Hohenstein-Ernstthal - Zum 27. Todestag von Patrick Thürmer (1982-1999) veranstaltet die RAA Sachsen erstmals einen "Critical Walk". Der etwa zweieinhalbstündige Spaziergang führt am 4. Oktober ab 14 Uhr zu Orten, die mit dem Tod des 17-Jährigen verbunden sind.
Thürmer war am 2. Oktober 1999 auf dem Heimweg von einem Punk-Konzert im Jugendclub "Off is" in Hohenstein-Ernstthal von drei Neonazis angegriffen und schwer zusammengeschlagen worden.
Bereits am Abend hatte es Auseinandersetzungen zwischen Punks und Personen aus dem rechten Spektrum gegeben. Am nächsten Morgen fanden Passanten den 17-Jährigen mit schweren Kopfverletzungen nahe der Uhligmühle in Oberlungwitz.
Wenige Stunden später starb er im Zwickauer Krankenhaus. Sein Freund Klecks konnte dem Angriff entkommen: "Er konnte sich verstecken und später fliehen. Patrick nicht", sagt ein Sprecher der Gedenkinitiative.
Die Täter schlugen mit einem Axtstiel und einem Billardqueue auf Thürmer ein und ließen ihn blutüberströmt zurück.
Haupttäter zu elf Jahren Haft verurteilt
"Im Gegensatz zu vielen anderen Todesopfern rechter Gewalt aus dieser Zeit ist es ein sehr gut ausrecherchierter Fall", so ein Sprecher. Das Landgericht Chemnitz verurteilte die bereits vorbestraften Täter im September 2000, den Haupttäter wegen Totschlags zu elf Jahren Haft.
"Das Gerichtsurteil sagt am Schluss relativ klar, die wollten Rache an Punks üben." Erst nachträglich wurde der Fall als politisch motivierte Straftat eingeordnet. Der Fall sorgte damals für Entsetzen: "Es war eine Geschichte, die ganz viele Menschen berührt hat."
Heute erinnern zwei Gedenktafeln an Patrick Thürmer. Mit dem "Critical Walk" will die RAA Sachsen die Geschichte des Falls an den jeweiligen Orten vermitteln.
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen begrenzt. Anmeldungen sind bis zum 28. September unter opferberatung.chemnitz@raa-sachsen.de möglich, der Treffpunkt wird mitgeteilt.
Ergänzend dazu findet am 2. Oktober um 19.30 Uhr der Vortrag "Der Mord an Patrick Thürmer und anderen Punks in Deutschland seit 1990" im Soziokulturellen Zentrum, Karl-Liebknecht-Straße, Leipzig, statt. Der Eintritt ist frei.