Union-Berlin-Blog: Ein Bundesligaduell wie kein anderes

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es ab sofort bei TAG24 einen Union-Berlin-Blog.

V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).
V.l.n.r.: Christian Beeck (49), Jürgen Heinemann (57) und Tobias Saalfeld (53).  © Archiv
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 49) Ex-Bundesliga-Spieler, Ex-Union-Manager, lebt an der Küste, 2 Kinder.

Icke (Jürgen Heinemann, 57) geht seit 44 Jahren zu Union, als Betriebswirt seit 30 Jahren im Vertrieb, verheiratet, ein erwachsenes Kind.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 53) schon seit über 40 Jahren Unioner, arbeitet als Autor für Bühne, Funk und Fernsehen, war aber auch schon Journalist, Comedian, Veranstalter, Sänger. Verheiratet, drei erwachsene Ziehkinder.

2. Dezember 2021: Ein Bundesligaduell wie kein anderes

Max Kruse (2.v.l.) köpfte den 1. FC Union Berlin im Mai 2021 gegen RB Leipzig in die Europa Conference League.
Max Kruse (2.v.l.) köpfte den 1. FC Union Berlin im Mai 2021 gegen RB Leipzig in die Europa Conference League.  © John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Unionfux: Es gibt zwei Bundesligaduelle mit gewissen Untertönen - das Stadtduell gegen Hertha und eigentlich noch mehr das Spiel gegen das Konstrukt, diese Werbeaktion für österreichische Limonade aus Leipzig, diesem Verein, der wie ein beinahe kompletter Gegenentwurf zum 1. FC Union ist. Und „beinahe" nur, weil hier wie da Fussball gespielt wird, in derselben Spielklasse - Ende der Gemeinsamkeiten.

Gegen Rasenballsport, auch der Begriff ist ein albernes Konstrukt, dieses Wort hat es zuvor in der deutschen Sprache nicht gegeben, zu siegen, ist Ehrensache, da geht es nicht nur um drei Punkte, da geht es ums Prinzip. Dass wir in der letzten Minute der vergangenen Spielzeit ausgerechnet gegen den ehemaligen SSV Markranstädt gewannen und uns so für Europa qualifizierten, das war eine der größten Kirschen auf der Torte der Vereinsgeschichte - sowohl das Was als eben auch das Wie.

Es ist nun mal ein Bundesligaduell wie kein anderes, andererseits sollten wir nicht vergessen, dass es auch nur ein Punktspiel der Fussball-Bundesliga ist und uns, bei aller Abneigung, die Hysterie weitgehend ersparen, das lenkt nur vom Wesentlichen ab und misst dem Gebilde RB auch zu viel Bedeutung zu...

Union Berlin vor zwei Heimspielen: Corona-Debatte um Zuschauer kommt zur Unzeit
1. FC Union Berlin Union Berlin vor zwei Heimspielen: Corona-Debatte um Zuschauer kommt zur Unzeit

Hoffentlich können noch die 13.500 Zuschauer dabei sein, in absehbarer Zeit sind wohl nur 5000 bzw. 6600 Zuschauer gestattet, 2G hin oder her - wenn nicht gar Geisterspiele angeordnet werden, wenigstens kennen wir uns damit aus…

Dass das Weihnachtssingen abermals abgesagt werden musste, hat wohl keinen ernsthaft verwundert, es hatte sich mehr als angedeutet, frustrierend ist es natürlich trotzdem. Ich bin mir sicher, dass wir so einen Auftritt wie in Frankfurt, der der fehlenden Kraft geschuldet war, die Reise nach Haifa war wohl, auch aufgrund der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, anstrengender als erhofft, nicht mehr sehen werden.

Unser Spiel ist eben sehr kräftezehrend, sehr physisch, mit hohem Laufaufwand, da muss man eigentlich 110% fit sein und bei der Eintracht waren wir höchstens bei 85% - beinahe wär’s ja sogar gut gegangen. Am Freitag dürfte der Akku wieder voll sein, gut so.

Die Brausetruppe ist momentan nicht gerade in bester Verfassung, zuletzt hat man zweimal am Stück verloren, es gibt Unruhe wegen mehrerer Coronafälle und auswärts sind sie in dieser Saison noch ohne Sieg. Trifft sich bestens, denn zu Hause sind wir nach wie vor eine Macht und die Mannschaft wird sich die ärgerliche Last-Minute-Niederlage von der Seele spielen wollen, dazu sind alle Spieler an Deck, auch Kevin Behrens ist wieder dabei.

