Union-Berlin-Blog: Kauft einfach Lose wie verrückt!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 50), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union, lebt heute an der Küste, hat 2 Kinder und arbeitet als Geschäftsführer bei Energy World.

Icke (Jürgen Heinemann, 58) ist seit 1975 Unioner, als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig, stammt ursprünglich aus der IT-Branche, ist verheiratet, hat 1 erwachsenes Kind, lebt heute in Grünheide - im Speckgürtel Berlins und arbeitet bei Tag24.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 54) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

10. August 2022: Kauft einfach Lose wie verrückt!

Icke: Müssen wir wirklich die teuersten Sitzplätze in der Bundesliga haben? Stolze 476 EUR kostet eine Dauerkarte mit Sitzplatz bei Union. 435 EUR beim BVB, 375 EUR kostet die billigste Sitzplatz-Dauerkarte bei Bayern. In Freiburg (369 EUR) und Gladbach (400 EUR), die wohl noch am ehesten mit uns vergleichbar sind, liegt man ebenso darunter. Alle liegen unter unserem Preis. Hertha mit 199 EUR ist hier der preiswerteste Anbieter. Natürlich haben wir einen dramatischen Mangel an Sitzplatzkarten. Wahrscheinlich könnten wir in jedem Heimspiel alle Sitzplätze zwei- oder sogar drei Mal verkaufen. Aber rechtfertigt das unsere Preisgestaltung? Wir haben eben nicht oder gerade wir haben mitnichten die gutsituierte Mittel- bis Oberklasse auf unseren Traversen. Auch, aber nicht vorwiegend. Mein Namensvetter Gustav Heinemann sagte einmal: „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt“. Gerade Union muss hier Vorbild sein. An dieser Stelle sind wir es nicht… lieber ein Top-Spieler weniger und dafür eine starke und soziale Gemeinschaft sein. Wäre meine Devise…

Spenden-Tombola für die Union-Stiftung: Dass es im sozialen Bereich bei Union auch sehr viel besser geht, zeigt immer wieder unsere Union-Stiftung. Am 28.8. gibt es eine 2. große Ziehung der Tombola (zum Drachenbootrennen). Die Einnahmen kommen den verschiedensten guten Zwecken der Stiftung zugute. Nachzulesen hier: www.unionstiftung.de … achso die Preise sind eine „Bombe“, hier ein kleiner Auszug: https://www.fc-union-berlin.de/de/union-live/news/verein/Tombola-zugunsten-der-Union-Stiftung-2913n/ … kauft einfach Lose wie verrückt! Die Preise sind genial und Ihr wertet Euer „Karma“ auf ;-) … Lose gibt es in allen Zeughäusern und im Stadion beim Dosenspiel (mobile Stände und Virus-Stand).

Oskar und Konsorten hatten am 5.8. gar kein Mitleid. Die SV Grün-Weiß Letschin lud zum 100-jährigen Vereinsjubiläum ein. 17:3 fegten sie die Heimmannschaft vom Platz. Und Karim schoss unglaubliche 10 Tore. Es macht Spaß die alten Recken anzuschauen, geht mal wieder hin! Zum Kader gehörten: Kosche, R. Probst, Treppschuh, Quiring, Möhle, Stuff, Söhndel, Menz, Boden, Okeke, Appel, Benyamina, Schutt, Brunnemann.

Einige fragten sich, warum Heintz nicht zum Kader gegen Hertha gehörte? Nun Gründe in der Leistung zu suchen, wäre wohl unangebracht. Eher vermute ich, dass „alte“ Gerücht um Kaiserslautern wird allmählich zur Realität. Der User „ursalt“ aus dem Unionforum meinte, da läuft gerade wieder etwas. Ohne, dass er seine Quelle offenbarte. Das Lautern ihn als Abwehrchef haben möchte, ist ein offenes Geheimnis. Wir müssen uns sowieso entscheiden, ob wir als Backup mit Heintz oder van Drongelen in die Saison gehen. Beide zusammen – wäre einer zu viel. Mal schauen, ich vermute, es wird alles ganz schnell gehen…

9. August 2022: Bald mehr als 40.000 Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei?

Das Stadion an der Alten Försterei soll aufgestockt werden.
Das Stadion an der Alten Försterei soll aufgestockt werden.  © RONNY HARTMANN / AFP

Icke: Sind wir wirklich schon so gut? Was war das denn letzten Samstag? Man schaute das Spiel... und hatte ab der 1. Minute niemals das Gefühl, ein anderer als Union ginge als Sieger vom Platz. Für Unioner ein neues Gefühl 😉...

