Rätsel um Regionalliga-Transfer: Wieso wechselt dieses Sturm-Versprechen von Stuttgart nach Greifswald?

Greifswald - Dieser Transfer sorgt in der Szene für ein riesengroßes Rätsel! Sturm-Versprechen Colin Kroll-Thiel (19) bricht seine Zelte beim VfB Stuttgart ab und schließt sich Regionalliga-Klub Greifswalder FC an. TAG24 kennt Hintergründe des Wechsels.

Sturm-Versprechen Colin Kroll-Thiel (19) posiert für seinen Transfer vor der Wiecker Holzklappbrücke in Greifswald.  © Greifswalder FC

Am Montagnachmittag stellte der GFC sichtlich stolz Angriffshoffnung Kroll-Thiel vor. Freundlich grüßt der Jung-Stürmer auf Instagram aus dem Dachgeschoss eines Greifswalder Gasthauses.

Auf der Straße steht GFC-Sportchef Matthias Rahn (36) und bietet dem frischgebackenen U19-Pokalsieger an, einen Vertrag zu unterschreiben.

Gesagt, getan. Kroll-Thiel schlägt ein und beendet in dem Moment das Kapitel Stuttgart, bevor es so richtig in die Vollen geht.

Transfermarkt Transfermarkt im Ticker: Hansas Nummer eins findet neuen Klub in der 2. Bundesliga

Dabei besaß der talentierte Stürmer nach TAG24-Informationen einen Anschlussvertrag über die A-Junioren hinaus, hätte theoretisch diese Saison bei den jungen Wilden des VfB 3. Liga spielen können. Warum der Wechsel?

Anzeige

Colin Kroll-Thiel flog vor zwei Jahren verdammt hoch und spielt jetzt erst mal Regionalliga

Kroll-Thiel verlässt Stuttgart als frischgebackener U19-Pokalsieger.  © IMAGO / Pressefoto Baumann

Dafür muss man die Vergangenheit kennen. Vor zwei Jahren kauften die Stuttgarter den in Brandenburg geborenen Stürmer für eine geschätzt sechsstellige Summe aus seinem Fördervertrag bei Energie Cottbus raus.

Der Mittelstürmer galt damals als eine der heißesten deutschen Sturm-Aktien, wurde in den erweiterten Kader der U17-Nationalelf berufen. Parallel schloss Kroll-Thiel im Sommer 2024 einen privaten Ausrüstervertrag mit Nike ab, durfte als Jung-Juwel für die Weltmarke Modell stehen, spielte später für den VfB UEFA Youth League.

Kroll-Thiel erzielte in zwei U19-Saisons wettbewerbsübergreifend insgesamt neun Treffer. Anhand von nur knapp 1300 Einsatzminuten eine gute Quote.

Transfermarkt Mindestens ein Klub hat Interesse: Kehrt Testroet in den Fußballosten zurück?

Doch den großen Durchbruch schaffte der schlaksige Angreifer nicht. Kroll-Thiel kam vor allem im zweiten Jahr vorwiegend als Joker in den letzten Minuten. Die Bundesliga? Ganz weit weg.

Bezeichnend: Stuttgart verabschiedete das einst hoffnungsvolle Juwel in zwei Sätzen über den Nachwuchskanal in den sozialen Medien. Eine Meldung auf der Homepage war sein Abgang nicht wert.

Die Realität heißt jetzt Greifswald. Für den Viertligisten darf dieser Transfer als wahrer Coup bewertet werden.

In der Pressemitteilung lässt Sportdirektor Rahn verlauten: "Wir freuen uns sehr, dass wir Colin für unseren Weg gewinnen konnten. In den Gesprächen war schnell zu spüren, dass er Bock auf das Projekt hat."

Anzeige

Matthias Rahn war als Spieler bei derselben Agentur, die auch die Transfers von Kroll-Thiel abwickelte

Matthias Rahn (heute 36) beendete einst seine Spielerkarriere in Cottbus, wurde anschließend Nachwuchsleiter. (Archivfoto)  © IMAGO / Fotostand

Rahn gilt auch als Gesicht dieses Transfers. Wieder einmal. Vor zwei Jahren gab es in Cottbus Misstöne und Auffälligkeiten, als der Jahrgangsbeste nach Stuttgart ging.

Damals agierte Rahn als FCE-Nachwuchsleiter. Pikant: Der Ex-Profi wurde einst als Spieler von derselben Agentur betreut, die den Transfers Kroll-Thiels zum VfB und jetzt zum GFC abwickelte.

Und dann wäre da noch Neu-GFC-Coach Alain Karim (39), unter dem der Jung-Stürmer einst die Saison seines Lebens spielte und in 20 B-Jugend-Bundesliga-Spielen 19 Buden markierte.

Im Zuge des Wechsels ließ sich der Angreifer zitieren: "In den Gesprächen mit den Verantwortlichen habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt und schnell gemerkt, dass der Greifswalder FC der richtige Schritt für meine Entwicklung ist."

In Cottbus kann man das Kapitel Kroll-Thiel endgültig schließen: Energie sicherte sich 2024 beim Stuttgart-Transfer eine Weiterverkaufsbeteiligung - und sieht heute fernab der damaligen Ablöse wohl keinen Cent mehr.

Mehr zum Thema Transfermarkt: