Union-Berlin-Blog: Gegen alle Widrigkeiten - erstes Endspiel gewonnen!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Die Autoren:

Beecke (Christian Beeck, 50), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union, lebt heute an der Küste, hat 2 Kinder und arbeitet als Geschäftsführer bei Energy World.

Icke (Jürgen Heinemann, 58) ist seit 1975 Unioner, als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig, stammt ursprünglich aus der IT-Branche, ist verheiratet, hat 1 erwachsenes Kind, lebt heute in Grünheide - im Speckgürtel Berlins und arbeitet bei Tag24.

Unionfux (Tobias Saalfeld, 54) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

7. Oktober 2022: Gegen alle Widrigkeiten: erstes Endspiel gewonnen!

Sieg trotz Unterzahl: Die Eisernen feiern einen wichtigen Sieg in Malmö.
Sieg trotz Unterzahl: Die Eisernen feiern einen wichtigen Sieg in Malmö.  © Johan Nilsson/Tt/TT News Agency/dpa

Unionfux: Eins war klar: In Malmö müssen wir gewinnen, wenn wir weiterhin eine Chance auf die ersten beiden Plätze in der Europa League haben wollen und das hat, gegen alle Widrigkeiten, auch geklappt. In Bestbesetzung angetreten, ist es eine eher verhaltene erste Hälfte von uns wie auch der Schweden, mit wenigen Tormöglichkeiten hier und da - bis Andras Schäfer kurz vor der Pause ein unforced error unterläuft: Er will sich einen Querpass zurechtlegen, dabei springt dem so technisch starken Ungarn der Ball an die Hacke. Darauf hat der schwedische Däne Christiansen spekuliert und kann allein aufs Tor zulaufen. Schäfer wählt das taktische Foul - und sieht logischerweise Rot.

Mit zehn Mann in Hälfte zwei wird es nicht leichter, Rönnow hält einmal glänzend, abermals ist es Christiansen - und dann wird das Spiel unterbrochen, weil Pyrotechnik aufs Feld fliegt, ein wenig unklar, woher: Malmö, Union, neutral - es gibt wohl verschiedene Beteiligungen am knallenden Geschehen und offenbar nicht nur vonseiten der Unioner und Malmöer.

Dirk Zingler spricht nach dem Spiel von "Gästen, die man sich eingeladen und nicht im Griff hat" - und meint offenbar beide Fanlagern... Wie auch immer, der türkische Schiedsrichter unterbricht das Spiel, die Mannschaften gehen schließlich vom Feld, es vergeht eine halbe Stunde und zwischenzeitlich weiß keiner, ob noch weitergespielt wird. Ganz ehrlich: Bei aller Ablehnung solcher Dinge, einen Spielabbruch hätte ich doch etwas übertrieben gefunden, zumal man solchen Leuten auch nicht nachgeben und ihnen solche "Macht" zubilligen sollte - und glücklicherweise geht das Spiel dann auch weiter.

Union-Spiel unterbrochen! Berliner Fans sorgen in Europa League für Chaos
1. FC Union Berlin Union-Spiel unterbrochen! Berliner Fans sorgen in Europa League für Chaos

Jetzt fragt sich nur, wer das ganze nervenaufreibende Geschehen besser weggesteckt hat. Und das sind wir - Knoche fängt einen Ball vorm eigenen Strafraum ab und spielt einen perfekten Pass in den Lauf von Becker, der nicht im Abseits ist, weil in der eigenen Hälfte gestartet und dann kommt ein typischer Sheraldo: Sauschnell hängt er den Verteidiger ab, zieht in den Strafraum und schließt von rechts, aus relativ spitzem Winkel, unnachahmlich und selbstbewußt ab und der Ball knallt ins lange Eck. Die kann er, das hat er schon gezeigt gegen die Tante und in Freiburg, ein großartiger Treffer in Punkto Präzision und Schusstechnik.

Beinahe legen wir sogar noch nach, zwei Minuten später durch Haberer - aber dann ziehen wir uns ziemlich konsequent zurück und machen die letzten gut zwanzig Minuten dicht, verteidigen alles weg, lassen im Grunde keine Chancen des Gegners mehr zu, sondern haben noch eine gute Gelegenheit durch Becker und bringen den Sieg letztlich ziemlich ungefährdet nach Hause. Wieder mal konnte Becker den Unterschied machen, wir spielen zu null und nachdem uns gegen St. Gilloise (die am Abend noch bei Sporting gewinnen) und eben in Braga ein wenig das vielbeschworene Matchglück fehlte - hier haben wir’s gehabt, trotz Platzverweis, trotz Spielunterbrechung.

Abgesehen vom unwiderstehlichen Siegtreffer bestimmt kein fussballerischer Leckerbissen, aber das ist zu zehnt auch einfach nicht drin - sondern leidenschaftlicher Kampf, taktische Disziplin und Effizienz. Und das ist ja nun mal unsere Spezialität. Und wir sind wieder im Spiel in der Gruppe D! Gut, dass sich die Jungs belohnt haben - die drei Punkte sind für die Tabelle gut und für die Psyche, die wird bei der Ochsentour bis Mitte November nämlich eine gewichtige Rolle spielen. Dass der wichtige und verdiente Sieg einen seltsamen Beigeschmack hat, ist ebenso unnötig wie doof.