Im 2. Pflichtspiel der Saison merkte keiner, das mit Awoniyi und Prömel die zwei besten Schützen der letzten Saison weg sind. Mit Leite, Haberer und Siebatcheu standen 3 neue Spieler auf dem Platz. Und um es vorwegzunehmen, alle 3 machten ein sehr gutes Debüt. Jordan Siebatcheu schoss im 2. Pflichtspiel sein 2. Tor. Und was für eins! Ein Kopfball mit Hinlaufen und technisch auf höchstem Niveau. Den macht nicht jeder. Und auch sonst glänzte Jordan mit feinem Spielverständnis. Mit ihm haben wir uns auf der Mittelstürmer-Position verbessert! Leite spielte den linken Part in der 3-er-Kette, als wäre er schon Jahre im Team. Und speziell im Spielaufbau sah man, auch auf dieser Position konnten wir qualitativ zulegen. Und Haberer? Prömel zu ersetzen ist natürlich enorm schwer, nicht nur wegen seiner 8 Bundesliga-Tore als Mittelfeldspieler. Aber Haberer zeigte keine Demut. Eine feine Technik hat er bekannterweise sowieso. Nun zeigte er bei uns auch noch Attribute wie "Zug zum Tor" und Torgefährlichkeit. Wenn er jetzt noch einen Tick robuster wird, so lässt er Prömel gänzlich vergessen. Und in der Hinterhand haben wir noch Doekhi und Thorsby. Beides Kandidaten für die Stammelf. Besonders auf den baumlangen Norweger bin ich sehr gespannt. Er soll ein dauerlaufender Musterkämpfer mit Gardemaß in der Zentrale sein, der kaum einmal einen Zweikampf verliert.

Und Doekhi war - auch mit seinen jungen Jahren - schon der Abwehrchef - immerhin in Hollands erster Liga. Der Rest der Mannschaft ist eingespielt und hat unser System schon länger verinnerlicht. Kann da dieses Jahr noch mehr kommen als Platz 5? Ich möchte bei Union nichts mehr ausschließen, obwohl die Aufsteiger die 18er Runde noch attraktiver und qualitativ besser machten. Noch ein Wort zum Keeper. Auf den habe ich ganz besonders geachtet und mich enorm gefreut. Nach jahrelangem Hickhack als Stammkeeper oder auch nicht, auf Schalke, in Frankfurt und auch bei uns - ist er nun die klare Nummer 1 und rechtfertigt das mit einer ganz sicheren Ausstrahlung. Immer hat man das Gefühl, ihm zu vertrauen. Auch im modernen Fußballspiel, wo der Torwart mitkicken muss. Ich freue mich für Rönnow und auch für Union, mal wieder einen sicheren und sehr guten Keeper im Kasten zu haben. Ich hoffe, er reiht sich hier in die Riege der exzellenten Union-Keeper ein: Ignaczak, Weiß, Matthies, Kosche, Pieckenhagen... Rönnow?

Union bleibt Berlins Nummer eins: "Ich mag das Wort Stadtmeister"
1. FC Union Berlin Union bleibt Berlins Nummer eins: "Ich mag das Wort Stadtmeister"

Die nächsten 3 Pflichtspiele heißen: in Mainz, zu Hause gegen die Dosen und auf Schalke. Es gilt, unsere gute Frühform zu bestätigen. Und ich bin da wirklich sehr optimistisch. Natürlich müssen - vor allem wir alten Unioner - uns ab und an die Augen reiben und schauen, ob das was wir erleben - auch wirklich die Realität widerspiegelt. Das tut sie, zumindest aktuell und seit 3 Jahren schon. Auch vor dem Hertha-Spiel hätte ich diese "Einseitigkeit" nicht erwartet. Aber sie kam. Und wenn das der Lauf der Dinge ist, so müssen wir über etwas "Neues" nachdenken...

Auf 37.500 Zuschauer soll bei uns ausgebaut werden. Und das durch die Erhöhung der drei Stehplatztraversen. Bislang war das ohne die Erhöhung der Haupttribüne geplant. Aber genau die bräuchten wir wohl auch, wenn unsere Entwicklung nicht rückwärtsgeht. Und davon kann aktuell keiner ausgehen. Ganz im Gegenteil, bei weit über 40.000 Mitgliedern - wären 37.500 Zuschauerplätze schon vom Beginn an wieder zu wenig. Ergo, und ein paar Vögelchen haben es gezwitschert, wird derzeit darüber nachgedacht, auch die Haupttribüne aufzustocken. Rein technisch (also statisch) soll das möglich sein. Unsere Logen sind sowieso begehrt und ausverkauft. Und Sitzplätze werden wir bei weiterer Alterung unserer Fans immer mehr benötigen. Oder glaubt einer, bloß weil sie später mal 80 sind, kommen die Ratzes, Ickes, Don J.'s und Andre's nicht mehr zu Union? Das kann ich klar und deutlich beantworten. Wir kommen 🙂... eine, wie ich finde, kluge Überlegung ist es - gleich richtig auszubauen. Ein kleines Risko ist natürlich dabei, aber wenn nichts Großartiges schiefgeht, rechnet sich das bald und eine 3. Erweiterung, nach vielleicht weiteren 7, 8 Jahren, wäre finanzieller Unsinn und kaum zu erklären. Natürlich und das sage ich ganz deutlich, muss alles so geplant werden, dass wir auch in der 2. Liga (und mit weniger Einnahmen) alles bedienen können. Diese Prämisse ist undiskutierbar.

