundesparteichefin mit dem Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil (48), den Stellvertretern und dem Generalsekretär weiterhin handlungsfähig.