Hoffentlich gibt es im Rückspiel in einer Woche keine diesbezügliche Wiederholung und hoffentlich halten sich die Strafen der UEFA in Grenzen… Ein bisschen dürfen wir uns aber schon freuen, dann geht's am Sonntagabend gegen den kriselnden VfB schon weiter. Nachdem wir zuletzt zweimal in der Nachspielzeit den Sieg dort aus der Hand gaben, sollten wir den Bock dort mal endgültig umstoßen, es wird Zeit - und es gibt ja immer noch eine Tabellenspitze zu verteidigen. Durchatmen, regenerieren und dann auf nach Stuttgart!

4. Oktober 2022: Luft holen: erst Schweden, dann Schwaben!

Unionfux: Nein, natürlich ist die Niederlage bei Eintracht Frankfurt kein Beinbruch, wir sind es nur, zumindest in der Liga, einfach nicht mehr gewohnt. Und es war ja auch keine Klatsche (frag mal nach in Gladbach!), sondern eine ganz normale Auswärtsniederlage bei einer der besseren Bundesligamannschaften. Und die Erklärung ist ziemlich einfach: Frankfurt hatte einen ihrer guten Tage erwischt und wir eben einen eher schlechten und aus dieser Diskrepanz verliert man dann mal. Dazu kommt, dass Julian Ryerson und Robin Knoche nicht spielen konnten und dass sie fehlten, konnte man deutlich sehen: uns fehlte etwas der Biss und die Wachheit in den Zweikämpfen und daraus resultierte gegen die schnellen und entschlossenen Frankfurter eine gewisse Unordnung: solche Tore wie gegen die Eintracht kassieren wir doch höchst selten. Manche Spieler sind eben nicht so einfach zu ersetzen, ganz gleich, wie groß der Kader ist.

So hatten wir eine Innenverteidigung, die so noch nie zusammengespielt hat: Diogo Leite wirkte nicht so sicher wie sonst, Baumgartl ist (auch nach eigener Aussage) noch nicht bei 100% und Jaeckel leistete sich einen seiner (zum Glück selten gewordenen) Aussetzer. Ich halte ihn für einen sehr guten Verteidiger, aber die muss er in den Griff bekommen - für mich war das unnötige zweite Tor, zumal kurz vor der Pause, der Knackpunkt des Spiels. Frankfurt wusste damit, dass sie nicht zwingend nachlegen müssen und konnten sich aufs Verwalten konzentrieren, selbst der Platzverweis stellte da kein wirkliches Problem mehr dar. Und wir haben nun mal, wie beinahe jede Mannschaft, ein Problem, in der Enge einer massierten Abwehr Torchancen zu kreieren. Die wirklich gefährlichen Momente entstanden nicht zufällig durch Schüsse außerhalb des Strafraums, durch Haberer und den eingewechselten Skarke, der sowas wie einen Lichtblick in unserem durchwachsenen Spiel darstellte, aber auch Trapp war ziemlich gut drauf...Erstaunlicherweise sind wir trotzdem immer noch Tabellenführer, auch wenn das weiterhin eine Momentaufnahme bleibt, schön sieht’s ja trotzdem aus. Ich bin mir zudem sicher, dass wir am Sonntag Abend in Stuttgart anders auftreten - der VfB ist noch ohne Sieg und das dürfte auch so bleiben.

Davor aber fahren wir nach Malmö, die ersten Punkte in der EuroLeague sollen eingefahren werden, eigentlich müssen wir gewinnen, wenn wir noch eine realistische Chance haben wollen auf Platz zwei. Die Schweden sind (wie schon St. Gilloise und Braga) ein bisschen schwer einzuschätzen, am Wochenende spielte man zu Hause gegen Hammarby nur 0:0, die Saison läuft zwar nicht so schlecht, aber die Meisterschaft dürfte wohl, sechs Spieltage vor Schluss, kaum noch zu verteidigen sein. Also, hier kommt unser erstes Endspiel in der EuroLeague und genauso sollten wir es angehen - auf geht’s!

2. Oktober 2022: 6 1/2 Monate ohne Bundesliga-Niederlage

Union Berlin hat am Samstag in Frankfurt die erste Bundesliga-Niederlage seit Mitte März kassiert.
Union Berlin hat am Samstag in Frankfurt die erste Bundesliga-Niederlage seit Mitte März kassiert.  © Arne Dedert/dpa

Icke: Nun hat es uns auch mal wieder erwischt. Seit Mitte März dieses Jahres ist es die erste Niederlage in der Bundesliga. Das verschmerzen wir. Zumal Union ja weiter auf Platz 1 steht. Das ist schon verrückt.

Der Frankfurter Sieg ging völlig in Ordnung. Wir fanden nie in unser Spiel. Dabei war die erste Halbzeit noch schlechter, als die 2.Halbzeit. Konzentrationsfehler, Abspielfehler und ungeordnetes Forechecking sind alles Dinge, die wir sonst kaum kennen.