So und nun auf nach Mainz und mindestens 1 Punkt geholt 🙂... Eisern Icke

7. August 2022: Ein geiler Saisonauftakt, Stadtmeisterschaft inklusive!

Gute Stimmung in der Alten Försterei.
Gute Stimmung in der Alten Försterei.  © privat

Unionfux: Das war ein Auftaktspiel, weitestgehend, ohne Wenn und Aber! Wer nach der mühsamen Pokalpartie in Chemnitz Befürchtungen hatte, der sieht sie nach wenigen Minuten zerstreut, denn Union lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, wer der Favorit und Stadtmeister war und ist. Die erste Hälfte der Begegnung ist spielerisch äußerst ansehnlich, zumindest von Seiten unserer Mannschaft. Besonders Ryerson ist bestens aufgelegt und scheitert nur knapp an Keeper Christensen. Dann setzt Haberer Becker ein, der flankt butterweich, Jordan Siebatcheu läuft bilderbuchmäßig entgegen und köpft wie ein Goalgetter par excellence in die lange Ecke. Kurz darauf sieht Siebatcheu den besser postierten Ryerson und nur die Fußspitze des Herthatorwarts verhindert das 2:0. So bleibt der einzige Kritikpunkt zur Pause: wir müssen eigentlich höher führen. Vielleicht genau deswegen kommt die Mannschaft wie die sprichwörtliche Feuerwehr aus der Kabine und erspielt sich konsequent Chance um Chance. Bis wieder Haberer Becker mit einem tollen Aussenristlupfer einsetzt und der spitzelt den Ball technisch gekonnt an Christensen vorbei. Nur wenige Minuten später köpft Knoche eine Trimmelecke ein, plaziert, aber wahrscheinlich haltbar. Der Linienrichter sieht zwar eine Abseitsposition von Khedira, der aber weder im Abseits ist noch den Ball berührt, deswegen korrigiert der VAR die Entscheidung.

Die Alte Försterei brodelt fröhlich vor sich hin, das Wetter ist bestens, das Spiel nach einer knappen Stunde eigentlich gelaufen. Und nun komme ich nochmal zum „weitestgehend“ zurück: so ein wenig stellt Union in der letzten halben Stunde das Spielen ein (die letzte Großchance vergeigt der heute etwas unglückliche Haraguchi nach schönem Schnittstellenpass von Siebatcheu) und man lässt Hertha etwas gewähren, Zielstrebigkeit und Präzision leiden doch ein wenig darunter und so kommt die Tante doch noch zum unnötigen Ehrentreffer: nach einem Ballverlust im Mittelfeld zeigt Lukebakio seine durchaus vorhandene individuelle Klasse und klinkt gekonnt ins lange Eck ein, der tadellose Rönnow ist da ohne Abwehrmöglichkeit. Ja, und dann drückt Hertha doch noch ein wenig, aber zum Glück ist eben nicht alles Bernstein, was glänzt - und so geht der 1. FC Union als ebenso verdienter wie souveräner Sieger vom Platz, da ist sie immer noch, die Heimstärke und zum vierten Mal in Folge ist klar, wer der Stadtmeister ist, Punkt und aus. Siebatcheu zeigt, auch mit seinem mannschaftsdienlichen Spiel, dass er ein würdiger Nachfolger von Awoniyi sein wird, Haberer wusste zu gefallen, Becker war an zwei Toren beteiligt und Ryerson muss nochmal explizit erwähnt werden - nach seiner Auswechslung hat man ihn spürbar vermisst. Auch Diogo Leite feierte als Innenverteidiger ein vielversprechendes Debut - das macht schon jetzt Appetit auf mehr und da sind ja noch einige interessante Möglichkeiten in der Hinterhand wie zum Beispiel Morten Thorsby, den Norweger aus Genua. Läuferisch und kämpferisch gibt es ohnehin kaum jemals etwas auszusetzen, so ist es auch diesmal, das hat diese Truppe eben tief verinnerlicht.

Schön, dass die großen Krawalle ausblieben, abgesehen von ein bisschen Qualmerei auf beiden Seiten. Mag sein, dass die Hertha im Moment kein wirklicher Gegner ist, aber nichtsdestotrotz war das ein Saisoneinstieg nach Maß. Ja, und jetzt ist auch mein leichter Groll ob der Ansetzung verflogen (das letzte Stadtduell am ersten Spieltag in der Bundesliga war 1965/66 in München zwischen 1860 und Bayern, die Älteren unter uns werden sich lebhaft erinnern), Kunststück, und der Makel des sieglosen Auftakts in der Bundesliga ist auch en passant flöten, na bitte. So, die ersten drei Punkte der berühmten Vierzig (als erstes und wichtigstes Ziel) sind eingefahren, die Stadtmeisterschaft untermauert, die Laune ist angenehm blendend, das kann gern so weitergehen und noch besser werden. Und, da bin ich mir nicht erst seit heute sicher, es wird, auch und gerade spielerisch. Danke an Urs Fischer und die Mannschaft - und siehste, Hertha, so wird das gemacht…

5. August 2022: Das einzige echte Derby der Bundesliga!

Unio siegte zuletzt immer deutlich gegen die Hertha.
Unio siegte zuletzt immer deutlich gegen die Hertha.  © Sören Stache/dpa

