Sommerurlaub 2026: Darum erkunden jetzt viele Sachsen so gerne den Freistaat
Sachsen - Unmut unter Palmen. Plötzliche Sicherheitsbedenken in ehemals beliebten Urlaubsländern, stete Inflation und unkalkulierbar steigende Kerosinpreise verhageln den Sachsen die Reiselust in ferne Länder. So könnte ausgerechnet das gerade mehrfach ausgezeichnete Reiseland Sachsen Nutznießer der Unsicherheit bei Fernreisen werden. Warum es viele Touristen diese Saison nach Sachsen zieht und wie die eigene Urlaubsplanung der Sachsen aussieht - dieser Trend-Report ist Inspiration für Sommerziele und Ferienaktivitäten.
Bei Sachsens Pensionsbetreibern, Hoteliers und Gastronomen bestimmt inzwischen der Wetterbericht den Dienstplan. Wird ein sonniges Wochenende prophezeit, trudeln spontan Buchungen und Bestellungen ein - so kurzfristig und so häufig wie nie.
"Wir beobachten ein selektives Buchungsverhalten, bei dem neben dem Wetter auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine Rolle spielen. Die Leute schauen gezielter nach Preisen und Angeboten, vergleichen", sagt Ines Nebelung (57), Leiterin Unternehmenskommunikation der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS).
Das launige Last-Minute-Buchungsverhalten stellt die Tourismusbranche vor Probleme. "Manche Gäste buchen erst direkt vor der Hoteltür online im Auto.
Das macht die Personalplanung und Kalkulation von Einkäufen für die Gastronomie schwierig", klagt Axel Klein (57), Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Sachsen.
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Sachsen gilt als extrem gastfreundlich
"Inzwischen setzen manche Betriebe deshalb auf digitale Preisgestaltung." Heißt: Wenn die Sonne lacht und in ein verlängertes Wochenende zu einem Kurzurlaub lockt, werden Übernachtungen teurer.
Wie bei Corona bleiben die Sachsen in Zeiten von geostrategischen Kriegswirren, steigenden Preisen und Ängsten vor drohenden Kerosinzuschlägen auch jetzt wieder verstärkt "daheeme" im eigenen Land. Und nicht nur sie.
"Sachsen ist Deutschlands gastfreundlichstes Bundesland und wurde erstmals auch als eines der gastfreundlichsten der Welt gerankt", sagt TMGS-Sprecherin Ines Nebelung.
So wurde der Freistaat erst kürzlich bei den 14. Traveller Review Awards 2026 von über 370 Millionen Gästebewertungen bei Booking.com zu einer der gastfreundlichsten Regionen weltweit gekürt. Bautzen landete dabei sogar auf Platz 9 der gastfreundlichsten Städte.
Sachsen kann mit seinen Stärken punkten
Die Auszeichnungen sind neuer Lockstoff für Touristen und hätten das Zeug dazu, die Tourismus-Delle auszumerzen: So zählte Sachsen 2025 rund 19,7 Millionen Übernachtungen - ein Minus von 1,5 Prozent gegenüber 2024 - und knapp 8 Millionen Ankünfte (minus 1,8 Prozent gegenüber 2024).
Das lag auch an einem Rückgang von Geschäftsreisen und dem anhaltend starken Euro-Kurs gegenüber dem US-Dollar. Nebelung: "Der verteuerte insbesondere Reisen aus wichtigen Überseemärkten."
Jetzt kann Sachsen wieder mit seinen Stärken punkten: Nach Konzerten mit Purple Disco Machine über Pfingsten oder den Filmnächten am Elbufer mitten in der Stadt sind die Wege zu Naturreisezielen im Freistaat kurz: Wandern im Elbsandstein-, Zittauer- oder Erzgebirge, mit dem Drahtesel unterwegs auf dem Elbe-, Oder-Neiße-, Spree- oder Mulderadweg.
Den Mix mögen Touris.
Spritkosten sind derzeit das Hauptproblem
"Inzwischen sind fehlende Arbeitskräfte nicht mehr unser Problem Nummer eins, und auch die Strompreise lagen schon mal höher", sagt DEHOGA-Chef Axel Klein.
"Vielmehr machen unseren Betrieben die hohen Spritkosten Sorgen. Sie verteuern nicht nur jede Anlieferung in unseren Betrieben, sondern auch die Autoanreise von Touristen."
So öffnet die Straße von Hormus vielleicht auch das Ventil für neue Touristenströme, die Sachsen anpeilen.
So buchen die Sachsen neue Zielgebiete
Wegen des Irankrieges hagelt es in sächsischen Reisebüros Stornierungen. "Wir verzeichnen zudem eine Zurückhaltung bei Neubuchungen für Reisen in den Orient. Doch das betrifft leider auch Länder wie die Türkei und Ägypten, obwohl die gar nicht betroffen sind", sagt Mario Zieroth (57) vom Reise Center Dresden am Schillerplatz.
"Trotz Inflation ist die Türkei beim Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch unschlagbar."
Um auf Nummer sicher zu gehen, nehmen seine Kunden lieber zähneknirschend teurere Angebote in Spanien oder auf den griechischen Inseln in Kauf.
Zieroths Geheimtipp: das griechische Festland an der Olympischen Riviera. "Dabei geht es ab Berlin mit dem Flugzeug nach Thessaloniki und dann auf die Halbinsel Chalkidiki - zu den schöneren Stränden. Die hat kaum jemand auf dem Schirm und wundert sich dann über vergleichsweise günstige Preise."
Auto statt Flugzeug
Ein Kerosinzuschlag kann bereits gebuchte Pauschalreisen verteuern. "Erlaubt sind Aufschläge bis maximal 8 Prozent", weiß Reiseexperte Mario Zieroth.
"Während zum Beispiel Schauinsland-Reisen bei bereits gebuchten Reisen darauf verzichtet, haben Flusskreuzfahrt- und Busreiseveranstalter jetzt schon Gebrauch davon gemacht."
Bei Flusskreuzfahrten im Wert von 1500 Euro wurden so 8 Euro/Tag Aufschlag fällig. Als Flugalternative werden derzeit verstärkt Anreisen mit dem eigenen Auto ins Urlaubsland gebucht. Zieroth: "Dabei steht Südeuropa hoch im Kurs, weil dort die Spritpreise noch niedriger sind."
Familienurlaub
Verreisen mit Kind und Kegel im eigenen (Bundes-)Land wird der Renner 2026. Der Freistaat hat vorgesorgt. Inzwischen tragen 157 touristische Einrichtungen in Sachsen das Qualitätssiegel "Familienurlaub in Sachsen" - vom Freizeitpark über familiengeführte Unterkünfte bis hin zu Städten. Damit ist das Reiseland Sachsen auch ein attraktives Ziel für Familien mit Kindern.
Kreuzfahrten
"Kreuzfahrten laufen derzeit durch die Bank am besten, werden querbeet von Pärchen bis Familien gebucht", sagt Sabine Hornig, Geschäftsführerin vom Premium Reisebüro in Leipzig. "Dabei sind Nordziele wie Norwegen beliebt, gern auch mal etwas entschleunigter mit den Postschiffen von Hurtigrouten." Wer mit dem Schiff ab Warnemünde, Kiel, Hamburg oder Bremerhaven in See sticht, spart sich zudem den kostspieligen Flug (teilweise 30 bis 40 Prozent teurer).
Camping
Erholsamer Urlaub muss kein Luxus sein.
Einige Campingplätze verzeichnen schon jetzt einen 30 Prozent höheren Vorbuchungsstand.
Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe, 123RF/obradov