Es wird nichtsdestotrotz kein einfaches Spiel, die individuelle Klasse von RB ist unbestritten hoch - Urs Fischer wird alles tun, um die Geschwindigkeit des Gegners rauszunehmen, mit Fünferkette und auf Konter lauernd. Gießelmann dürfte Oczipka wieder ersetzen, allzu viele Überraschungen dürfte es in unserer Aufstellung eher nicht geben. Die drei Punkte müssen und werden in der Alten Försterei bleiben, der Klassenkampf - besser gesagt. der Konzeptekampf wird für uns entschieden.

Genießen wir nochmal ein zwei-Drittel-volles Stadion, das so laut sein wird wie ein knallvolles und freuen wir uns auf dieses spezielle Duell am Freitagabend unter Flutlicht - die Spannung steigt stündlich: eisern Union!

30. November 2021: Schlechtes Essen und miese Betreuung?

Frankfurts Goncalo Paciencia (o) und Unions Marvin Friedrich kämpfen um den Ball.
Frankfurts Goncalo Paciencia (o) und Unions Marvin Friedrich kämpfen um den Ball.  © Arne Dedert/dpa

Icke: So wie die Hessen sich in der 95. Minute vorn reinstellten, war das Kopfballtor nicht mehr zu verhindern. Also lag der Fehler Sekunden davor. Da müssen sich unsere „Latten“ in das Zentrum stellen und mit allen Mitteln (und dass meine ich wörtlich) verhindern, dass da einer hochspringt.

Wer selber mal gekickt hat, weiß um die vielen Möglichkeiten, das zu verhindern. Und wenn es dann einen Elfer gibt, kann man den zur Not noch halten. So aber war das Tor nicht mehr zu verteidigen. Und natürlich auch gut gemacht, selbstredend hat Frankfurt über 90 Minuten auch verdient gewonnen. Das ist aber auch gar nicht schlimm, keiner rechnet damit, ab sofort alle Spiele zu gewinnen. Nur der Zeitpunkt, sprich 5 Minuten nach dem regulären Spielende, der ärgert mich …

Ansonsten war es unverkennbar, dass wir weder körperlich, noch geistig bei 100% waren, die erste kleine Rache der Dreifachbelastung.

Und das nächste Heimspiel wird nicht leichter. Die BSG Rasenballsport darf unser heiliges Wohnzimmer ausnahmsweise betreten. Die sind derzeit eine Wundertüte. Mal Welt- mal Kreisklasse. Insgesamt muss man aber zugeben, sie haben den um Längen besseren Kader, als auch Einzelspieler. Viel hängt wieder von unserer Doppelspitze ab. Sind Kruse + Awoniyi gut drauf, können wir jeden Gegner schlagen!

Meinhard Uentz, eine Legende bei uns, ist mit 83 Jahren gestorben. Ein richtiger Unioner, Pokalsieger, Leader, Vorbild und ein verdammt torgefährlicher Spieler. Ich sah ihn ein paar Mal spielen, als er zwischen 76 und 80 in der 2. Liga seine Karriere ausklingen ließ. War Uentz gut drauf, gewann KWO meistens!

Bei Union herrscht nun schon jahrelang Ruhe im Verein. Auch sportlich liegen wir seit langer Zeit über allen Erwartungen. Neue Mitglieder belagern uns wie verrückt. Wer hätte gedacht, dass wir mal 40.000 werden. Am meisten ärgert aber unsere Gegner wohl, dass wir auch finanziell jedes Jahr eine kleine Treppe hochsteigen. Oskars Regel Nr. 1 … seit vielen Jahren … ist die Profi-Lizenz ohne Auflagen zu bekommen. Das macht er stoisch und routiniert, Jahr für Jahr.

Und so viele Vereine, die diese Bilanz vorweisen können, gibt’s da mal gar nicht! Umso schlimmer sind die Neider und Hasser zu ertragen. Und leider reihen sich hier auch Verlage und Journalisten mit ein, die wieder besseren Wissen – miese Verleumdungsspiele – zumindest mittragen. Wie anders ist es zu erklären, dass sich vor Monaten angebliche Eltern von Nachwuchs-Kickern (teils anonym) bei halbseidenen Journalisten melden und behaupten, bei Union werden Talente - nach Herkunft und Rasse behandelt. Welch ein grober Unfug, zumal Union gerade die größte Summe der Vereinsgeschichte für Taiwo bezahlte, den wir unbedingt haben wollten!

Leider Gottes schreiben dann immer zehn weitere Faule vom Denunzianten ab. Wie gerade wieder geschehen. Das mit der Rassentrennung ist natürlich ohne jegliche Beweise ins Leere gelaufen, jetzt starten wahrscheinlich die gleichen Leute - eine in Nuancen geänderte Aktion. Diesmal sind Betreuung und Essen für die Nachwuchsfußballer bei Union schlecht. Natürlich werden den Behauptungen wieder keine Beweise beigelegt. Getreu der Maxime, irgendetwas bleibt schon hängen. Zumal das in unserer heutigen Zeit sowieso keiner glaubt.

Und wer die Leute bei Union kennt, so wie ich es teilweise behaupten darf, der glaubt das erst recht nicht. Meine Hand dafür ins Feuer! Dieses (teilweise auch von Journalisten und Verlagen unterstützte) Denunziantentum, gepaart mit Neid, Hass und Dummheit … ist eine Plage unserer Zeit …

Auf einen Sieg gegen die Rasenballer! Eisern!

28. November 2021: Der Albtraum eines Fans

Jubel nach dem 2:1 für Frankfurt. Cheftrainer Oliver Glasner (2.v.l.) läuft nach dem Tor zum 2:1 zu seinen Spielern.
Jubel nach dem 2:1 für Frankfurt. Cheftrainer Oliver Glasner (2.v.l.) läuft nach dem Tor zum 2:1 zu seinen Spielern.  © Arne Dedert/dpa

Unionfux: Ja, das ist natürlich der Albtraum eines Fans, wenn die eigene Mannschaft den Punkt buchstäblich in den Schlusssekunden noch aus der Hand gibt…

Meinetwegen ist der Sieg für Frankfurt auch verdient, das war sicherlich die schwächste Saisonleistung Unions, müde, uninspiriert, für unsere Verhältnisse relativ unordentlich, die erste Halbzeit war der Gegner drückend überlegen, wir waren mit dem 0:1 zur Pause insgesamt gut bedient.

In der zweiten Hälfte war der Druck nicht mehr ganz so hoch, uns gelingt der Ausgleich durch Kruse per Elfmeter, nach Foul an Awoniyi, die Mannschaft kämpferisch fraglos gut, aber zu oft einen Schritt zu spät, zu ungenau, zu fahrig. Nach vorne geht das ganze Spiel über ohnehin sehr wenig, so verteidigt man im Dauermodus und lässt ziemlich wenig zu, aber es ist gewiss kein Zufall, dass ausgerechnet Kostic kurz vor Ultimo nochmal unbedrängt flanken und der Frankfurter Verteidiger ebenfalls ziemlich unbedrängt und unhaltbar einköpfen kann, da war die Ordnung ziemlich zum Teufel und das wurde, wie in Stuttgart, bestraft - das war der dritte Punkt, der in der Nachspielzeit verschwindet, verdammt schade drum. Gut, das war die beste Saisonleistung der Eintracht (ausgerechnet) und schon der x-te Eintracht-Treffer in jüngster Zeit in der Nachspielzeit, aber das kann wohl kaum trösten.

Nun hat sie uns wohl doch erwischt, die Europacup-Müdigkeit, da fehlen die paar entscheidenden Prozente Konzentration und Entschlossenheit. Und unser Spiel braucht eben genau das, schon mit etwas zu wenig Kraft funktioniert der Motor offensichtlich nicht mehr ausreichend und die Aussetzer häufen sich.

Dem wollte Urs Fischer durch Rotation entgegenwirken, so kam Oczipka zu seinem ersten Startelfeinsatz in der Bundesliga - allein, es half wenig. Sicherlich ist das verständlich, sicherlich kann nicht jedes Spiel optimal sein, aber hoffentlich fängt sich die Mannschaft rechtzeitig, noch sind vier (mit Europacup fünf) Spiele zu absolvieren - durchschnaufen bis Freitag, Kräfte sammeln, regenerieren und dann wieder da sein, in bewährter Frische - damit uns, wenigstens bis Weihnachten, der Albtraum eines Fans erspart bleibt…

27. November 2021: Frankfurt, wir kommen!

Jubel nach dem Sieg gegen Maccabi Haifa.
Jubel nach dem Sieg gegen Maccabi Haifa.  © Matthias Koch/dpa

Unionfux: So, die ersten beiden Aufgaben sind geschafft, die vorläufige Stadtmeisterschaft und das ebenfalls vorläufige Europacup-Endspiel, von souverän bis naja, aber ohne Gegentreffer immerhin und weitgehend ungefährdet. Sonntag spielen wir bei der Eintracht in Frankfurt, wohin man ja gleich aus Haifa hingeflogen ist, kein unnötiges Hin und Her - Union is busy…

Und da sollten wir den Rückenwind des Erfolges mitnehmen, allerdings könnte die Leistung vom Donnerstag da eher nicht ausreichen, aber wir hatten ja in dieser Saison ohnehin immer eine gewisse Diskrepanz zwischen der Bundesliga und der Conference League - zugunsten der Meisterschaft und das ist auch gut so, umgekehrt wäre wesentlich problematischer.

