Union-Berlin-Blog: Mach's gut, Micha Parensen!

Berlin - Eisern: In einer Personal-Union aus drei waschechten Berliner Fußball-Fan-Originalen gibt es bei TAG24 den Union-Berlin-Blog.

Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.
Christian Beeck, Jürgen Heinemann und Tobias Saalfeld.  © Archiv

Die Autoren:

Icke (Jürgen Heinemann) ist seit Mitte der Siebzigerjahre Unioner und als Betriebswirt seit über 30 Jahren im Vertrieb tätig. Er ist verheiratet und hat ein erwachsenes Kind. Icke lebt heute in Grünheide und schreibt hier als Gründer des Blogs.

Unionfux (Tobias Saalfeld) ist seit über 40 Jahren Unioner, er arbeitet als Freischaffender für Bühne, Funk und Fernsehen, auch dort schreibt er.

Abwehr-Alarm vor Duell beim Angstgegner: Union gehen die Spieler aus!
1. FC Union Berlin Abwehr-Alarm vor Duell beim Angstgegner: Union gehen die Spieler aus!

Beecke (Christian Beeck), Ex-Bundesliga-Spieler (Hansa, Cottbus), Ex-Union-Manager, 21 Länderspiele für DDR-Junioren, stammt aus dem eigenen Nachwuchs von Union. Beecke hat 2 Kinder. In unserem Union-Blog fungiert Beecke als Berater.

11. April: Mach's gut, Micha Parensen!

Michael Parensen (37) hat Union Berlin überraschend nach mehr als fünfzehn Jahren als Spieler und Funktionär verlassen.
Michael Parensen (37) hat Union Berlin überraschend nach mehr als fünfzehn Jahren als Spieler und Funktionär verlassen.  © Tom Weller/dpa

Unionfux: Wenn jemand wie Michael Parensen den Verein verlässt, nach insgesamt über fünfzehn Jahren als Spieler und Funktionär, dann ist das Wann und Wie zwangsläufig immer von Interesse. Und so doof sind die Jungs und Mädels in unserem Verein nicht, dass sie die Gepflogenheiten nicht kennen würden: Da geht einer plötzlich und sofort, relativ kurz vorm Saisonende und er kommt dabei nicht selbst zu Wort - da müssen die Spekulationen natürlich ins Kraut schießen. In aller Freundschaft hat man sich da eher nicht getrennt, da braucht man kein Hellseher zu sein.

Nur, woran es nun genau gelegen hat, das werden wir wahrscheinlich nicht erfahren, obwohl man davon ausgehen kann, dass ihm die Führungsrolle (noch) nicht zugetraut wurde, unabhängig davon, ob Oliver Ruhnert weitermacht oder nicht - und Parensen wird das enttäuscht haben, möglicherweise gab es lose Zusagen, die die eine Seite ernsthafter genommen hat als die andere Seite…

So oder so ähnlich könnte es gewesen sein, diese Spekulation halte ich für legitim und die Informationspolitik unseres Vereins weiterhin für leicht hysterisch, nicht umsonst ist die Bezeichnung "nordkoreanisch" dafür schon sprichwörtlich - aber ganz davon abgesehen: Alles Gute und besten Dank, Micha Parensen, schade, dass es vorbei ist, ja, und wir sind natürlich gespannt, wo du deine Karriere fortsetzen wirst.

Gladbach oder Union? So geht es für Jordan weiter
1. FC Union Berlin Gladbach oder Union? So geht es für Jordan weiter

Langsam kommen die ersten Transfergerüchte auf, was zum Beispiel an Keven Schlotterbeck und Kevin Stöger dran ist, wird man sehen. Und kaum hat Brenden Aaronson endlich ein paar ordentliche Spiele abgeliefert, wird hier und da schon darüber nachgedacht, ob er uns mehr oder weniger als zehn Millionen Ablöse kosten könnte … Zu früh, sage ich - nicht zuletzt, weil ja bei allen Beteiligten nicht nur die zukünftige Ligenzugehörigkeit eine entscheidende Rolle spielen dürfte. Würde mich nicht wundern, wenn es weder der eine noch der andere und schon gar nicht der dritte werden dürfte … Und jeder weitere Name ist, zumindest momentan, ebenso spekulativ wie aus diesem Grunde uninteressant. Ohnehin muss ja erstmal klar sein, wer geht und damit Geld in die Kassen spült und Kaderplätze freimacht. Ab Mitte Mai ist dafür noch alle Zeit der Welt.

Zuerst fährt man mal nach Augsburg, das ist sowas wie ein Angstgegner für uns, denn dort haben wir noch nie mehr als einen Punkt mitnehmen können. Grund genug, Zeit genug, das mal zu ändern und unsere wiedererstarkte, beinahe unüberwindbare Abwehr sollte der Grundstein dafür sein. Und irgendwann muss unser Sturm ja an Effektivität zulegen, weniger geht ja eigentlich kaum noch: Zwei Treffer in den letzten fünf Spielen sind doch sehr übersichtlich. Da muss sich Nenad Bjelica fraglos was einfallen lassen, unsere Harmlosigkeit ist erschütternd, zu wenige Torchancen werden erarbeitet und die dann auch noch vergeben.

Ersetzt werden müssen auf jeden Fall die gesperrten Tousart und Gosens, wahrscheinlich werden in diesem Fall Kral und Roussillon oder eventuell Juranovic (ist eigentlich nicht seine Seite, kann er aber trotzdem) als Ersatz einspringen. Ein Sieg oder doch wenigstens ein Punktgewinn sind, angesichts der Tabellensituation, schon beinahe ein Muss, aber das weiß auch die Mannschaft. Ergo: Das wird ein spannender Freitagabend, mit hoffentlich dem besseren Ende für uns. Eisern!

9. April: Erst den Augsburgern die Punkte klauen und dann Beljo mitnehmen

Im Hinspiel haben sich Union Berlin und Augsburg im vergangenen November mit einem Unentschieden in der Alten Försterei getrennt.
Im Hinspiel haben sich Union Berlin und Augsburg im vergangenen November mit einem Unentschieden in der Alten Försterei getrennt.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Am Freitagabend eröffnen wir um 20.30 Uhr in Augsburg den nächsten Bundesliga-Spieltag. Augsburg war noch nie so richtig unser Ding. Die liegen uns nicht. Und sie stehen blendend da. Platz sieben belegen sie aktuell und der würde bei einem Leverkusener Pokalsieg auch das internationale Geschäft bedeuten.

Ich hoffe, dass Bjelica auch einmal zeigt, dass er Dinge, wenn sie offensichtlich sind, auch ändert. Offensichtlich ist, dass Hollerbach, immer wenn er eingewechselt wir, Schwung in unsere Reihen bringt. Das schreit regelrecht nach einem Startelfplatz für ihn. Weichen müsste dafür wohl der aktuell glücklose Vertessen. Aaronson und Schäfer werden bleiben. Beide sind in einer guten Form. Und Bedia hätte sich dann auch einmal einen 30-Minuten-Einsatz verdient. Auch der immer eingewechselte Kaufmann kickt derzeit glücklos.

Apropos, suboptimal war auch der Zeitpunkt der Verkündung des Abschieds von Parensen. Wie eigentlich immer, arbeitet unsere Abteilung "Nordkorea" fehlerfrei. Es wird spekuliert, dass sich die Balken biegen. Keiner weiß, warum "Pare" geht. Wir wollen uns an den Spekulationen nicht beteiligen und ihm lieber alles Gute für seine Zukunft wünschen und Danke sagen - für eine gefühlte Ewigkeit in unseren Reihen.

Jetzt im April beginnt die ganz heiße Phase für Neuverpflichtungen der kommenden Saison. Freiburg holt Sturmtalent und Sprint-As Dinkci, Wolfsburg Herthas international umworbenes Megatalent Bence Dardai. Bremen verpflichtete bereits Ösi-Nationalspieler Grüll und Zwei-Meter-Stürmer Woltemade wechselt nach Stuttgart. Bei uns herrscht dagegen noch Verkündungsflaute.

Kemlein - so viel steht fest - kommt von seiner Leihe zurück und wird sicherlich eine echte Chance bei uns bekommen. Er hat bei St. Pauli gut gespielt. Kevin Schlotterbeck wird gemunkelt. Da würde ich gar nicht überlegen und sofort ja sagen. Er war bei uns ein Stabilisator und würde es wieder sein. Der griechische Mittelstürmer Tzolis wird uns auch angedichtet. Seine Tor-Quoten beim Düsseldorfer Leihverein sind beeindruckend. Da er aber in England noch zwei Jahre Vertrag hat, wird er kein Schnäppchen werden. Und mit 1,79 Meter ist er nicht der große Center, den wir eigentlich suchen. Linksaußen Orsic wird ebenfalls getuschelt. Allerdings ist er weder ablösefrei, noch mit 31 Jahren einer für die Zukunft. Der Spieler war einmal eine "Bombe", bis ihn etliche Verletzungen zurückwarfen. Und auch Kevin Stöger wird immer noch heiß gehandelt. Er ist nicht mehr der Jüngste, aber ein Spielmacher, wie er uns fehlt. Bei ihm können wir nicht viel falsch machen. Kevin Schlotterbeck und Stöger halte ich für sehr realistisch. Neben Kemlein natürlich. Alle andere beinhalten auch Fragezeichen, ob sie uns auch wirklich weiterhelfen.

Ich hörte, wir sollen nach Kroatien ganz gute Drähte besitzen. Bruno Petkovic halte ich für eine sehr interessante Lösung für uns. Er hat nur noch 1 Jahr Vertrag in Zagreb. Ist erfahren und schießt überall seine Tore. Ein baumlanger Kerl mit internationaler Erfahrung. Bei unserem nächsten Gegner Augsburg soll Beljo (talentierter kroatischer Mittelstürmer, 1,95 Meter und zwei Länderspiele) mit seinen Kurzeinsätzen nicht so zufrieden sein. Den halte ich auch für passend bei uns. Schauen wir mal.

Gestern am Montag wurde Bernd Müller 75 Jahre alt. Nach seiner Union-Karriere wechselte er - wie so viele Spieler - zu Lichtenberg 47. Dort erkannte man zum Ende seiner Karriere sein Talent als Mittelstürmer. Und fortan gab es ein neues Sturm-Trio in Lichtenberg. Pohl-Müller-Jakob spielten zwei Jahre Nonstop im Dreiersturm. Übrigens Linksaußen Michael Jakob (28 Tore in 49 Spielen!) war auch ein Ex-Unioner (mit außergewöhnlicher Tor-Quote). Und Müller ähnelte nicht nur äußerlich seinem Namensvetter aus München, sondern auch in der Art und Weise, wie er sich bewegte. Schöne alte Zeit. Eisern!

7. April: Sehr gut verteidigt, aber auch leicht zu verteidigen: knappe Heimniederlage gegen Leverkusen

Leverkusen gewinnt am Ende gegen Union Berlin mit eins zu null.
Leverkusen gewinnt am Ende gegen Union Berlin mit eins zu null.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Das ist die ganze Krux des Spiels: wir liefern, gegen die momentan beste Mannschaft Deutschlands, ein engagiertes, aufmerksames Spiel, sind in der Abwehr nicht auszumurmeln - und verlieren doch das Spiel, und das, wie soll es anders sein, in der Nachspielzeit, wenn auch der ersten Hälfte.

Erst sieht Gosens die gelb-rote Karte und die hätte mit etwas mehr Fingerspitzengefühl nicht sein müssen: aber sowohl der Außenverteidiger als auch der Schiedsrichter lassen das leider vermissen - und schon haben wir den siebten Platzverweis bis hierher (zum Vergleich: in den letzten drei Spielzeiten waren es insgesamt drei!!).

Wegen des verletzten Vertessen sind wir kurzzeitig gar nur zu neunt, Getümmel im Strafraum, Innenpfosten, am Ende trifft Kossonou, doch abgepfiffen wegen Abseits.

Dafür meldet sich der VAR und nach endlosem Warten gibt es schließlich Handelfmeter (Trimmels Ellenbogen fälscht Hincapies Schuss an den Innenpfosten), den Wirtz sicher verwandelt, der abermals überragende Rönnow ist machtlos. Mit einem Mal wird das zu bohrende Brett doppelt und dreifach so dick.

In der zweiten Hälfte versucht Leverkusen alles, um uns auseinanderzuzaubern, extrem ball- und passsicher, aber das zweite Tor bleibt aus und in der Nachspielzeit machen wir nochmal Druck, insgesamt mehr als in den neunzig Minuten zuvor, am Ende ist Leverkusen doch sichtbar froh, den Ausgleich nicht noch kassiert zu haben. Uns kostet einfach unser derzeitiges Hauptproblem, der unpräzise und ineffektive Angriff, das allzu verdiente Unentschieden. Denn: so gut und leidenschaftlich wir auch verteidigen, so leicht sind wir eben auch zu verteidigen.

Hradecky ist nicht einmal gefordert, weil einfach nichts aufs Leverkusener Tor kommt - kaum einer der Standards oder Flanken kommt an, und wenn doch, wie bei Gosens nach sechsunddreißig Minuten, der eine Trimmelecke vorbeiköpft oder Vertessen, der nach neununddreißig Minuten den Ball aus aussichtsreicher Position in die zweite Etage befördert, entsteht einfach zu wenig Gefahr: ein Königreich für einen Knipser!!

Und der in der zweiten Hälfte für Vertessen eingewechselte Kaufmann ist leider keiner, irgendwie wirkt er zwar einsatzfreudig, aber doch leicht überfordert. Hollerbach hingegen, kurz vor Schluss gekommen, setzt die Leverkusener Abwehr sichtbar mehr unter Stress und macht einfach mehr Wirbel, der aber zu nichts mehr führt. Und so ist am Ende die Niederlage irgendwie unglücklich, trotz all der Überlegenheit der Bayerelf, es ist schon bemerkenswert, wie wir in der Abwehr mit vereinten Kräften Paroli bieten und ein Tor aus dem Spiel heraus verhindern - verloren wird das Spiel vorn, nicht hinten.

Der Gegner muss sich schon strecken, leider nimmt er das Spiel nicht auf die leichte Schulter - und er strotzt logischerweise gerade vor Selbstbewusstsein und macht eben keine entscheidenden Fehler und so reicht eine Art Doppelschlag direkt vor der Pause, um das Spiel zu entscheiden.

Im nächsten Heimspiel gegen Bremen kann Bayer die Deutsche Meisterschaft schon klarmachen, fünf Spieltag vor Ultimo. Aber die Meisterschaft kann uns vollkommen egal sein, denn dummerweise laufen auch die anderen Ergebnisse gegen uns, der Relegationsplatz ist bis auf sechs Punkte rangerückt. Aber die gestrige Leistung lässt mich, wenn auch unbelohnt, nicht so wirklich bange sein. Allerdings muss der offensive Knoten schon noch platzen, damit es am Schluss nicht nochmal eng wird.

Spiele gewinnen man nur, wenn man Tore schießt. Eine Binsenweisheit, schon klar. Aber wir haben in den letzten fünf Spielen nur zweimal getroffen. Vielleicht Zeit, Bedia mal eine echte Chance zu geben. Oder hat jemand eine bessere Idee?

4. April: Bayer ist einfach mal fällig!

Im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen will Union Berlin die Erfolgsserie des Tabellenführers beenden.
Im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen will Union Berlin die Erfolgsserie des Tabellenführers beenden.  © Arne Dedert/dpa

Icke: Am Samstag, 6. April, gibts wohl gegen Bayer Leverkusen im Heimspiel für Union nichts zu holen? Oder etwa doch? Irgendwann müssen die Pillendreher doch auch wieder einmal das Gefühl einer Niederlage kennenlernen.

Seit sage und schreibe wahnsinnigen 37 Pflichtspielen sind sie ungeschlagen. Ich lege fünf Euro in das Phrasenschwein und behaupte, jede Serie endet einmal. Warum denn nicht in Köpenick?

Natürlich haben sie einen unglaublichen Lauf. Gestern zogen sie mit einem sicheren 4:0 ins Pokalfinale ein. In der Bundesliga haben sie 13 Punkte Vorsprung vor den Bayern. Plus das bessere Torverhältnis.

Selbst im UEFA-Cup sind sie noch quicklebendig und spielen in der kommenden Woche gegen West Ham United. Das ist auch bereits schon das Viertelfinale.

Und um dieser Euphorie die Krone aufzusetzen, hat Xabi Alonso gerade seinen weiteren Verbleib beim Werksclub verkündet. Mehr positive Nachrichten kann ein Club gar nicht haben.

