Jetzt brauchen die Helfer selbst Hilfe: Zwickauer Tafel steckt in den Miesen

Zwickau - Die Zwickauer Tafel schlägt Alarm. Seit fast 30 Jahren versorgt die Einrichtung Bedürftige mit Lebensmitteln, nun kämpft sie selbst ums Überleben. Wenn sich die Situation nicht verbessert, könnte am Jahresende sogar das Aus stehen.

Jens Juraschka (51) vom Tafel-Betreiber "Gemeinsam Ziele erreichen" vor einem von vier Kühltransportern: Die Fahrzeuge sind für die Tafel kaum noch zu bezahlen.  © Kristin Schmidt

2025 musste die Tafel erstmals einen Verlust verbuchen: Rund 7300 Euro fehlen nach jetzt vorliegenden Zahlen in der Kasse.

Jens Juraschka (51), Chef des Betreibervereins "Gemeinsam Ziele erreichen", hat gemischte Gefühle: "Zum Jahresende haben wir immer das Prinzip Hoffnung. Es ist jedes Jahr eine Überraschung, wie viele Spenden zusammenkommen."

Doch der Druck wächst. Vor allem die Technik wird immer teurer. "Ich sehe die Entwicklung gerade bei den Kühltransportern", sagt Juraschka. Ein Beispiel zeigt die Dimension: "Vor fünf Jahren hat der gleiche Transporter noch 42.000 Euro gekostet. Der liegt jetzt bei über 65.000 Euro. Nicht subventioniert sogar bei 90.000 bis 95.000 Euro. Das kann keine Tafel mehr schaffen."

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Vier Transporter legen jedes Jahr rund 64.000 Kilometer zurück, um Lebensmittel von Supermärkten und Spendern abzuholen. Ohne diese Logistik würde die Versorgung der Bedürftigen sofort zusammenbrechen.

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Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Tafel Zwickau laden Lebensmittel aus einem Kühltransporter.  © Kristin Schmidt

Neue Tafelkunden werden nur aufgenommen, wenn Versorgung gesichert ist

Tafel-Teamleiter Ralf Hutschenreuter (62) sortiert Lebensmittel.  © Kristin Schmidt

Woche für Woche helfen die Ehrenamtlichen mehr als 1000 Menschen in Zwickau und dem Landkreis, darunter fast 200 Kinder. Im vergangenen Jahr wurden dafür 228 Tonnen Lebensmittel eingesammelt und verteilt.

Juraschka stellt klar: "Wir können nur ausgeben auf Basis unseres Lebensmittelaufkommens. Wir verteilen schon seit 30 Jahren nur das, was wir haben." Bedeutet: Neue Tafelkunden werden nur aufgenommen, wenn die Versorgung gesichert ist.

Nach der Veröffentlichung der Bilanz hofft die Tafel nun auf Unterstützung. Erste Signale gibt es bereits. "Also kleinere Neu-Spenden. Ich denke, das kommt jetzt erst richtig in Bewegung", sagt Juraschka.

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