Bis auf Behrens werden alle Spieler zur Verfügung stehen, keine schlechte Voraussetzung. Wir sind schon ein wenig der Favorit, das ist man nun mal auf Platz fünf, außerdem gab es erst eine Auswärtsniederlage (in Dortmund) - und die Frankfurter sind zu Hause noch sieglos. Unsere Bundesligabilanz in Frankfurt ist bis jetzt gemischt: ein Sieg, eine Niederlage.

Natürlich ist das alles ein bisschen lesen im Kaffeesatz, ganz so einfach lässt sich Fußball, Gottseidank, nicht ausrechnen. Es ist wie immer: Es wird um Kleinigkeiten gehen, um Tagesform, etwas Matchglück…

Ich finde ja, Kruse hinkt noch immer ein wenig seiner Vorjahresform hinterher, da wäre doch Sonntag ein hervorragender Zeitpunkt, zwei Tore zu machen, das hat er ja dort auch schon mal hingekriegt. Awoniyi ist immer für ein Tor gut, langsam könnte unsere Innenverteidigung mal treffen, das Mittelfeld sowieso.

Hinten sollte ohnehin die Null stehen - und schon sind drei weitere Auswärtspunkte im Sack. Ist das zu viel verlangt? Vielleicht. Nur, egal, wie sehr man auf dem Boden der vermeintlichen Tatsachen bleiben will, die Anspruchshaltung ist nun mal gestiegen, und zwar in atemberaubender Geschwindigkeit. Nach so vielen Jahren der Übersichtlichkeit haben wir uns das aber auch verdient, oder?

Also, ich werde morgen gespannt, aber durchaus selbstbewusst vorm Fernseher sitzen: wir halten doch schon ein paar Trümpfe in der Hand. Mal sehen, wie wir sie ausspielen...

25. November 2021: Da ist das Endspiel gegen Prag!

Jubel vor den mitgereisten Fans.
Jubel vor den mitgereisten Fans.  © Ariel Schalit/AP/dpa

Unionfux: Das war ein Spiel der Sorte: Gewonnen! Wie, interessiert hinterher keinen mehr… Und das zu Recht.

Allzuviel gibt es über das Spiel nicht zu sagen. Der immerhin schöne Kopfballtreffer von Ryerson war der erste Schuss auf das Tor von Haifa - und das nach 65 Minuten. Mindestens die Hälfte des goldenen Tors gehören Sheraldo Becker, der konsequent nachsetzte und seine butterweiche Flanke von der Grundlinie nutzte unser Norweger mit einem prima Standkopfball, unhaltbar und genau ins Eck.

Bis zum Schluss kommt noch ein guter Schuss von Becker dazu, bei dem sich der Schlussmann der Israelis strecken muss, das war’s. Ansonsten gab es viel Kampf, aber auch viel Krampf, denn viel gelang, wie gesagt, nicht - glücklicherweise auf beiden Seiten. Fehlpässe in und am Unionstrafraum konnte Haifa nicht nutzen, eigentlich konnte sich Rönnow nur einmal auszeichnen: in der Nachspielzeit lenkte er einen direkten Freistoß vom rechten Strafraumeck über den Kasten. Und Puchacz konnte zwar ein einige Male von außen flanken, aber gefährlich wurde es dabei kaum.

Gut neunzig Minuten zwei weitgehend ungefährlichen Mannschaften mit jeder Menge Stockfehlern zuzusehen war eigentlich nur wegen des Sieges erträglich - und on top schaffte das dezimierte Feyenoord noch in letzter Sekunde den Ausgleich in Prag. Wenigstens dazu waren die unsympathischen Holländer gut... Denn das ist im Grunde optimal, so reicht ein „einfacher" Sieg am 9. Dezember im Olympiastadion gegen Slavia - und das erhöht unsere Chancen doch beträchtlich. Andererseits hätten wir nämlich mindestens mit zwei Toren Unterschied gewinnen müssen, unbestritten wäre das schon eine Stufe schwieriger.

So gibt es das Endspiel ohne Wenn und Aber, ohne Rumrechnerei, und das ist machbar. Keine Frage, wenn wir Slavia Prag in zwei Wochen nicht schlagen können, dann hätten wir das Weiterkommen eben nicht verdient.

Wie soll man das Spiel heute sehen? Es war schon ein wenig ernüchternd, wie übersichtlich gegen einen ebenfalls übersichtlichen Gegner auftraten - andererseits reichte es doch aus und das ist letztlich entscheidend. Weder Rotterdam noch Prag konnten in Haifa ein Tor erzielen, wir schon - und das gnadenlos effektiv. Und man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren könnten.