Unionfux: Zunächst einmal: es gibt am Samstag zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC, wie in jedem anderen Bundesligaspiel nur drei Punkte für einen Sieg. Tatsächlich ist die Bedeutung des einzigen Stadtderbys der Bundesliga jedoch viel höher. Denn jeder Sieg unserer Mannschaft ist eine weitere Manifestierung der Wachablösung in Berlin: der selbsternannte Big City Club ist mittlerweile nicht mehr die Nummer eins der Stadt - auch wenn sie das noch ganz fest glauben, weil man sich ja die letzten dreißig Jahre so daran gewöhnt hat und ohnehin etwas schwerfällig im Umdenken ist. Doch die gewaltige Windhorstkohle ist längst verdummt, die Möglichkeiten ziemlich geschrumpft: jüngst war man sich mit dem französischen Stürmer Ajorque schon einig, hatte aber die geforderten zehn Millionen Ablöse nicht parat - vor nicht allzulanger Zeit waren das noch Peanuts, da waren selbst sieben Millionen für einen Durchschnittskicker wie Eduard Löwen kein Problem - Löwen ging gerade für eine Million in die MLS, nur eins von vielen Beispielen.

Die Fehlerliste der letzten Jahre im Westend ist gewaltig, die Fehlerliste in Köpenick hingegen zu vernachlässigen - genau das ist der Grund, warum Union die Hertha überrunden konnte. So sind wir tatsächlich (wieder einmal) Favorit an diesem ersten Spieltag der Bundesliga. Der Einstieg in die Saison war für beide Mannschaften ja eher holprig - nichtsdestotrotz sind nur wir in Pokalrunde zwei. Uns schmeckt diese Favoritenrolle eigentlich nicht - erst recht nicht, wenn der Gegner uns das Spiel überlässt. Insofern hoffe ich darauf, dass die Blau-Weißen mitspielen wollen und sich kein Unentschieden ermauern wollen. Keine der beiden Mannschaften weiß zwar so ganz genau, wo sie steht und ich bin mal gespannt, wieviel Neuzugänge auf unserer Seite tatsächlich letztlich auf dem Platz stehen oder eingewechselt werden, aber das ist ja die Crux an jedem ersten Spieltag. Warum die DFL das einzige echte Derby der Bundesliga ausgerechnet auf diesen Termin gelegt hat, das werden sie uns wohl kaum verraten - dabei ist es ganz einfach: ist es ohne Absicht, dann ist es ein bisschen dämlich, mit Absicht hingegen ein wenig gemein. Nun, wir sind ja Kummer diesbezüglich gewohnt.

Ich rechne fest (so fest man mit sowas eben rechnen kann) mit einem Heimsieg, nicht nur in Anbetracht unserer Heimstärke sehen uns auch die Wettbüros deutlich vorn, 1,75 gibt's für einen Unionsieg, 4,70 für einen Herthaerfolg. Zum Glück wird das Wetter erträglich, ein Stadtduell bei 37 Grad wäre doch etwas zu heiß geworden. Freuen wir uns auf die neue Saison, wir haben allen Grund dazu. Die zwei schmerzlichen Verluste (Prömel und Awoniyi) sind, denke ich, mehr als kompensiert worden, denn unser Kader besitzt diesmal eine Breite, die ich in meinen 43 Jahren als Unioner so noch nicht gesehen habe. Natürlich wird das keine leichte Saison (das wird es ja nie in der Bundesliga), aber wir sind ziemlich gut gerüstet für den nächsten Schritt. Trotz der vielen Neuzugänge ist es kein Riesenumbruch und das Wichtigste ist: Urs Fischer steht weiterhin an der Seitenlinie. Aber erstmal: viel Spaß uns allen in einem hoffentlich friedlichen Derby und natürlich das bessere Ende für uns!

3. August 2022: Försterei oder Oly?

Für die Conference League gastierte Union schon im Olympiastadion.
Für die Conference League gastierte Union schon im Olympiastadion.  © Matthias Koch/dpa

Icke: Mittelgroße Diskussion bei Union. Ziemlich überraschend kam der Vorstoß der UEFA, nach langer Zeit wieder Stehplätze bei internationalen Spielen zuzulassen. Und das - wie es gerade aussieht - schon ab sofort. Es steht nur noch die Abstimmung der UEFA aus. Das wird in den nächsten Tagen erfolgen. Sehr schnell positionierte sich unser Verein, dann natürlich bei uns spielen zu wollen. Ich möchte das eigentlich auch, aber... ins Olympiastadion passen 74.000, bei uns 22.000. Das sind mal eben 52.000 mehr! Und das ist ein schlagkräftiges Argument, wie ich es sehe. Natürlich haben wir eine andere Atmosphäre in Köpenick. Natürlich können wir hier an guten Tagen, fast jeden schlagen. Aber so schlecht waren unsere internationalen Auftritte in der Vorsaison im Olympiastadion auch nicht. Wir konnten mit der roten Ausstrahlung, vor allem aber mit unseren Fans, eine durchaus coole Stimmung verbreiten. Wir Unioner haben aktuell - und nicht erst seit heute - immer schon das Problem, eine Karte zu bekommen. Und möchte ich dann meine Partnerin (die inzwischen auch ne Union-Macke hat) mitnehmen, brauche ich zwei Karten. Zwei zusammenhängende Karten im Losverfahren? Wie soll das gehen.

