Leipzig - Wohin steuern die Flughäfen Leipzig und Dresden? Ab 2030 sollen sie ohne öffentliche Zuschüsse auskommen. Über das Wie herrscht in der Vorstands-Etage der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG) offenbar Ratlosigkeit. Die TAG24-Interview-Anfrage delegierte CEO Götz Ahmelmann (54) jedenfalls an Kommunikations-Chefin Maret Montavon (50). Sie antwortete in schriftlicher Form.
TAG24: Die Mitteldeutsche Flughafengesellschaft arbeitet seit Jahren defizitär. Gab es überhaupt ein Jahr ohne Zuschüsse?
Maret Montavon: Die Defizite der Mitteldeutschen Flughafen AG hängen maßgeblich mit Infrastrukturentscheidungen zusammen, die vor rund 30 Jahren getroffen wurden. Damals wurden die Standorte für deutlich höhere Passagierzahlen geplant. Das hat sich so nicht realisiert, die Infrastruktur ist aber da und verursacht entsprechend hohe Fixkosten.
TAG24: Auf welche Summe belaufen sich die Subventionen seit Gründung der MFAG?
Montavon: Die Gesellschafter haben 100 Millionen Euro für 2024 bis 2026 gezahlt. Was ich aber wichtig finde: die Einordnung. Diese Mittel sind keine Subventionen, gehen nicht in den operativen Betrieb, sondern die Übernahme von Kosten für hoheitliche Aufgaben wie Sicherheit oder Feuerwehr.
Das sind Leistungen, die Sie an jedem Hauptbahnhof genauso vorfinden – und die dort völlig selbstverständlich von der öffentlichen Hand getragen werden.
Braucht Sachsen zwei Flughäfen?
TAG24: Andere Regionalflughäfen haben keinen DHL-HUB im Rücken und damit eine sichere Einnahmequelle. Was also läuft schief auf Sachsens Flughäfen?
Montavon: Das, was unsere beiden Flughäfen erleben, ist kein sächsisches Sonderthema, sondern ein gesamtdeutsches. Die deutsche Luftverkehrsbranche hat sich bis heute nicht vollständig von der Corona-Krise erholt.
Und ein Punkt wird häufig übersehen: Wir haben den DHL-Vertrag neu verhandelt und auf ein marktgerechtes Niveau gebracht. Hätten wir das nicht getan, wäre unsere wirtschaftliche Situation heute deutlich schwieriger.
TAG24: Braucht Sachsen wirklich zwei Flughäfen?
Montavon: Leipzig/Halle und Dresden erfüllen unterschiedliche Funktionen: Leipzig/Halle als internationaler Logistik-Hub und touristischer Flughafen, Dresden für Geschäftsreisen und als Standortfaktor für die Hightech-Industrie.
Viele dieser Ansiedlungen wären ohne die entsprechende Anbindung gar nicht erfolgt.
Schaffen die Flughäfen es ohne Unterstützung vom Freistaat?
TAG24: Sie fahren schon seit Jahren einen Reformkurs. Das hat bisher nichts an der stets negativen Geschäftsbilanz geändert …
Montavon: Wenn ein Turnaround von rund 30 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren nicht als ein Erfolg gilt, dann stellt sich tatsächlich die Frage, welcher Maßstab hier angelegt wird. Es gibt nur wenige Flughäfen unserer Größe, die eine vergleichbare Ergebnisverbesserung in dieser Geschwindigkeit erreichen.
Das Ergebnis kann sich aus unserer Sicht mehr als sehen lassen - es zeigt deutlich, wie konsequent wir unseren Kurs verfolgen und welche Wirkung wir damit erzielen.
TAG24: Sachsen will ab 2030 keine Gelder mehr zuschießen. Ist das realistisch?
Montavon: Wir diskutieren hier keinen Wunsch, sondern einen klaren Pfad. Die Unterstützung wird bereits reduziert: von 28 Millionen Euro im Jahr 2027 auf null im Jahr 2030. Aber auch danach wird es darum gehen, Strukturen kontinuierlich anzupassen und effizient zu steuern.
TAG24: Wie sieht Ihr Plan aus? Wie wollen Sie spätestens ab 2030 in die schwarzen Zahlen?
Montavon: Wir wollen sogar eher in die schwarzen Zahlen kommen als geplant und dauerhaft einen eigenständigen Betrieb. Mit Kosten senken, Erlöse steigern, Strukturen anpassen. Und wir tun das nicht aus einer Schwäche heraus, sondern auf Basis eines starken Fundaments.