Last but not least war der Sieg eine halbe Million wert. Gegen Prag werden wir jedoch eine andere Leistung abrufen müssen, aber ich bin da ganz optimistisch. Also: Haken dran, Auftrag erfüllt, Blick nach vorn. Jetzt geht erstmal in der Bundesliga weiter, am Sonntag in Frankfurt, die zum Glück heute auch spielen mussten und in letzter Sekunde ein Unentschieden gegen Royal Antwerpen retten konnten. Da geht was!

25. November 2021: „Siegen oder fliegen“

Icke: „Siegen oder fliegen“ ist die Devise heute um 18.45 Uhr in Israel. Ein weiteres Stück zum Abenteuer der neuen Euro-Liga. Gewinnen wir heute, so haben wir im letzten Spiel zu Hause gegen Slavia Prag noch die Chance auf ein Weiterkommen. Aber wohl auch nur, wenn Awoniyi heute aufhört gelbe Kartons zu sammeln. Noch eine Gelbe und er muss gegen Prag zuschauen. Ihn und Kruse können wir nicht gleichwertig ersetzen.

Strenge Sitten haben die Israelis, keine Kippen und kein Bier, das würde in Deutschland zur Halbierung der Zuschauerzahlen führen. Man darf aber vermuten, dass der mitgereiste Union-Mob das Spiel in Israel zu einem Heimspiel für Union macht. In Sachen Fußball-Stimmung ist Köpenick den Israelis um einiges voraus. Aber Vorsicht, Rotterdam und Slavia hatten beide große Schwierigkeiten in Haifa. Sollten die Berliner aber so wie zuletzt gegen Hertha auftrumpfen, haben sie gute Chancen die 3 Punkte mit zu nehmen.

Wer das Spiel anschauen möchte, muss 5 € für ein 4-Wochen-Abo bei RTL+ investieren. Eisernes Daumendrücken!

23. November 2021: Demütig ausflippen - geht das?

Das Hinspiel gegen Maccabi Haifa ging 3:0 für Union Berlin aus.
Das Hinspiel gegen Maccabi Haifa ging 3:0 für Union Berlin aus.  © dpa/Andreas Gora

Unionfux: Weiter geht die wilde Fahrt: kurz mal nach Haifa, 4000 km hin, 4000 km zurück, dann nach Frankfurt zur Eintracht. Das Europacupspiel in Israel ist die allerletzte Chance, im internationalen Geschäft noch was zu reißen, ein Sieg bei Maccabi nicht unmöglich, man sollte sich aber nicht vom klaren Hinspielergebnis täuschen lassen.

Weder Feyenoord noch Slavia konnten dort einen Treffer erzielen: Rotterdam spielte Unentschieden, Prag verlor. Das wird ein harter Brocken, ganz abgesehen von den Reisestrapazen. Mal sehen, inwieweit Urs Fischer rotieren lässt, der Käpt’n hat jedenfalls aufgrund der Gelb-Roten aus dem letzten Heimspiel Pause, das ist in Ordnung, die kann er brauchen und Cedric Teuchert muss auch passen aufgrund seines Platzverweises gegen die Holländer.

Dazu kommt höchstwahrscheinlich noch Kevin Behrens, der frühestens für Sonntag ein Thema sein dürfte. Ich finde, Frederik Rönnow hätte ein Spiel verdient (ich sehe ihn, bei aller Sympathie für Luthe, gleichauf), Puchacz ebenso und auch Sheraldo Becker sollte in der Startelf stehen.

Nichtsdestotrotz bin ich relativ gelassen, denn eigentlich haben wir nichts zu verlieren: drei Punkte sind Pflicht, ansonsten wird das letzte Spiel gegen Slavia im Olympiastadion nur noch ein Spiel um ne halbe Million Euro Siegprämie. Ich tippe, natürlich, auf Sieg - was auch sonst? Aber für eine echte Prognose fehlt mir, immer noch, der Einblick in den israelischen Fußball.

Maccabi hat zuletzt zu Hause 4:0 gewonnen, gegen, wer kennt sie nicht, Hapoel Ironi Kiryat Shmona, derzeit Tabellenletzter, während Haifa Zweiter ist. Was sagt uns das, außer Schulterzucken? Also, lassen wir uns überraschen, Teil 2: auf nach Haifa, weit weit weg, wenigstens herrschen mit 21 Grad angenehme Temperaturen, ein Abenteuer ist es, zumal in diesen verrückten Zeiten, allemal…