Und ich bin ja nicht der einzige Unioner mit diesem Problem. Tausende Leidensgefährten stehen da neben mir und möchten vielleicht auch mal Frau oder Kinder mitnehmen. Und so schnell ändert sich das auch nicht. Bis der Ausbau steht, vergehen noch zwei Jahre. Deshalb ist meine Meinung hierzu eine andere. Genau aus diesem Grund, würde ich gern die internationalen Spiele, bis unser Stadionausbau steht, im Olympiastadion austragen. Einfach um allen Unionern eine Chance zu geben, die Spiele zu sehen. Aber auch, um das Erlebnis "Union" mal wieder ausleben zu können, wie früher... das heißt, mit mehreren Freunden, Kumpels, Frauen oder Kindern mal wieder gemeinsam ins Stadion zu gehen. Und das bei Europapokalspielen!

Schade, dass der Verein so schnell und holterdiepolter die Entscheidung "Köpenick" traf. Ich bin sicher, hier herrschen viele konverse Meinungen. Ich würde es sehr befürworten - bei diesem Thema - eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen. Mein Bauchgefühl sagt mir nämlich, eine Mehrheit bei uns möchte die Spiele (auch) sehen! Das wir nach dem Stadionausbau wieder alle Spiele bei uns spielen, muss nicht weiter erwähnt werden. Noch zwei eher kleinere Argumente dafür. Unsere Einnahmen würden sich bei den Heimspielen natürlich verbessern und wir hätten auch die Chance, neue Fans gewinnen zu können. Vielleicht denken wir aus Gründen der Fairness darüber noch einmal nach. Eisern Icke

2. August 2022: Ups, noch mal Glück gehabt!

Icke: Da haben wir uns in der Stadt mit den drei O nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Egal, wir sind weiter im Pokal und basta. Schaut man sich einmal an, wie oft wir früher ganz knapp rausgeflogen sind, dann sehe ich das als ausgleichende Gerechtigkeit im weitesten Sinne der vielen Jahre. Oder denken wir an das Pokalfinale gegen Schalke. Zweimal Holz in der 1. Halbzeit. Das Spiel hätte auch ganz anders laufen können. Wir waren nämlich nicht eine Mü schlechter als die Knappen. Ergo - kein schlechtes Gewissen. Chemnitz sollte mit diesem Team ganz oben mitspielen können.

Von den Neuen haben die vermuteten Stammspieler Doekhi, Leite und Thorsby noch nicht gespielt. Natürlich müssen wir uns auch noch ein paar Überraschungen für die Hertha aufheben. Und Fischer überraschte auch mal wieder mit den offensiven Einwechslern. Man hätte vermuten wollen, Leweling und Michel wären die ersten Stürmer, die eingewechselt werden. Nö, Fischer hielt es mit dem konservativ Bewährten, Voglsammer und Behrens kamen und Behrens traf. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Und die Hertha? Ach Gott, es geht so weiter wie letztes Jahr. Natürlich hatten sie im Elferschießen auch Pech. Wenn's mal nicht läuft, dann haste halt auch noch ne Portion Pech. Aber ich bin mir sicher, wir werden am Samstag nicht nur eine andere Union-Mannschaft sehen, sondern auch andere Charlottenburger. Wahrscheinlich wird sich noch nicht einmal die Startelf großartig ändern. Obwohl ich Tousart im Mittelfeld und Piatek oder Jovetic im Sturm erwarte. Und am Ende? Gewinnt Union 🙂 - obwohl es diesmal wohl knapp wird. Oder ganz andere Variante, Siebatcheu zeigt, dass seine bisher guten Ansätze zum Volltreffer reifen. Mit zum Beispiel einem Dreierpack im Derby könnte er sich gleich am ersten Spieltag zur Legende schießen. Zuzutrauen wäre es ihm durchaus. Ende des letzten Jahres schoss er zum Beispiel gegen Lugano in der Meisterschaft 4 Tore ganz allein. Eisern Icke

1. August 2022: Knapp, verdient, nicht besonders

Das Tor zum 2:1 fiel erst in der Verlängerung.
Das Tor zum 2:1 fiel erst in der Verlängerung.  © Harry Haertel

Unionfux: Holy McMoly, Herr im Himmel, Jesus, Maria und Joseph! Das war eine wirklich schwere Geburt, knapp an der Blamage vorbei, gegen einen sehr wackeren Gegner gewinnen wir in der Verlängerung mit 2:1. Unsere klar bessere individuelle Klasse konnten wir nicht entscheidend einsetzen, wobei der starke Jakubov einige Male groß hielt (Knoche, Schäfer, Ryerson) und Glück hatte, dass Trimmels Schuss am Pfosten landete. Natürlich machte der Underdog seine einzige Chance zur Führung, glücklicherweise gelang dem auffallend fleißigen Siebatcheu, nach Vorlage des eingewechselten Voglsammer, der sofortige Ausgleich, schon ein ziemlich cooles Tor, technisch anspruchsvoll, ein halber Fallrückzieher über den gegnerischen Keeper. Die letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit drückten wir auf den Siegtreffer, aber in der Verlängerung war's lange Zeit eher übersichtlich, ehe eine der vielen Ecken herhalten musste: Behrens köpfte eine Trimmelecke nach Behrensart, mit Wucht, ein.