Aber Frankfurt war auch stark. Enorm stark. Ihre Tore ein Genuss. Was da ihr Angriffstrio (Lindström vor allem, aber auch Götze und Muani) für einen Wirbel veranstalteten, war schon enorm. Dazu die Tempoläufe von Knauff und Kamada. Da hatten wir am Samstag nur wenig entgegenzusetzen. Spielt der Götze so weiter, hat er wohl wirklich noch eine Chance auf den WM-Zug mit aufzuspringen.

Und selbst als wir die letzten 25 Minuten in Überzahl spielten, änderte sich nichts. Nun kommen für alle die Knaller Wochen und für uns - mit dem Europacup - ganz besonders. Am 6.10. treten wir in Malmö an, drei Tage später in Stuttgart und weitere vier Tage später empfangen wir Malmö zu Hause. Und das geht dann immer so weiter. Drei oder vier Tage frei und und es kommt gleich das nächste Spiel. Wer diesen Zyklus schadlos übersteht, herzlichen Glückwunsch.

Ich denke aber, wir schaffen das. Warum? Weil bei uns die ersten 17, 18 Spieler (fast) auf dem gleichen Niveau agieren können. Das ist zwar bei vielen anderen Bundesligisten auch so, mitnichten aber bei allen. Der Einzige übrigens, der in Frankfurt seine gute Normalform erreichte, war der Ex-Frankfurter Rönnow. Er wird immer mehr zum Fixpunkt unserer Defensive. Absolut zuverlässig und sehr gut mitspielend.

Am 14.11. findet die nächste Mitgliederversammlung statt. Sicherlich hören wir dort Neues vom Stadion Ausbau. Die spannenden Zeiten gehen weiter...

29. September 2022: Klarheit, Kontinuität & Gott sei Dank: Urs Fischer hat verlängert!

Urs Fischer bleibt ein Eisener. Der Schweizer hat seinen Vertrag beim 1. FC Union Berlin verlängert.
Urs Fischer bleibt ein Eisener. Der Schweizer hat seinen Vertrag beim 1. FC Union Berlin verlängert.  © Luis Vieira/AP/dpa

Unionfux: Da fallen allen Unionern ein paar gewaltige Steine vom Herzen: Urs Fischer und Markus Hoffmann haben ihre zum Saisonende auslaufenden Verträge verlängert - wie lange, wird natürlich, wie schon gewohnt, beim 1. FC Union nicht verraten (ich finde das ja immer ein bisschen hysterisch, aber gut…), man munkelt jedoch etwas von einer Vertragslaufzeit bis 2025.

Der Schweizer und sein Co sind ja schon seit 2018 bei Union unter Vertrag und damit schon auf Platz 2 der dienstältesten Trainer der Liga (die durchschnittliche Verweildauer eines Bundesligatrainers liegt statistisch unter zwei Jahren). Ich will gar nicht wissen, wieviele verlockende Angebote Fischer in den letzten Monaten auf den Tisch geflattert sind, auch von sogenannten großen Vereinen… Dazu kommt, dass er ja ohne seine Familie in Berlin lebt, das macht die ohnehin extrem anstrengende Arbeit nicht gerade leichter, wenn das private Umfeld im Wesentlichen fehlt und es kein richtiges Zuhause, sondern nur eine eher provisorisch eingerichtete Wohnung gibt. Insofern ist diese Vertragsverlängerung durchaus nicht selbstverständlich und umso erfreulicher.

Natürlich weiß Urs Fischer andererseits überaus zu schätzen, was er hier hat, gerade nachdem er zweimal in der Schweiz ziemlich undankbar vom Hof gejagt wurde: erst bei seinem Heimatverein FC Zürich und dann beim FC Basel, wo sein Vertrag nach zwei Jahren nicht verlängert wurde, trotz zweier überaus souveräner Meisterschaften inkl. Double, mit der Begründung: zu wenig Glamour. Aha. Der FC Basel ist seitdem nicht mehr Meister geworden...Fischer mag die ungewöhnlich familiäre Atmosphäre im Verein und dass er weitgehend so arbeiten kann, wie er sich das vorstellt - ich glaube kaum, dass ihm jemand groß reinquatscht - das ist nicht gerade selbstverständlich, wie man aus unzähligen Beispielen im Profifussball weiß.

Und es läuft ja auch phantastisch - und ich denke, dass er sogar noch größeres Potential sieht und daran glaubt - das beweist seine Vertragsverlängerung. Und da Urs Fischer weitaus mehr Realist als Träumer ist, können wir uns noch auf einiges gefasst machen bzw. freuen… Ein guter Zeitpunkt für eine solche Nachricht, die hoffentlich nochmal Kräfte freisetzt bei allen Beteiligten und natürlich auch den einen oder anderen Spieler zur Nachahmung anregen sollte (Khedira, Ryerson...), während der Fan sich für einen Moment zurücklehnt, genießt, sowohl begeistert als auch erleichtert ist, denn im Moment kann und will sich wohl kein Unioner einen anderen Trainer auch nur vorstellen: in Urs we trust!

