Wegen Lithium-Abbau: Sachsen blickt neidisch über die Grenze

Altenberg - Seit rund zehn Jahren reifen Pläne, Lithium aus Gestein unter dem Erzgebirge zu beiden Seiten der sächsischen Landesgrenze zu gewinnen. Während das Projekt in Tschechien mit politischem Rückenwind und Staatsgeld rechnen kann, kämpft die sächsische Seite weiterhin um ein klares Signal aus Brüssel.

Objekt der Begierde: ein Stück mit Lithium durchsetztes Stück Erz.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Im tschechischen Cínovec will die Firma Geomet jährlich rund 3,2 Millionen Tonnen Erz fördern und daraus 37.000 Tonnen Lithiumkarbonat gewinnen - genug für Batterien von bis zu 1,3 Millionen E-Autos, heißt es in einer Machbarkeitsstudie des Unternehmens.

Das Vorhaben steht bereits seit vergangenem Jahr auf der EU-Liste strategischer Rohstoffprojekte. Die frühere tschechische Regierung hatte Subventionen in Höhe von 8,8 Milliarden Kronen (rund 361 Millionen Euro) zugesagt. Bewilligt wurden zudem knapp 33 Millionen Euro EU-Fördergelder.

Anders in Sachsen: Der Zinnwald Lithium GmbH blieb der Status eines EU-Projekts für kritische Rohstoffe bislang verwehrt. Zwar gab es bereits mehrfach hochrangigen politischen Besuch. Eine finanzielle Unterstützung, wie sie der tschechische Staat für den Lithiumabbau zugesagt hat, gibt es für das Vorhaben bisher nicht.

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Mitte Januar hat sich das Bergbauunternehmen aus Altenberg nun erneut um den Status eines kritischen EU-Rohstoffprojekts beworben. Geschäftsführer Marko Uhlig wünscht sich auch in Sachsen finanzielle Beteiligung durch den Staat. Der Freistaat könne so "sehr starke Einflussmöglichkeiten" gewinnen.

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Blick auf den Steinbruch Bärenstein - er ist einer der Auswahlorte der Zinnwald Lithium GmbH für die Errichtung einer Aufbereitungsanlage für die Lithiumvorkommen.  © imago/C3 Pictures
Das Besucherbergwerk "Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald". Unter dem Kamm des Erzgebirges an der deutsch-tschechischen Grenze lagert eines der größten Lithium-Vorkommen in Europa.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Sachsens Oberberghauptmann: "Umwelt- und Sicherheitsstandards dürfen nicht aufgeweicht werden"

Sachsens Oberberghauptmann Dr. Bernhard Cramer.  © Steffen Füssel

Für das hiesige Oberbergamt wäre ein als kritisches EU-Projekt eingestuftes Vorhaben formal "erst mal gar nicht" anders zu behandeln als andere Bergwerke, wie Präsident Bernhard Cramer erläuterte. Umwelt- und Sicherheitsstandards dürften nicht aufgeweicht werden.

"Bergbau, der nicht nach unseren Wertesystemen genehmigungsfähig ist, darf ich nicht einfach durchpeitschen", so Sachsens oberster Bergmann.

Im Jahr 2023 wurden in Zinnwald umfangreiche Erkundungsbohrungen durchgeführt.  © Egbert Kamprath

Praktisch sieht Cramer aber politischen Druck: Ein kritisches Rohstoffprojekt wäre "hochpolitisch, hoch öffentlich wirksam", der Freistaat könne sich nicht leisten, dass die eigene Behörde bremse.

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