Und genau das kann die Chance von Union sein. Niemand rechnet damit, dass etwas anderes passiert, als ein Sieg für Leverkusen. Union hat sich in den letzten Spielen in der Defensive deutlich stabilisiert. Rönnow spielt zugleich die beste Saison, die er je in der Bundesliga absolvierte. Das könnte schon einmal das Fundament sein. Die Fans haben auch schon ihr Feindbild auf Seiten der Leverkusener ausgemacht.

Keiner hat die Verleumdungen von Tah (und Amiri) gegen den Unioner Verteidiger Hübner vergessen. Nur Tah ist bei Bayer noch übrig. Der wird es ausbaden müssen und sicherlich nicht freundlich empfangen werden. Es stellte sich später heraus, dass die vorgeworfenen Worte - SO - nie gefallen sind (wie behauptet). Mit der Zuschauer-Power plus einer sicheren Abwehr fehlt Union nur noch in der Offensive das Quäntchen Spielglück.

Am erfolgreichen Grundsystem und am Team wird Bjelica kaum Größeres ändern. Vielleicht spielt mal wieder Juranovic auf rechts für Trimmel? Links ist Gosens wohl gesetzt, weil Roussillon (leicht) verletzt ist. Schäfer ist als vorderster Mittelfeldspieler wieder einsatzfähig. Da auch Volland zuletzt nicht wirklich überzeugen konnte, Vertessen seine Chancen auch nicht nutzte, könnte Hollerbach wieder einmal beginnen.

Ich würde folgende Elf auf das Feld schicken: Rönnow – Doekhi, Vogt, Leite – Juranovic, Khedira, Tousart, Gosens – Aaronson, Schäfer – Hollerbach. Eisernes Daumen drücken!

3. April: Fehlende Bekenntnisse und zukünftige Deutsche Meister: Lassen wir uns überraschen!

Wie geht es bei Union Berlin weiter mit Robin Gosens (29)?
Wie geht es bei Union Berlin weiter mit Robin Gosens (29)?  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Nachdem Robin Gosens im Anschluss an unser Auswärtsunentschieden in Frankfurt abends zu Gast im Aktuellen Sportstudio ist - und dort alles andere als ein klares Bekenntnis zu unserem Verein abgibt -, geht nun an verschiedenen Stellen, in der Presse und unter den Fans das Gegrübel los: War’s das schon mit dem Rekordtransfer bei uns?

Okay, er besitzt immerhin einen Fünf-Jahres-Vertrag und schon seltsam, wenn man für so einen (zumal in seinem Alter) langen Zeitraum unterschreibt und dann nach einem Jahr schon wieder weg will, weil wir, oh Wunder, nicht schon wieder ein Champions League-Kandidat sind.

Nun wissen wir natürlich nicht, was im Kopf von Gosens vorgeht und was es so für Planspiele hinter den Kulissen gibt, aber wenn irgendein Spieler glaubt, beziehungsweise geglaubt hat, dass wir schon ein Topverein sind, der hat entweder nicht richtig aufgepasst oder aber zu wenig verstanden.

Ich mag Gosens Spielweise und er ist immer noch, mit Abstand, unser bester Torschütze in dieser Saison, aber so genial hat er in dieser Spielzeit nun auch wieder nicht ausgesehen, dass im Sommer die großen Vereine, die international spielen, bei uns Schlange stehen werden, und dazu kommt ja noch eine ziemliche Ablösesumme.

Der EM-Zug dürfte, wenn nicht noch Überraschendes passiert, abgefahren sein, dazu wird der Außenverteidiger mit der ungewöhnlichen Laufbahn im Juli schon 30. Da müsste man schon doppelt positiv auffallen, wenn man dann 2026 in Amerika bei der WM dabei sein will, da jüngere Spieler bis dahin auch nachdrängen werden. Irgendwie fehlt mir da so ein wenig der Glaube.

Bei allem Ehrgeiz: ich glaube nicht, dass Gosens schlecht beraten wäre, würde er seine Karriere bei uns weiter fortsetzen, so wie beispielsweise Khedira und Rönnow, die sich, wenn man dem Buschfunk glauben darf, dabei gegen besser dotierte Angebote entschieden haben. Lassen wir uns also überraschen, was in dieser Frage im Sommer passiert oder auch nicht.