28. September 2022: Favorit bei der Eintracht: Frankfurt, wir kommen!

Unionfux: So, Nations League endlich vorbei, dann können wir uns wieder wichtigeren Dingen zuwenden: die Wochen der Extreme beginnen am Samstag mit einem Auswärtsspiel in Frankfurt. Werfen wir mal einen Blick auf den Kaffeesatz: so richtig heimstark sind die Frankfurter seit längerem nicht mehr, die auch sonst mit den eher durchwachsenen Leistungen der letzten Spielzeit fortfahren, da sollten wir schon was mitnehmen - zumal wir ja der Tabellenführer sind und damit auch sowas wie Favorit.

Entsteht jetzt durch die aktuelle Situation Druck oder eher Gelassenheit? Gelassenheit wegen der bereits gesammelten siebzehn Punkte oder Druck, weil man ja schon gern da bleiben würde, wo man ist - mal ganz davon abgesehen, dass die Mannschaft beweisen möchte, dass sie nicht aus Zufall da oben steht. Die Brust jedenfalls sollte sehr breit sein, die Abläufe sind ohnehin längst tief ins Unterbewusstsein eingesickert. Und das Spiel müssen wir auch nicht machen - ein wenig Druck, ein wenig Gelassenheit: das ist doch der Stoff, aus denen weitere drei Punkte gemacht werden könnten. Und, natürlich, Matchglück. Ein Punkt würde jedenfalls reichen, um Platz eins zu verteidigen, aber Urs Fischer weiß natürlich - wenn man ein Spiel nicht gewinnen will, verliert man es zumeist, soll heißen: ein Unentschieden kann nicht das Ziel sein und das ist keinesfalls unbescheiden gemeint. Denn die Erwartungshaltung steigt nun mal automatisch, trotz des natürlich unveränderten primären Saisonziels, ob wir das nun wollen oder nicht.

Werfen wir mal einen Blick auf unsere Nationalspieler: Norwegen hat zwar zweimal verloren und so den Gruppensieg verschenkt, aber Ryerson stand zweimal in der Startelf und wurde nur im zweiten Spiel nach einer Stunde ausgewechselt. Thorsby kam einmal für die letzte halbe Stunde von der Bank und blieb gestern ganz darauf sitzen. Unser Käptn zog mit Österreich leider auch zweimal den Kürzeren: wie Ryerson spielte Trimmel einmal durch und wurde einmal nach einer Stunde ausgewechselt. Andras Schäfer spielte für Ungarn zweimal durch: siegreich gegen Deutschland, unglücklich verloren gegen Italien, Rönnow wärmte zweimal die Bank, erfolglos gegen Kroatien, erfolgreich gegen die Franzosen. Leweling spielte von 180 möglichen Minuten in der U21 (zweimal verloren) immerhin 24, während Haraguchi in den zwei japanischen Freundschaftsspielen nur vier Minuten zum Einsatz kam, beim Sieg gegen die USA. Alles in allem etwas gemischt, was Einsatzzeiten und Erfolg angeht - wenigstens scheint sich niemand verletzt zu haben, gut so, wir werden in den kommenden anderthalb Monaten jeden brauchen...

Jedenfalls steigt sowohl das Kribbeln als auch die Vorfreude auf die verrücktesten sechs Wochen der Vereinsgeschichte: am Samstag geht’s los!

24. September 2022: Ungarn kopiert Union

Spieler und Maskottchen Ritter Keule von Union Berlin bedanken sich klatschend bei den Zuschauern.
Spieler und Maskottchen Ritter Keule von Union Berlin bedanken sich klatschend bei den Zuschauern.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Die das Spiel Deutschland - Ungarn sahen, rieben sich die Augen. Nein, da spielt nicht Union - Bayern. Aber genauso sah es aus. Marco Rossi muss bei den Spielbeobachtungen seines Schäfers` etwas aufgefallen sein. Nämlich, dass das System von Union in Deutschland sehr gut funktioniert.

Er kopierte es und das sehr gut. Ungarn hinten mit einer Dreierreihe und davor eine kompakte Viererkette mit unserem Schäfer auf der 8. Vorn 3 Qualitätsspieler, jeder mit seinen eigenen Stärken. Und eben plus Schäfer, der ab und an aufrückte. Und Deutschland spielte wie Bayern. 4er-Kette mit 2 offensiven Außenverteidigern, Doppelsechs mit spielbegabten Kickern und vorn 4 Top-Leute, aber ohne Center. Wie Sane und Gnabry den Ball behandeln - sieht schon toll aus, aber es ist brotlose Kunst.

Jedenfalls gegen defensiv top organisierte Mannschaften, die auch noch - wie Union - bissig sind, rennen und nachsetzen. Und dann kommt die 17. Minute, Ecke für Ungarn und diese verwandelt Adam Szalai spektakulär mit der Hacke ins deutsche Tor. Adam Szalai erzielte übrigens 54 Tore in 276 Bundesligaspielen, der weiß, wie es geht!