Ja, und Frankfurt? Die kommen leider so langsam aus dem Knick, haben zu Hause aber noch nicht gewonnen. Kurzerhand: da nehmen wir was mit, auch mit unserer Reise in den Nahen Osten in den Knochen, wir sind stabil, gut drauf, wir müssen eigentlich niemanden in der Liga fürchten, mal abgesehen von den Bayern in guter Form (denn in der Augsburg-Verfassung hätten wir die wohl auch geschlagen…), und die haben wir fürs Erste hinter uns. Selbstbewusst und eingespielt, jeder Spieler hat die Urs-Fischer-Taktiken verinnerlicht, an Gegentore durch grobe bzw. nicht nachvollziehbare Abwehrfehler kann ich mich kaum erinnern. Wir schießen zwar selten mehr als zwei Tore (in Punktspielen bisher noch gar nicht), aber die reichen zumeist. Und trotzdem könnten sich ja noch so einige Spieler steigern, da ist noch Luft nach oben und da gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Bestes Beispiel ist da ja der unglaubliche Niko Gießelmann: letzte Spielzeit eigentlich bedeutungslos, diese Saison in den ersten zwölf Punktspielen drei Tore und vier Assists - wer das hat kommen sehen, Hand hoch! Ja, und dass wir aus der derzeitigen Sicht noch besser werden können: was für ein Gefühl!! Also was nun: Demut oder ausflippen, fordernd oder dankbar? Demütig ausflippen, geht das? Ich weiß (noch) nicht, aber eins weiß ich: Urs Fischer jedenfalls würde das gefallen.

21. November 2021: Ein bisschen Glück war auch dabei

Timo Baumgartl (l-r), Robin Knoche, Kevin Möhwald und Marvin Friedrich jubeln nach dem Spiel.
Timo Baumgartl (l-r), Robin Knoche, Kevin Möhwald und Marvin Friedrich jubeln nach dem Spiel.  © Andreas Gora/dpa

Beecke: Endlich hat es wieder geklappt, wir konnten ein Derby gewinnen. Ganz so euphorisch sehe ich es nicht, wie unser lieber Icke. Auch das ganze Getöse um die vielen Millionen in Charlottenburg usw. ist nicht wirklich unsere Messlatte. Lasst uns bei uns bleiben und die geile Zeit genießen.

Wir waren natürlich das komplettere Team und können unser System wesentlich stabiler spielen als die Charlottenburger. Doch wir hatten an der einen oder anderen Stelle auch das Quäntchen Glück, was man immer braucht, um Fußballspiele zu gewinnen.

Die Szene zum 1:0 ist bezeichnend dafür. Wir hatten Glück, dass Dardei über den Ball haut. Das gemachte Tor war dann wieder Können. Beim 2:0 ist es ähnlich. Es gibt auch Video-Schiedsrichter, die dort Abseits sehen wollen. Das nicht gegebene Gegentor ist eine weitere Szene. Dort sind es wirklich nur Millimeter, die für uns entscheiden.

Ein Gegentor vor der Halbzeit ist für eine Mannschaft grundsätzlich nicht gut. Schlussendlich waren wir aber insgesamt taktisch und auch in der Art und Weise klar die bessere Mannschaft. Wenn wir wechseln, ändert sich unser System nicht. Wenn Hertha gewechselt hat, waren selbst die Herthaner vom neuen System überrascht.

Hinzu kommt, dass Awoniyi ein richtiges Brett in der Sturm-Brandung ist. Ich konnte es erstmalig live erleben. Das ist für jeden Abwehrspieler schwer zu bespielen bzw. man muss wissen, wie es geht. Gerade die sehr grünen Abwehrspieler aus Charlottenburg hatten da ihre intensiven Probleme.

Herausheben möchte ich noch Robin Knoche, wie er dafür Sorge trägt, dass die Mannschaft in Ihrem System bleibt. Das die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen immer stimmig sind. Der Bereich, wo sich der Ball befindet, ist immer klein organisiert. Somit hat der Gegner kaum eine Chance, sein Spiel aufzuziehen und sich Chancen zu erarbeiten. Für diese Leistung muss man ein Sonderlob verteilen.

Insgesamt fand ich den gestrigen Abend wunderschön. Das Stadion war ausverkauft, es gab keine Hass-Parolen, wir haben ein tolles Fußballspiel gesehen und am Ende verdient gewonnen. Da wir viele wichtige Themen für erfolgreichen Fußball einfach besser machen. Gemeinsamkeit, Fitness, taktische Disziplin sowie Leidenschaft in jedem Bereich des Vereins. Abschließend auch einen Dank an die ungeliebten Charlottenburger, Ihr habt Euch bei uns schon anders benommen.

21. November 2021: Das war zu einfach!

Union Berlins Robin Knoche jubelt nach dem Abpfiff.
Union Berlins Robin Knoche jubelt nach dem Abpfiff.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Ich war vorbereitet auf ein schweres Match. Auf enge Situationen. Auf Überlegenheit und Chancenvorteile für Hertha. Und was passierte? Alles das, was ich mir im letzten Blog wünschte 😊.