Und das hat dann gereicht, gerade so, muss man sagen. Wenn man neutral wäre, hätte einem der kleine Verein schon leid getan, aber es genügte auch, eher kleinlaut zu jubeln…

Olli Ruhnert war dann schon ziemlich angefressen im Interview, vielleicht war's aber auch der Schreckschuss zur rechten Zeit - obwohl ich nicht finde, dass wir das zu lässig angegangen sind. Uns fehlte einfach zu oft die Präzision, zu selten ging man in das eins gegen eins, strahlte zu wenig Torgefahr aus und wenn, war Jakubov auf dem Posten - gegen den wäre ich wirklich ungern ins Elfmeterschießen gekommen - es ist letztlich gut gegangen, aber gut war's nicht wirklich. Chemnitz hat einen großen Kampf geliefert und sich nicht nur hinten reingestellt, aber wir tun uns eben schwer, wenn wir die Initiative haben, das Spiel machen müssen.

Der Pokal und seine eigenen Gesetze hin oder her: das muss man besser lösen. Hier spielte Regionalliga gegen Bundesliga, Liga vier gegen Liga eins - und das war ja auch keine uneingespielte Mannschaft auf unserer Seite: im Grunde spielte Siebatcheu für Awoniyi und Haberer für Prömel und der Rest war alteingesessen. Später kam noch Pantovic, aber das war’s schon in Sachen Neuzugänge: Doekhi und Leweling blieben auf der Bank, Grill blieb Ersatztorwart, Thorsby, Leite, Skarke und Seguin standen nicht mal im Aufgebot.

Es wäre ein Fehler, aus der ersten Pokalrunde allzu viel rauslesen zu wollen, jedes Spiel ist neu und anders. Aber da muss schon wesentlich mehr kommen - und wie ich Urs Fischer und unsere Truppe kenne, kommt da auch wesentlich mehr. Trotzdem bleibt da der Wunsch nach einem Zehner, nach einem Spielmacher, auch wenn ich, obwohl die Zehn weiterhin unbesetzt ist (wo ist das wohl noch so??), nicht (mehr) so recht dran glaube - aber es ist ja schon noch etwas Zeit (und auch noch Geld da) für einen überraschenden Transfer.

Ansonsten durchatmen, analysieren und regenerieren, die erste Pflichtaufgabe ist erfüllt, es kommen viele weitere, die nächste Pflichtaufgabe ist am Samstag in der Alten Försterei die Verteidigung der Stadtmeisterschaft und die ersten drei Heimpunkte!

29. Juli 2022: Es weihnachtet sehr!

Stehplätze (wie bei Union Berlin) sollen in europäischen Wettbewerben testweise wieder ermöglicht werden.
Stehplätze (wie bei Union Berlin) sollen in europäischen Wettbewerben testweise wieder ermöglicht werden.  © RONNY HARTMANN / AFP

Unionfux: „Ja, is denn heut scho Weihnachten?“, brubbelte einst in den Neunzigern der Kaiser Franz B. erstaunt in der Werbung eines Mobilfunkanbieters. Und der gleiche Satz entfuhr mir jüngst: denn es geschehen noch Zeichen und Wunder! Die sonst so starrköpfige und ebenso uneinsichtige wie fanabgewandte UEFA gestattet, zumindest als „Pilotprojekt" 2022/23, wieder Stehplätze für die europäischen Klubwettbewerbe!! Und damit können doch die Heimspiele in der EuropaLeague tatsächlich zu Hause stattfinden: in der Alten Försterei! Und nicht im fremden Olympiadingsbums! Und warum ist Dirk Zingler so absolut dafür, obwohl man nur 30% der Zuschauerauslastung bieten kann - d. h. so viele müssten draußen bleiben?Weil die Alte Försterei d i e Chance ist, in der EuropaLeague was zu reißen!! Denn in unserer Festung können wir buchstäblich jeden schlagen, das weiß der Präsident, das wissen im Grunde alle. Dass der Heimvorteil letztlich wertvoller ist als die mögliche höhere Zuschaueranzahl, das muss man realistisch akzeptieren. Und nachdem wir seinerzeit gar nicht erst antreten durften, dann in den Jahntierpark ausweichen mussten und letztes Jahr eben ins Oly, kommt jetzt Europa endlich zu uns nach Hause, nach Köpenick. Und da ist fast jedes noch so schmerzhaftes Opfer recht. Ich für meinen Teil sehe lieber ein Spiel in der Alten Försterei als drei in der Riesenschüssel von der Tante. Auf jeden Fall ist das historisch und ein Traum ist es sowieso. Und wie selten werden die schon wahr…

Und Weihnachten II: es geht wieder los! Nur noch achtmal schlafen und es wird ernst - das Derby steht vor der Tür! Nun muss man sich fragen, welche Blitzbirnen da bei der DFL am Werke sind, das einzige echte Derby der Bundesliga ausgerechnet auf den ersten Spieltag zu legen - aber sei’s drum, wir sind nun mal nicht die Lieblinge der Verantwortlichen, die zumindest unglückliche Ansetzung ist ein weiteres Indiz.Insgesamt sehe ich uns ganz klar stärker als letzte Saison, wir haben zwar zwei unbedingte Stammkräfte verloren, aber doch einige potentielle Startelfspieler dazugewonnen (und andere wie Knoche und Becker halten können!).