Der Rest der 1. Halbzeit ist schnell zusammengefasst. Deutschland fabriziert unter Flick seine schwächste Halbzeit ever und Ungarn schließt geschickt alle Räume, sodass nicht einmal Chancen kreiert werden können. Müllers Kopfball war das einzig Erwähnenswerte in Durchgang 1. Aber genauso wenig wie Bayern gegen Union Mittel und Wege fand, findet sie die deutsche Nationalmannschaft auch nicht. Der zweite Durchgang wurde dann aus deutscher Sicht etwas besser, aber Durchschlagskraft oder schnelles Direktspiel waren nach wie vor Fremdworte für das deutsche Spiel. Die Ungarn zogen ihr System durch, setzten Nadelstiche.

Und Deutschland rannte sich immer wieder fest. Wenige Chancen sprangen dabei heraus und diese wurden dann auch noch vergeben. Wobei die Ungarn auch im zweiten Abschnitt stets gefährlich blieben. Am Ende durfte man den ungarischen Sieg noch nicht einmal als glücklich bezeichnen. Das war wiederum eine Lehrstunde für alle Teams, die gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft antreten. Die dann nominell nicht ganz so starke Spieler haben wie wir, schauen sich einfach das Ungarnspiel an oder besorgen sich Videos von Union-Spielen. Das ist in diesem Fall (fast) egal. Die Ungarn haben das gut gemacht und mit ihrem Match-Glück auch verdient gewonnen. Schäfer war in ihrem System sehr wichtig. Er war das Bindeglied zwischen Offensive und Defensive. Aber das kennt er ja bestens von Union. ..


Am letzten Montag wurde Klaus-Dieter Helbig 70 Jahre alt. Von 1976 bis 1982 spielte er bei Union. 140 Pflichtspiele absolvierte er und schoss dabei immerhin 22 Tore.

Helbig war Mittelstürmer und ein typischer Union-Spieler. Er kam über den Kampf ins Spiel, gab nie auf und war hinsichtlich dieser Union-Tugend ein absolutes Vorbild. Ich konnte ihn viele Male live sehen und seine kämpferischen Eigenschaften haben auch mein Union-Bild geprägt. Später war er dann auch noch viele Jahre in unserem Nachwuchsbereich tätig und auch Co-Trainer bei unseren Profis. Nie ein begnadeter Edeltechniker, aber immer ein Fußball-Arbeiter. Absolut passend zu uns! Viele herzliche Glückwünsche nachträglich!

22. September 2022: Ochstober mit dickem Novemberschwanz

Robin Knoche (re) wurde leider nicht für die Nationalmannschaft nominiert.
Robin Knoche (re) wurde leider nicht für die Nationalmannschaft nominiert.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: So, Länderspielpause. In der natürlich unser momentaner Erfolg insofern ignoriert wird, als dass der Bundestrainer für die kurzfristigen Ausfälle eher Maximilian Arnold von den Wolfsburgern nachnominiert, der ja im Moment mit seiner Mannschaft nicht gerade im Aufwind ist, gut zu beobachten am letzten Wochenende, anstatt mal über Jannik Haberer oder auch Rani Khedira nachzudenken. Oder auch über Robin Knoche. Bloß nicht mal was Neues versuchen… Na gut, haben die Jungs eben mehr Zeit für die Regeneration, können sie auch gebrauchen. Denn uns stehen gut sechs Wochen bevor, die mit Sicherheit beispiellos in der Geschichte des 1. FC Union sind: 13 Pflichtspiele in 44 Tagen, achtmal Bundesliga, viermal international, einmal Pokal, sowas gab es noch nie, ein Ritt sondergleichen, ein wahrer Ochstober plus dickem Novemberschwanz: alle drei, vier Tage ein Spiel, hintereinanderweg.

Okay, danach ist erstmal über zwei Monate Pause, weil dann ein weiteres Novum auf diejenigen wartet, die es vielleicht noch interessiert: die Winter-WM. Die ist nämlich der eigentliche Grund für diese Tour de Force.

Ich finde ja eine solche Terminhäufung ziemlich bedenklich bis Wettbewerbsverzerrung und das alles wegen wegen dieser peinlich-albernen Veranstaltung in Katar. Aber gut, so ist es nun mal. Wir gehen als Tabellenführer der Bundesliga in diesen heftigen Sprint, wollen unsere Chancen zumindest auf Platz 3 in der EuroLeague wahren und nebenher noch ins Achtelfinale des DFB-Pokals einziehen.

Der absolute Fokus sollte auf der Bundesliga liegen, in den Pokalen sollte gut durchrotiert werden und die absoluten Stammkräfte auch mal durchschnaufen können. Wenn in der Liga es so weiterläuft wie bisher, dann könnten nämlich die Hausaufgaben, sprich der Klassenerhalt, schon Mitte November weitgehend gemacht sein. Weitgehend, weil auch die absoluten Optimisten wohl kaum mit den theoretisch möglichen 24 Punkten rechnen dürften. Aber so fünfzehn bis siebzehn Zähler könnten schon drin sein, das zeigen die vierzehn ungeschlagenen Punktspiele am Stück: die Mannschaft hat ein Spiel bis ins Kleinste drauf, das für fast jeden Konkurrenten schwer zu bespielen ist - und das werden sie kaum verlernen.