Um es vorweg zu nehmen, man sah einen Klassenunterschied. Unsere Abwehr war ein Bollwerk. Hertha hatte kaum wirkliche Chancen. Wir dagegen hätten auch entspannt 5 : 0 gewinnen können, so wir etwas konzentrierter unsere Chancen genutzt hätten. So blieb es bei den 2 Toren von Goalgetter Awoniyi und Kapitän Trimmel. Und da – neben den zwei – auch Kruse und Haraguchi gut performten, waren wir mindestens um eine Klasse besser.

Das Team setzte Fischers Marschrichtung zu 100% um, bis zur letzten Sekunde. Eine wahrlich erstklassige Teamleistung. Apropos Fischer, diesmal griffen wir den Gegner nicht gleich am eigenen Strafraum überfallartig an. Fischer ließ der Hertha bis zur Mittellinie den Ball. Da hatten die am Schluss gar 55% Ballbesitz und wunderten sich.

Erst 30 Meter vor unserem Tor griffen wir energisch zu, verstellten alle Räume und ließen dem Big City Club 😉 … keine Luft zum atmen. Und wenn dann doch mal eine Flanke kam, räumten unsere Leuchttürme Friedrich, Knoche und Baumgartl alles ab, was blau war. Das war eine Taktik, genau auf die Hertha zugeschnitten und MEGA erfolgreich. Lothar Matthäus wurde zur Halbzeit gefragt, was Hertha dagegen machen könnte, er antwortete sinngemäß „nichts“, Union ist einfach zu stark 😊. Das trifft den Kern.

Unioner freuen sich über den Stadtmeistertitel und wundern sich ein ums andere Mal, wie das denn so alles geht. Schon wieder ist Union auf dem 5.Platz. Schon wieder wird der große Westberliner Rivale, der gerade 375 Millionen Euro von Tennor erhielt, in seine Schranken verwiesen. Mit Überlegenheit.

Die mit hunderten Millionen gesponserten Geldsackvereine von VW, RedBull, Tennor und SAP in der Tabelle abgehängt. Das machen wir alles mit unserem smarten 80-Millionen-Etat. Zum Vergleich, Bayern geht mit 829 Millionen in diese Saison! Wir regeln das über unsere verschworene Gemeinschaft, über den Zusammenhalt und ein paar klugen Köpfen in der Spitze!

Das Stadion sang gestern „siehste Hertha, so wird das gemacht“, um das nach dem Schlusspfiff die Herthaner zeigten, sie haben kein Wort verstanden. Was meine ich? Nach dem Spiel machten die sogenannten Hertha-Fans ihre Mannschaft zur Sau, schmissen die Trikots weg und griffen sie laut verbal an. Das sind Fans? Ne wohl eher nicht, das ist ein zerstrittener Haufen Großmäuler, die natürlich wieder kurz vor Schluss für eine Spielunterbrechung sorgten, weil sie Rauchtöpfe zündeten und Feuerwerk auf den Rasen schmissen. Unioner haben in den letzten Jahrzehnten ganz andere Dinge durchlebt. Vom Lizenzentzug bis zur Fast-Insolvenz. Aber so ein Kindergarten-Theater gab es an der Alten Försterei nie!

Umso mehr genießen wir die nun schon 2 ½ Jahre andauernde erste Bundesliga. Wir genießen den Erfolg und die Anerkennung, die wir bekommen. Und damit meine ich neben der Mannschaft, auch die Fanbase, sprich den ganzen Verein! Und das Sahnehäubchen sind dann diese Siege gegen den Stadt-Rivalen.

21. November 2021: Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer 1!

Union Berlins Andreas Voglsammer (l-r), Union Berlins Kevin Möhwald, Union Berlins Levin Öztunali und Union Berlins Rani Khedira jubeln nach dem Spiel.
Union Berlins Andreas Voglsammer (l-r), Union Berlins Kevin Möhwald, Union Berlins Levin Öztunali und Union Berlins Rani Khedira jubeln nach dem Spiel.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Zuerst das Wichtigste: wir haben ein Heimspiel gewonnen, drei Punkte eingefahren, zu null gespielt, das Ganze weitgehend im Griff gehabt und das vor vollem Haus (das war das letzte Mal an 1. März 2020 der Fall…).

Und jetzt kommt’s: im Derby gegen den Lokalrivalen, gegen die Tante aus Charlottenburg, gegen Hertha BSC! Das ist ein schon ein geiles Extra. Spiele gewinnt man immer gern, besondere Spiele aber noch mehr! Und dabei stört mich kein bisschen, dass es vielleicht intensiv war, aber nicht sooo wirklich spannend.