Überraschen lassen müssen wir uns auch an diesem Samstag, was so geht gegen den ungeschlagenen Tabellenführer und kommenden Meister, Bayer Leverkusen. Sicher müssen wir so ein bisschen darauf hoffen, dass die Pillendreher am Mittwoch im Pokalhalbfinale gegen Düsseldorf ein paar Körner lassen, sich etwas für das in der kommenden Woche folgenden Europa League-Viertelfinale gegen West Ham aufsparen wollen und angesichts fetter dreizehn Punkte Vorsprung eventuell leichte Motivationsprobleme bekommen.

Und wir? Sind ja keinesfalls mehr das wehrlose Opfer, wir stellen immerhin die drittbeste Rückrundenabwehr, die am Wochenende, zugegeben, einem gewaltigen Stresstest gegen den fünftbesten Angriff der Rückrunde ausgesetzt sein wird. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den letzten Minuten plus Nachspielzeit liegen, das kann Leverkusen nachgewiesenermaßen gut. Dafür haben wir, zumindest in der Liga, kaum späte entscheidende Gegentreffer kassiert. Also bitte!

Zudem haben wir den letzten Jahren gelernt: wir haben gegen jede Mannschaft eine Chance, in der Saison 20/21 waren wir zum Beispiel die einzige Mannschaft der Liga, die gegen den überaus souveränen Meister Bayern nicht verloren hatte. Will sagen: möglich ist alles, erst recht in der Alten Försterei. Deswegen: erstmal dran glauben und dann mal sehen!

Ich freue mich jedenfalls auf Samstag, diesmal wieder mit unserer Geheimwaffe Andras Schäfer, das könnte unserer Kreativität einen Schub verpassen. Es soll fast sommerlich warm werden, nichtsdestotrotz: heizen wir dem Überflieger ordentlich ein und gern mit einem Gosenstor! Eisern!!

31. März: Ein verdienter Kampfpunkt in Frankfurt ist allemal besser als keiner!

Glückwunsch an Union Berlin und ihren Trainer, genauso wird’s gemacht!
Glückwunsch an Union Berlin und ihren Trainer, genauso wird’s gemacht!  © Arne Dedert/dpa

Unionfux: Ein hart erkämpfter, gleichwohl verdienter Punkt in bei der Eintracht in Frankfurt, auch wenn wir weite Teile der zweiten Hälfte beinahe nur in der Verteidigung gebunden sind und Rönnow wieder eine tadellose Leistung zeigt, gleichwohl haben wir mehrfach gute bis sehr gute Chancen, die beste hat Kaufmann direkt nach der Pause: einerseits hat er den richtigen Riecher bei einem schwachen Pass von Shkiri, aber was er dann aus sehr guter Position daraus macht, das ist einfach zu wenig.

Dabei wäre eine Führung nach einer ersten Spielhälfte mit relativ vielen guten Torgelegenheiten durchaus verdient gewesen, doch ob Vertessen nach vier Minuten (nach großartigem Abschlag von Rönnow) oder auch Aaronson nach einer knappen halben Stunde - unsere Abschlüsse sind abermals zu unpräzise und strahlen kaum Gefahr aus, Trapp kommt eigentlich nur einmal in Schwierigkeiten, und zwar nach achtundsiebzig Minuten durch Khedira, wahrscheinlich wäre aber ein mögliches Tor sowieso wegen knappen Abseits weggepfiffen worden.

Und die Frankfurter? Ja, die machen Druck nach der Pause, haben zunehmend mehr Ballbesitz, nur letztlich bleiben die ganz zwingenden Chancen doch aus oder unser fliegende Däne hält alles, ob gegen Marmoush, Götze oder gegen Ebimbe, in dieser Situation steht uns allerdings das erste und einzige Mal das Glück zur Seite, denn der harte Schuss des Franzosen aus kurzer Distanz rutscht Rönnow etwas durch und passt Doekhi nicht auf und schlägt den Ball kurz vor der Linie weg - dann gehen wir in Rückstand und dann wird es zweifellos ganz schwer, was mitzunehmen.

Aber unsere Abwehr bleibt eben durchgehend aufmerksam, alle machen mit, konsequent und bis zum Schluss (angezeigt sind satte sechs Minuten Nachspielzeit und es werden sogar acht) - eine tadellose Leistung. Die altbekannte defensive Stabilität ist wieder da, selbst die Bayern haben acht Tore mehr in der Rückrunde gefressen als wir (und auch nur einen Punkt mehr geholt!), aber offensiv gehören leider immer noch wir zu den Schwächeren der Liga und in Frankfurt hat man par excellence gesehen, wieso.