Da ist vielleicht (noch) nicht der Überflieger dabei, aber Namen wie Siebatcheu, Leite, Thorsby, Doekhi, Leweling und Haberer sind schon eine klare Ansage. Der eine ist immerhin Torschützenkönig in der Schweiz, der andere gilt als großes Verteidigertalent, der dritte ist jahrelanger Stammspieler in der Serie A, ebenso der vierte in der Eredivisie, der fünfte ist die U21-Stürmerhoffnung mit jeder Menge Luft nach oben, der sechste ein erfahrener Bundesligaspieler. Und die vier anderen Neuzugänge sind ebenso nicht ohne - egal wie die Startelf aussieht, die Bank macht auch mächtig Wind und sorgt für echte Alternativen.Konsequent arbeitet der unfassbare Oliver Ruhnert daran, die wichtigen nächsten Schritte zu machen, um uns in der Bundesliga zu zementieren - und dabei trotzdem die (Gehalts)Grenzen nicht zu überschreiten. Ich behaupte mal, es gibt in der Liga keinen so starken Kader für ein so übersichtliches Budget! Die Quadratur des Kreises, zum wiederholten Mal, weiter verbessert, nach oben geschraubt. Einzig die Größe gilt es zu moderieren, aber das beherrscht Urs Fischer ja durchaus. Platz fünf zu wiederholen wird wohl schwer, aber einstellig dürften wir dennoch bleiben und das wäre immer noch sensationell.

Trotzdem: ist es nun Zufall oder Absicht, dass die ominöse Zehn im Kader weiterhin unbesetzt ist? Noch ist ja ein guter Monat Zeit und ein echter Spielmacher wäre schon schön, wenn auch kein Muss. In Olli we trust! Das Derby ist auf jeden Fall ein heftiger Auftakt, spätestens da gilt’s. Ohne vorher das Pokalspiel in Chemnitz zu unterschätzen - ein Viertligist darf einfach keine echte Hürde darstellen, sondern ist eher ein willkommener Sparringspartner. Soviel Selbstbewusstsein muss ein Erstligist schon ausstrahlen, das hat mit Arroganz nichts zu tun. Und dass dann am 6. August im Derby noch nicht alles eingespielt sein wird, das liegt wohl in der Natur in der Sache. Ist beim Gegner aber nicht anders. Die größere Qualität liegt jedoch bei uns - holla, was für ein Satz im erst vierten Jahr in einer der besten Ligen der Welt! Die Stadtmeisterschaft muss und kann verteidigt werden, wir sind der unbestrittene Favorit. Cool...

Doch nun erstmal zur Pflichtaufgabe in Chemnitz. Wird vielleicht zäh, aber im Grunde das geeignete Aufwärmprogramm, Luft holen für die nächste legendäre Saison! Ick springe vor Freude und Aufregung im Dreieck!! Weihnachten und Ostern in einer Woche!

26. Juli 2022: Fertig machen zum Bundesliga ärgern!

Die Fans können den Start der neuen Saison kaum erwarten.
Die Fans können den Start der neuen Saison kaum erwarten.  © Picture Point / Gabor Krieg

Icke: Jetzt gehts los. Am 1.8. ist die 1. Pokalrunde in Chemnitz und am 6.8. das erste Bundesligaspiel zu Hause gegen Hertha. Gleich zwei Spiele zum "Hellwachsein"! Im Pokal möchten wir gern eine Runde weiterkommen und gegen Hertha... muss man nichts zu sagen. Aber Vorsicht, für die Chemnitzer ist es das Spiel des Jahres. Auch als Viertligist rechnen sich die Sachsen etwas aus. Ihren Top-Keeper Jakubow konnten sie halten und Brügmann trifft konstant fast in jedem 2.Spiel. Haben die zwei einen guten Tag, so können sie das ausverkaufte Haus und ihr Team mitreißen.

Hertha hat wohl immer noch mit sich selbst zu tun. Plattenhardt ist jetzt der neue Kapitän. Das zeigt aber auch auf, dass Hertha auf Boyata nicht mehr setzt. Ja sie möchten ihn sogar verkaufen. Nicht bekannt ist bislang, was Boyata selbst dazu meint. Meine Meinung dazu ist völlig anders. Für mich gehörte Boyata immer zu den besseren Verteidigern bei Hertha. Auch im Vorwärtsspiel. Aber was weiß ich denn schon... weitere Transfers geraten ins Stocken, weil Hertha keine Spieler verkauft bekommt. Selbst Ascacibar musste zuletzt verliehen werden, eben weil keiner Herthas geforderte Ablösen bezahlen möchte. Dafür lieh man gerade Sunjic aus. Ob der wirklich besser ist, wage ich zu bezweifeln. Herthas Kader ist noch aufgeblähter, als unser Kader.