Sollten wir von Verletzungen weiterhin im Großen und Ganzen verschont bleiben, dann traue ich uns mittlerweile alles zu. Es wird schon spannend, wie die Mannschaft mit der extremen Belastung umgeht, auf Erfahrungswerte kann da wohl kaum jemand zurückgreifen. Doch die Voraussetzungen sind allemal gut, die Brust ist breiter denn je, die Stimmung phantastisch, der Druck ein eher positiver - und der gesamte Kader wird gebraucht, auch und gerade die, die in letzter Zeit ein wenig im Schatten standen.

Und für uns Fans ist das ebenso ein Novum: lohnt es sich überhaupt noch, zwischendurch nach Hause zu gehen? Eine kleine Blockhütte in der Wuhlheide hätte doch Charme oder man zeltet vorm Forsthaus... Emotional wird uns das auch ziemlich durchschütteln, so oder so. Aber wir mögen’s ja gern heftig.

Am 13. November, so gegen halb acht abends, sind wir alle schlauer, dann haben wir ne Ahnung, was noch so kommen mag, zu was wir fähig sind. Und eins ist sicher: auf dem Teppich bleiben wir doch sowieso, vielleicht aber auf einem fliegenden…

20. September 2022: Union mit 11 Nationalspielern

Icke: Am Freitag gibts wieder den anderen Fußball. Den der deutschen Nationalmannschaft. Wir spielen um 20.45 Uhr gegen Ungarn. Und warum schauen Unioner dieses Spiel? Weil Andras Schäfer gegen uns auflaufen wird. Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Und vor der endgültigen Nominierung des Kaders ist das das vorletzte Testspiel. Schäfer wird bei Union immer besser. Das wird auch die ungarische Nationalmannschaft freuen. Der Knaller kommt aber dann am Montag (ebenfalls um 20.45 Uhr). England - Deutschland... der Klassiker schlechthin. Wir werden wohl 2 verschiedene deutsche Mannschaften sehen. Gegen Ungarn werden wir noch experimentieren und gegen England wird dann wohl die stärkste deutsche Mannschaft auflaufen. Vom aktuellen Tabellenführer wird kein deutscher Nationalspieler dabei sein. So viele gibts da auch nicht. Einzig Knoche gehörte früher zum erweiterten Kreis. Er saß auch schon einmal auf der Bank. Wurde aber nicht eingewechselt. Da er aber nie verabschiedet wurde und selbst nie zurücktrat, gehört er eben noch dazu. Zumindest auf dem Papier. Sonst tummeln sich neben Schäfer - weitere andere Nationen bei uns, die für ihr Land antreten. So Rönnow für Dänemark, Trimmel für Österreich, Becker für Surinam, Jordan für die USA, Puchacz für Polen, Ryerson und Thorsby für Norwegen und Haraguchi für Japan. Insgesamt hat Union 9 ausländische Nationalspieler. Plus Ex-A-Kader Knoche und Leweling der zur deutschen U21-Nationalmannschaft gehört. Wenn man das so liest, weiß man auch, warum Union so stark ist. Für die Integration deutscher Nationalspieler reicht es (finanziell) noch nicht. Aber 9 ausländische Nationalspieler plus U21-Kicker Leweling, plus Ex-A-Kader Knoche... das sind schon Pfunde, mit denen Union eben wuchert. Den beiden jungen Verteidigern Doekhi (Holland) und Leite (Portugal) könnte man als nächste Spieler den Sprung in ihre A-Nationalmannschaften zutrauen. Welcher Nationaltrainer möchte keinen Verteidiger aus der besten Abwehr der Bundesliga haben. Auch hinter den ersten "20" des Profikaders, stehen so einige Talente, die auch schon internationale Einsätze hatten. An der Spitze natürlich Sanogo, der schon für die U20-Nationalmannschaft der USA aufläuft. Aber auch Bruns, Kemlein und Stein aus der A-Jugend gehörten schon zum Kader der U17- oder U18-Nationalmannschaft Deutschlands.

Viel wird derzeit über das Duo Becker-Jordan geschrieben. Eine Superlative jagt die andere. Einige sprechen da schon von 40 oder sogar 50 Millionen Marktwert zum Saisonende. Wenn die beiden so weiter machen, wird es in diese Richtung gehen. Ihnen zuzuschauen macht eben wirklich irren Spaß. Becker zeigt - neben seiner enormen Schnelligkeit - jetzt auch eine Abgebrühtheit vor dem Tor. Bestes Beispiel war aktuell sein Tor, nach Vorlage von Seguin, wo er den schwierigen Ball gekonnt runterholte und einnetzte. Nicht minder cool war Jordan, auch im letzten Spiel gegen Golfsburg, diesen Kopfball, mit richtigem Timing und einem enormen Druck, den macht weiß Gott nicht jeder Bundesligastürmer. Für Jordan sah es sehr leicht aus. Man überlege sich dabei auch, die beiden spielen erst seit 6,7 Wochen zusammen. Was passiert dann erst, wenn sie sich "blind" verstehen? Einziger Wermutstropfen, macht Becker so weiter, wie aktuell, kann Union ihn niemals halten. Im nächsten Sommer hat er noch einen 2-Jahresvertrag. Da wird dann ein schönes Sümmchen fällig werden, wenn die neureichen Engländer wieder ihre Säcke mit Pfund und Euro über den Teich schleppen. Die Gefahr bei Jordan ist etwas kleiner, weil er ja gerade einen frischen Vertrag unterschrieben hat. Dieser sollte wohl mindestens bis 2026 laufen. Eher noch ein Jahr länger. Am Freitag und Montag heißt es dann aber erst einmal der deutschen Nationalmannschaft die Daumen zu drücken. Außer Andre, unserem ehemaligen Kult-Stadionsprecher, der darf am Montag seine Daumen (ausnahmsweise) anderweitig drücken...

