Der Tag nach dem Bierhoff-Abgang: Wer sind die Kandidaten auf die Nachfolge?

Frankfurt am Main - Einen Tag nach dem Rücktritt von DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff (54) diskutiert ganz Fußball-Deutschland über seinen Nachfolger und die Zukunft des DFB-Teams.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61, r.) ist nach dem Rücktritt von Oliver Bierhoff (54, l.) bei der Nachfolger-Suche gefragt.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf (61, r.) ist nach dem Rücktritt von Oliver Bierhoff (54, l.) bei der Nachfolger-Suche gefragt.  © Christian Charisius/dpa

Es war ein Paukenschlag am Montag, der im Grunde nicht mehr überraschend kam, aber aufgrund der Dynamik für Aufsehen sorgte: Oliver Bierhoff trat mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Sportdirektor zurück und löste seinen Vertrag beim DFB aus.

Nach dem abermaligen Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft bei einer WM (2022 und 2018) ein konsequenter Schritt.

Doch der Abgang wirft mehr Probleme auf, als er Lösungen bietet. Denn auch die Zukunft von DFB-Bundestrainer Hansi Flick (57) ist offen. Besonders heikel: Als DFB-Sportdirektor war Bierhoff Flick überstellt und Entscheidungsträger.

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Diese Kompetenz fehlt jetzt. Es scheint kaum vorstellbar, dass bei der für Mittwoch anberaumten Krisensitzung Präsident Bernd Neuendorf (61) und DFB-Vize Hans Joachim Watzke (63) abschließend über die Zukunft von Flick entscheiden.

Bobic ein Kandidat

Fredi Bobic (51) ist seit Sommer 2021 Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC und lief zu aktiven Zeiten 37 mal für das DFB-Team auf.
Fredi Bobic (51) ist seit Sommer 2021 Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC und lief zu aktiven Zeiten 37 mal für das DFB-Team auf.  © Soeren Stache/dpa

Doch zurück zu Bierhoff und dessen bisheriger Funktion. Diese war am Ende nicht nur der Sportdirektor-Posten allein. Zuletzt firmierte er als "Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie" der DFB GmbH & Co KG. Insgesamt war Bierhoff 18 Jahre am Werk. Sein Feld ist insofern nicht nur vakant, sondern auch weitläufig.

Es scheint mehr als fraglich, ob ein starker Mann gefunden werden kann, der die Hülle und Fülle an Kompetenzbereichen, die Bierhoff am Ende vereinte, von heute auf morgen schultern wird. Kurzfristig geht es erst einmal darum, die Bundestrainer-Frage zu erklären und in Abstimmung mit diesem notwendige personelle oder strukturelle Änderungen im DFB-Team vorzunehmen.

Für diese verantwortungsvolle und öffentlich kritisch beäugte Position braucht es einen Profi mit Berufserfahrung, Kontakten und Reputation. Der kicker bringt hierfür Hertha Geschäftsführer Sport Fredi Bobic (51) ins Spiel.

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Dieser ist bei den Hauptstädtern seit Sommer 2021 im Amt, konnte angesichts der schwierigen Gemengelage im Klub den Niedergang aber ebenso wenig stoppen. Pikant: Der 37-malige Nationalspieler wurde gemeinsam mit Bierhoff 1996 Europameister. Wurde Bobic noch von Bierhoff vorgeschlagen?

Sammer eher nicht

Matthias Sammer (55) ist seit April 2018 als Berater des BVB im Hintergrund aktiv.
Matthias Sammer (55) ist seit April 2018 als Berater des BVB im Hintergrund aktiv.  © David Inderlied/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa

Ein anderer Kandidat erteilte über MagentaTV bereits indirekt eine Absage: Matthias Sammer (55) fühlt sich in seiner Rolle als Berater des BVB recht wohl und hat nicht mehr das Bedürfnis, in der ersten Reihe zu stehen.

Auch sein Kollege Sebastian Kehl dürfte nicht verfügbar sein, der 42-Jährige ist erst im Sommer zum BVB-Sportdirektor aufgestiegen und dürfte von Watzke ohnehin keine Freigabe erhalten.

Mit Max Eberl (49) von RB Leipzig ist ein weiterer Top-Manager der Bundesliga, der in den letzten Jahren im Rampenlicht stand, seit Anfang Dezember unter der Haube. Er beerbt Oliver Mintzlaff (47) als Geschäftsführer Sport.

Krösche und Mertesacker mit guten Kritiken

Der frühere Nationalspieler Per Mertesacker (38) ist seit 2018 Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal und als ZDF-Experte tätig.
Der frühere Nationalspieler Per Mertesacker (38) ist seit 2018 Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal und als ZDF-Experte tätig.  © Bernd Thissen/dpa

Ein weiteres Problem: Eberl war nie A-Nationalspieler, was kein Ausschlusskriterium sein muss, aber beim DFB prinzipiell hoch angesehen wird. Sonst dürfte eine heiße Spur zu Markus Krösche (42, Sport-Vorstand bei Eintracht Frankfurt) führen, der zuvor schon in Leipzig und Paderborn hervorragende Arbeit leistete.

Ein Geheimtipp könnte Per Mertesacker (38) sein. Der langjährige Abwehrchef der Nationalelf (104 Länderspiele) leitet seit Sommer 2018 die Nachwuchsakademie des FC Arsenal.

In seiner Expertenrolle beim ZDF bedauerte er am Montag das Aus Bierhoffs: "Es tut mir leid, aber das sind wahrscheinlich die Mechanismen nach drei Turnieren, mit denen wir nicht so zufrieden waren". Gleichermaßen stellte er das Wirken seines früheren Chefs positiv heraus: "Er hat viel vorangetrieben, auch mit der neuen Akademie. Ich finde es sehr traurig."

Gerade mit Blick auf die nigelnagelneue DFB-Akademie könnte der Jugend-Experte der richtige Mann sein. Denn nach dem dritten verpatzten Turnier in Folge steht mehr denn je die Frage nach der richtigen Ausbildung und Mentalität der kommenden Nationalspieler auf dem Prüfstand. In letzterer Hinsicht war Mertesacker stets ein Vorbild.

Egal, auf wen die Entscheidung fällt - sie muss sitzen. Es wäre kaum auszudenken, wenn nach den drei unbefriedigenden Endrunden 2022, 2020 und 2018 bei der Heim-EM 2024 erneut ein sportliches Desaster folgt.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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