Wie starten wir? Ich mutmaße mal so:

Rönnow
Doekhi - Knoche - Leite
Trimmel - Khedira - Gießelmann
Haberer - Thorsby
Becker - Siebatcheu

Und Hertha? Die vermute ich so:

Jarstein
Pekarik - Uremovic - Kempf - Plattenhardt
Serdar - Tousart - Boateng
Lukebakio - Jovetic - Ejuke

Unions Ziel für diese Saison ist mal wieder der Klassenerhalt. Mehr wird man aus Köpenick nicht hören. Nicht bevor wir 40 Punkte haben. Punkte sammeln und den einen oder anderen etablierten Bundesligisten ärgern. Wenn wir uns dann noch international achtbar schlagen, dann ist alles prima! Das Big-City-Team hat natürlich deutlich höhere Ansprüche. In der Fan-Szene gehts - zum Glück nur teilweise - nur noch um die Höhe des Sieges bei Union. Lernen die denn nie dazu?

Eiserne Grüße und wir machen dit wie imma 🙂!

18. Juli 2022: Nun kommt auch noch Thorsby

Der Norweger Morten Thorsby stand bei Sampdoria unter Vertrag.
Der Norweger Morten Thorsby stand bei Sampdoria unter Vertrag.  © Christine OLSSON / TT NEWS AGENCY / AFP

Icke: Der Norweger Morten Thorsby kommt von Sampdoria. Ca. 3,8 Mio. Ablöse (einige sagen 3 Mio. Basis plus 1 Mio. optional) zahlt Union an die Italiener. Ein Schnäppchen, bei einem Marktwert von 7 Mio. Euro. 38 Pflichtspiele hat der 26-Jährige in der letzten Saison gemacht, er war unangefochtener Stammspieler im zentralen Mittelfeld. Und Sampdoria ist ja nicht irgendwer! Meine Vermutung lag gar nicht so daneben. Wir ersetzen Awoniyi nicht 1:1, sondern in dem wir auf mehreren Positionen die Qualität anheben. So holten wir für die Innenverteidigung mit Leite und Doekhi zwei Top-Leute mit Stammplatzanspruch und verlängerten mit Baumgartl und Knoche. Aus meiner Sicht haben nur Bayern und Dortmund eine noch bessere Innenverteidigung. Und hinter den vier stehen ja auch noch Jaeckel und Heintz. Im Sturm holten wir Siebatcheu und Leweling. Dazu hat Becker verlängert und Michel lauert auch auf seine Chance. Auch hier sind wir - vor allem in der Breite - besser geworden. Und jetzt nimmt sich Ruhnert noch das Mittelfeld vor. Seguin, Haberer und Pantovic hat er sehr früh dazu geholt. Und jetzt eben auch noch Thorsby. Das ist ein klarer Hinweis auf die "alte neue Taktik". Wir haben jetzt so viele zentrale Mittelfeldspieler, dass hier eigentlich nur das System aus dem Vorjahr bleibt, um diese vielen zentralen Spieler "unterzubringen". Die erste Reihe wird wohl Haberer-Khedira-Thorsby heißen. Die zweite Reihe Haraguchi-Seguin-Schäfer. Und Pantovic wäre dann nur noch die Nr. 7. Möhwald, Öztunali und Schneider sind da völlig chancenlos und werden wohl gehen. Zurück zu Thorsby, er ist im besten Fußballalter, kämpferisch gut dabei, hat aber auch eine feine Technik. Mit seinen 1,89 Meter passt er auch gut in das Fischersche Beute-Schema - sehr gern große Spieler zu holen. Erinnert ein bisschen an Otto Rehagel. Große Spieler erhöhen eben die Wahrscheinlichkeit den einen oder anderen Zweikampf - als auch Kopfball - mehr zu gewinnen. Thorsby hat bisher 15 Länderspiele für Norwegen gemacht. Er kann dann zukünftig, zusammen mit Ryerson, zur Nationalmannschaft fahren. Thorsby ist auch dafür bekannt - gute Kopfbälle zu können und viele Kilometer abzuspulen. Der passt zu uns, da bin ich sicher. Nun aber muss unser Kader noch etwas ausgedünnt werden. Wir haben auf allen Feldspieler-Positionen zu viele Spieler. Das Team sollte jetzt komplett sein. Noch mehr Zugänge erwarte ich jetzt nicht.

In der letzten Woche war ich zu einem Gespräch An der Alten Försterei. Schönes Wetter, Mittagszeit und es duftete nach gegrillten Steaks und Würsten. Die Mitarbeiter saßen an den urigen Holztischen und genossen Ihr Gegrilltes. Das wurde serviert mit frischem und knackigem Gemüse. Was ging mir durch den Kopf? Den "Mädels und den Jungs", die hier arbeiten, den geht es wohl ganz gut. Das hat nicht jeder Arbeitnehmer, im Grünen beim Lieblingsclub und mit leckerem vom Grill versorgt. Dazu schönes Wetter. Die Welt kann auch ganz in Ordnung sein.