Noch einmal kurz zurück zu Knoche. Flick äußerte sich gerade zu Hummels, dieser sei gut in Form und habe noch gute Chancen auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft. In den verbleibenden Wochen kann aber noch viel passieren. Und Hummels ist, wie jeder weiß, sehr verletzungsanfällig. Was wir ihm alle natürlich nicht wünschen. Ich kann mir aber trotzdem sehr gut vorstellen, dass wenn eine Personalnot in der Abwehr entsteht, Flick auch Knoche im weiteren Blickfeld hat. Der Abwehrchef des Bollwerkes, der in den ersten 7 Spielen, gerade einmal 4 Tore zulässt, den sollte "man" auf dem Schirm haben!

19. September 2022: Fünf Punkte vor den Bayern

Freude nach Abpfiff.
Freude nach Abpfiff.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: ​So spielt ein Spitzenteam der Bundesliga, so bestätigt man die Tabellenführung! Mag sein, dass Wolfsburg diesmal nicht sonderlich stark auftritt - wir hingegen schon. In der ersten Hälfte stellt sich der VfL weitgehend hinten rein, schwer, dagegen sich Chancen rauszuarbeiten, Haberers Schuss gleich nach Spielbeginn hätte es wirklich verdient gehabt, darüberhinaus gibt es kaum ernsthafte Möglichkeiten.

Wir zeigen von Beginn an, und das nach dem Spiel am Donnerstag in Braga, dass wir der Herr im Haus sind, allein die großen Möglichkeiten bleiben aus - beim Gegner allerdings auch, der Schuss aus spitzem Winkel nach ner guten halben Stunde ist gar die beste Chance des Spiels, gemeinsam mit dem Schuss des peinlichen Dauerjammerers Arnold (bei jedem Allerweltsfoul im Mittelfeld sofort ewig lamentierend beim Schiri!) kurz nach der Pause vielleicht. In der zweiten Hälfte sind wir sofort noch zielstrebiger, Jordan hat gleich zwei gute Chancen, dann zündet Becker auf links kurz den Turbo, flankt butterweich und Jordan geht entschlossen entgegen - gegen seinen platzierten Kopfball kann Casteels nichts ausrichten, die verdiente Führung. Jetzt muss Wolfsburg mehr aufmachen und tut das auch, allerdings ohne wirklich Gefahr auszustrahlen, da muss schon mehr passieren gegen die beste Abwehr der Liga.

Dann endlich mal ein seltener, echter Umschaltmoment für uns: der eingewechselte starke Thorsby erobert schlau ausgerechnet gegen Arnold den Ball und der ebenfalls eingewechselte Seguin spielt einen nahezu perfekten Ball in die Spitze, Becker pflückt den stark runter und bleibt eiskalt, der momentan beste Torschütze und Scorer der Liga strotzt eben vor Selbstbewusstsein. Danach muss der Schiri zwar noch ewig auf den Monitor starren: nimmt Becker den mit der Schulter an oder mitm Arm, Schulter/Arm, Schulter/Arm - dann gibt er das Tor endlich und das vollkommen zu recht. Und ab da zweifelt wohl niemand mehr im Stadion, wer hier als Sieger vom Platz geht, wir spielen das ganz cool und abgezockt zu Ende, gehen nicht mit aller Macht aufs dritte Tor, wozu noch ein Risiko eingehen? Wir lassen weiterhin nichts zu (Rönnow muss das gesamte Spiel nicht einmal richtig eingreifen), und schon ist unsere Tabellenführung souverän verteidigt - vielleicht nicht sonderlich spektakulär, doch Hurrafussball ist ja eher unsere Sache nicht. Aber die Tore sind sehenswert herausgespielt und wir haben, wie ein würdiger Tabellenführer, das Spiel immer ziemlich souverän unter Kontrolle. Wieder weniger Ballbesitz als der Gegner, aber mehr gelaufen, keine Gelbe, keine Freistöße in der gefährlichen Zone zugelassen - alles wie immer, okay, die Passquote, sonst ja eher eine Schwachstelle bei uns, ist mit 80% ziemlich hoch, würde mich freuen, wenn wir diesen Wert auch auf Dauer umsetzen könnten. Heute vor einem halben Jahr haben wir das letzte Mal in der Bundesliga verloren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wieder und wieder.