Nichtsdestotrotz allemal aufregend, denn schon nach acht Minuten nutzen wir einen groben Abwehrfehler aus: Gießelmann flankt, Trainersohn Dardai haut über den Ball, Awoniyi hat den Riecher, läuft auf Verdacht durch und bleibt frei vor Schwolow eiskalt und schiebt überlegt neben den linken Pfosten ein - was für ein Auftakt, das Stadion explodiert, bis auf die Gäste in blau natürlich…

Und damit ist Taiwo Awoniyi vorerst Rekordtorschütze für uns in der Bundesliga, bitte weiter so, Taiwo (und lass dich bloß nicht abschütteln, Max)!In der Folge hat Hertha zwar mehr den Ball, dafür haben wir die Chancen und dass es auch mal gut sein kann, wenn der Käpt’n nicht jede Ecke tritt, zeigt sich nach einer knappen halben Stunde: Gießelmanns Ecke wird rausgeköpft, Trimmel nimmt von der Strafraumgrenze Maß und der Ball geht durch alle hindurch und schlägt im langen Eck ein: 2:0! Perfekt!! Und es ist dem dienstältesten Unioner auf dem Platz so zu gönnen, ohnehin eine tolle Partie des österreichischen Nationalspielers, der mit seinen vierunddreißig Jahren zwei volle Länderspiele in der Länderspielpause durchgezogen hat und trotzdem auf den Punkt da ist, das ist Union at its best!

Hertha hat den ersten Torschuss in Minute 37 und bleibt weiter ziemlich harmlos, aber Fußball ist eben doch nicht so leicht auszurechnen - direkt vor dem Pausenpfiff kann Luthe eine Flanke nicht sauber klären, fällt zudem über Baumgartl und der Herthaner Pekarik köpft den Ball über die Linie, Knoches Abwehrversuch kommt zu spät, der vermeintliche Anschluss, ebenso unnötig wie ärgerlich, zum denkbar schlechten Zeitpunkt. Doch dann schaltet sich der VAR ein - und was wohl niemand gesehen hat: Piatek stand hauchzart im Abseits, bevor er die Flanke vorbereitete - kein Tor! Und nicht nur mir fällt ein Stein vom Herzen… Vielleicht glücklich, aber doch regelkonform.

Kurzer Einschub: nach dem Spiel beschwerten sich sowohl Bobic als auch Dardai als auch Boateng darüber lauthals, als würden sie die Regeln nicht kennen und als wäre der Videobeweis völliges Neuland für sie. Fakt ist, ganz einfach: ohne Piateks Vorarbeit zur Flanke kein Tor und da hätte der Linienrichter ja schon abgepfiffen (wenn er denn diese Adleraugen hätte, die der Videoassistent mittels der Technik hat), weil eben Abseits und da spielt es letztlich keine Rolle, ob superknapp oder ganz klar - dafür gibt es ja den ganzen Zauber mit dem VAR inklusive Kalibrierungslinien und so weiter.

Aber anstatt das hinzunehmen, wird rumgeheult und diskutiert und Unverständnis geäußert, dabei ist die Szene vielleicht nicht im ersten Moment ersichtlich, aber doch vollkommen eindeutig. Was für Fachleute, was für Sportsmänner…

Zumal in der zweiten Hälfte Hertha kaum eine echte Torchance zustande bringt, unsere Abwehr lässt, mit dem üblichen hohen Einsatz und der Fischerdisziplin, nichts zu - eher können wir das dritte Tor machen, aber immer fehlt eine Kleinigkeit, bei Haraguchi, bei Kruse, bei Prömel und zweimal bei Sheraldo Becker, schade schade, aber es reicht ja auch so - und es ist natürlich auch richtig und klug, dass unser Team nicht aufmacht, weiter die Räume eng hält, nicht leichtsinnig, nicht übermütig wird, genauso will es Urs Fischer.

Am Ende gewinnen wir absolut verdient dieses Derby, ungefährdet wie noch nie, taktisch hervorragend, läuferisch fleißig, beinahe fehlerlos - inmitten der kochenden Alten Försterei, ein Bild für die Götter. Unsere Mannschaft war von der ersten bis zur letzten Minute im notwendigen Derbymodus, hellwach, mit Leib und Seele dabei, so wünscht man sich das. Nach zwölf Spieltagen ist die halbe Miete eingefahren, zwanzig Punkte im Sack, der Tabellenstand eine nette Draufgabe, das war der richtige Auftakt für den gestreckten Galopp bis Weihnachten, jeder Unioner grinst jetzt erst mal ein paar Tage vor sich hin und summt: Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nr.1… Danke und bravo, Jungs!!

Titelfoto: John Macdougall/AFP-Pool/dpa

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