Endlich Schluss mit dem Irrsinn: Hightech-Ball soll Handspiel-Chaos beenden!

Zürich (Schweiz) - Fußballfans wissen noch gut, wie Paris Saint-Germain im Champions-League-Spiel gegen Newcastle United Ende November einen sehr fragwürdigen Handelfmeter zugesprochen bekam. Nach zwei Minuten Bedenkzeit des Schiedsrichtergespanns führte das in der achten Minute der Nachspielzeit zum 1:1. Bei der EM 2024 soll das in vielerlei Hinsicht anders laufen.

Die Regeln sind eindeutig, aber ob ein Ball tatsächlich den Arm oder die Hand berührt, ist leider nicht immer klar.
Die Regeln sind eindeutig, aber ob ein Ball tatsächlich den Arm oder die Hand berührt, ist leider nicht immer klar.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Dank eines neuen Chip-Balls sollen die VAR-Entscheidungen nicht nur viel schneller über die Bühne gehen, sondern auch viel genauer sein.

Wie The Times berichtete, verfügt der Adidas-Ball "Fußballliebe", der bei der Europameisterschaft in Deutschland eingesetzt wird, über einen Mikrochip, mit dem Abseits und Handspiel besser erkannt werden sollen.

Möglich ist das im Zusammenspiel mit einer neuen "Gliedmaßen-Tracking-Technologie", mit der dann genau bestimmt werden kann, wo und wann der Ball berührt wird.

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Ein Chip im Ball ist allerdings keine komplette Weltneuheit. Für die Torlinientechnologie gab es bereits Hightech-Bälle, um keine Fehlentscheidungen über Sieg oder Niederlage zu fällen. Auch für Abseits-Entscheidungen halfen schon die kleinen versteckten Mikroprozessoren.

Nun soll diese Technologie aber auf Handspiele ausgeweitet werden, die immer wieder für Diskussionen sorgen, da selbst in Zeitlupenbildern oft nicht klar zu sagen ist, ob der Ball eine Hand oder einen Arm berührte oder nicht.

Der offizielle Spielball der EM 2024: Die "Fußballliebe" von Adidas.
Der offizielle Spielball der EM 2024: Die "Fußballliebe" von Adidas.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Tests liefern beeindruckende Ergebnisse

So sieht es häufig aus, nachdem sich der Unparteiische vom Bildschirm abgewendet hat.
So sieht es häufig aus, nachdem sich der Unparteiische vom Bildschirm abgewendet hat.  © Sven Hoppe/dpa

Eindeutig sind da meist nur die Regeln des Regelhüters IFAB (International Football Association Board): Ein abzupfeifendes Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler "direkt mit der Hand/dem Arm (ob absichtlich oder nicht)" oder "nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (ob absichtlich oder nicht)" ins gegnerische Tor trifft.

Mit dem Fußballliebe-Spielball ist nun jede Berührung des Balles nachzuvollziehen – die Frage, ob ein Arm oder eine Hand wirklich den Ball berührt hat, beantwortet schlussendlich eine Software.

Experten zeigten sich von der Demonstration der Technologie und deren Genauigkeit sehr beeindruckt, so The Times.

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Dieses halbautomatische System soll zum Spielfluss und zur Beschleunigung der Referee-Arbeit beitragen.

Die Champions League muss sich auf neue Technik noch gedulden

Die Bildschirmzeit der Schiedsrichter soll mit "Fußballliebe" reduziert werden.
Die Bildschirmzeit der Schiedsrichter soll mit "Fußballliebe" reduziert werden.  © JAVIER SORIANO / AFP)

In der Champions-League wird auf die "Gliedmaßen-Tracking-Technologie" noch verzichtet werden müssen, da sonst unerwartete Kosten auf die Teilnehmer zukommen würden.

Halbautomatisch ist dort nur die Abseitsentscheidung des VAR. Anders als in der Premier-League, wo noch manuell Bilder gestoppt und Linien gezogen werden.

Roberto Rosetti (56), UEFA-Chefschiedsrichterbeauftragter, sagte im September, das halbautomatische Abseitssystem habe die Dauer der Abseitsprüfungen von 88 auf 41 Sekunden mehr als halbiert und dass "die UEFA ständig nach neuen technologischen Lösungen sucht, um das Spiel zu verbessern."

Demnach erwarten die Zuschauer bei der Euro noch flottere Schiedsrichterpfiffe.

Titelfoto: Bildmontage: JAVIER SORIANO / AFP, Bernd von Jutrczenka/dpa

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