Die abermalige Tabellenführung ist sensationell, auch nicht erwartet - ein Zufall ist sie trotzdem nicht. Die Sprachlosigkeit dazu des deutschen Sportjournalismus’ spricht Bände, das kann man sich wohl nicht erklären - oder man will es nicht. Fun Fact: selbst ein Punkt hätte uns weiterhin für den ersten Platz genügt, wir haben das ungleich bessere Torverhältnis gegenüber dem Tabellenzweiten Dortmund.

Wir sind saisonübergreifend nunmehr vierzehn Spiele ungeschlagen, mittlerweile die einzige ungeschlagene Mannschaft der Bundesliga in dieser Spielzeit und liegen geschmeidige fünf Punkte vor den Bayern, die doch so fulminant in die Saison gestartet waren. Jetzt wird auch klar, warum unser Trainer nichts davon hören wollte, Bayern-Jäger zu sein, es ist, zumindest zur Zeit, doch eher umgekehrt. Von Leverkusen und Leipzig wollen wir gleich gar nicht reden… Und nun haben wir knapp zwei Wochen Zeit, uns die Tabelle anzuschauen, ohne abzuheben. Eben eine Momentaufnahme: aber die siebzehn Punkte auf dem Weg zum Klassenerhalt, die nimmt uns nun wirklich keiner mehr, würde Urs Fischer sagen - und der muss es wissen.

16. September 2022: Butterseite, die Zweite

Alvaro Djalo vom SC Braga (r) gegen Diogo Leite von Union Berlin.
Alvaro Djalo vom SC Braga (r) gegen Diogo Leite von Union Berlin.  © Matthias Koch/dpa

Unionfux: Eigentlich ein ganz ordentliches Auswärtsspiel bei Sporting Braga, dem Favoriten der Gruppe D und wie im ersten Spiel gegen St. Gilloise verlieren wir etwas unglücklich und knapp. Es ist ein Spiel mit wenigen Chancen auf beiden Seiten, besonders in der ersten Hälfte ist Union besser im Spiel als der Gegner und hat im Grunde die besseren Chancen durch Becker, Jordan und Diogo Leite, dessen Kopfball am Pfosten landet. Rönnow muss nur direkt vor der Pause auf der Hut sein, hält aber gut gegen den Sporting-Goalgetter Banza, der frei zum Schuss kommt.

In der zweiten Hälfte ist unser Offensivspiel dann zu harmlos und kommt über ein paar gute Ansätze nicht hinaus. Und Braga reicht eine Chance: wir verlieren nach 77 Minuten den Ball nach einem Missverständnis im Aufbauspiel und Andre Horta kann schließlich von der Strafraumgrenze satt abziehen, Rönnow kann zwar zur Seite abwehren, aber Vitinha setzt reaktionsschnell nach und macht aus spitzem Winkel das Tor, das so ein bisschen aus dem Nichts fällt, denn defensiv lassen wir kaum etwas zu.

Urs Fischer reagiert sofort und wechselt mit Behrens und Leweling weitere Offensive ein, wir drücken, sind aber zu ungenau und zudem pfeift der slowakische Schiedsrichter gegen Spielende, gelinde gesagt, ziemlich seltsam - ich will die Niederlage nicht daran festmachen, aber das erstickt auch noch die letzten Hoffnungen im Keim. Unterm Strich steht wieder eine glücklose Niederlage, gegen einen starken Kontrahenten, der kaum Fehler macht und dem letztlich etwas Matchglück ausreicht, um das Spiel für sich zu entscheiden, denn auch wir agieren gewohnt fehlerfrei, aber eben nur fast - und schwupps, landen wir erneut auf der Butterseite. Nicht schlecht ist eben manchmal nicht gut genug und wer kein Tor schießt… Jaja, das Phrasenschwein lässt grüßen.

Aber so kann’s gehen auf dem internationalen Parkett, insgesamt ist das schon ein bisschen ärgerlich, dass wir mit vollkommen leeren Händen dastehen. Braga und St. Gilloise, die Malmö zu Hause mit 3:2 schlagen, führen die Gruppe mit jeweils sechs Punkten an und wir und die Schweden sind weiterhin bei null Punkten, aufgrund der besseren Tordifferenz stehen wir allerdings auf Platz drei.

Die Chancen auf die ersten beiden Plätze sind ziemlich gesunken, da müsste jetzt schon eine Siegesserie a la Bundesliga her. Ist zwar nicht undenkbar, aber der Druck liegt ganz klar auf unserer Seite. Immerhin bleibt den Gruppendritten noch die Qualifikation für die Zwischenrunde der Conference League, ist zwar nur ein Trostpreis, aber doch besser als nichts. Also: die nächsten beiden Spiele gegen Malmö FF um ebenjenen Platz drei sollten wir schon für uns entscheiden - und mal sehen, was dann noch so geht. Beeindruckend übrigens unser Auswärtsmob, die Stimmung machten ganz klar und unüberhörbar wir…

Ohnehin ist nicht viel Zeit zum Grübeln und Ärgern - am Sonntag geht’s ja schon weiter, dann kommt der VfL Wolfsburg (ohne Max Kruse) in die Alte Försterei und wir werden die Tabellenführung mit Zähnen und Klauen in die Länderspielpause verteidigen: kämpfen und siegen!