Mit etwas mehr Effektivität können wir sogar drei Punkte holen, aber nichtsdestotrotz kann man mit dem Punkt letztlich wohl zufrieden sein. Das Anstrengendste an diesem Spiel jedoch ist, wenn man nicht im Stadion sein kann, wahrscheinlich der Sky-Kommentator Klaus Veltman, der dermaßen unverhohlen den Eintracht-Fanboy gibt, dass es schon peinlich ist, von Neutralität keine Spur, nein, Daumendrücken für die tolle Eintracht bis zuletzt - unerträglich!! Aber nichts da: wir nehmen einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf mit und das auch noch bei einer heimstarken Mannschaft, nicht unwichtig, insbesondere, da auch die Mainzer in Leipzig immerhin ein Unentschieden erzielen können.

Und nicht zuletzt belohnen sich die Jungs für ihren unermüdlichen Einsatz und genauso kann man in die nächste Heimpartie gegen den kommenden Deutschen Meister, Bayer Leverkusen, gehen, die es hoffentlich, angesichts genialer dreizehn Punkte Vorsprung auf Platz zwei, etwas entspannter laufen lassen, ich meine, irgendwann kriegt auch die größte Motivation einen Knacks, zumal ja am Mittwoch noch eine Auswärtspartie im Pokal in Düsseldorf ansteht.

Und man kann ja auch nicht jedes Spiel in den allerletzten Minuten gewinnen, oder? Also, Glückwunsch an unsere Truppe und ihren Trainer, genauso wird’s gemacht und so oder zumindest so ähnlich kann’s in den letzten sieben Partien funktionieren! Ein ganz feines Ei haben wir uns da ins Nest gelegt, also sonnige und eiserne Ostern für uns alle!!

28. März: Pfeifen im Walde - in Frankfurt holen wir was!

Mit Eintracht Frankfurt wartet am Samstag eine harte Nuss auf Union Berlin.
Mit Eintracht Frankfurt wartet am Samstag eine harte Nuss auf Union Berlin.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: Gut, die nächsten Aufgaben sehen heftig aus, aber mit Schiss und Pessimismus kommt man ja nicht weit - warum sollte man eigentlich nicht schon am Samstag in Frankfurt punkten?

Mag schon sein, dass wir in den letzten Jahren dort nicht so wirklich gut aussahen - der einzige Sieg ist vier Jahre her und keiner, der damals für uns auf dem Rasen stand, ist noch bei uns zugange - aber das Prinzip lautet doch stets: neue Runde, neues Glück. Wir können mit annähernd voller Kapelle aufmarschieren, nur Schäfer muss nach seinem Platzverweis in Stuttgart diesmal noch aussetzen, Haberer ist weiterhin nicht einsatzfähig und es gibt ein kleines Fragezeichen hinter Hollerbach, der sich Anfang der Woche leicht im Training verletzt hat.

Außerdem ist nicht der ganz große Druck auf dem Spiel, einerseits, weil die Lücke zu den Abstiegsplätzen neun Punkte beträgt, andererseits, weil niemand so richtig was erwartet, obwohl Eintracht Frankfurt auch nicht der Übergegner ist. In diesem Windschatten könnte doch einiges passieren, um so mehr, wenn Aaronson seine Leistung gegen Werder wiederholen kann, am besten im Duo mit Vertessen.

Dass wir natürlich unsere Effektivität vorm Tor wiederfinden müssen (und ich meine die, die wir schon die ganze Saison suchen), das ist natürlich klar - all zu viele Chancen werden wir im Deutsche Bank Park (was für eine lyrische Bezeichnung!) eher nicht bekommen. Frankfurt ist übrigens Vollands Lieblingsgegner, neunmal traf er bisher gegen die Eintracht, gegen keinen anderen Bundesligisten öfter - wenn das kein gutes Omen ist … Schaffen wir es, unsere Möglichkeiten wenigstens zu fünfundneunzig Prozent auf den Platz zu bekommen, dann holen wir da was und vergrößern die Lücke weiter, denn Mainz und Köln haben mit Leipzig und Augsburg nicht weniger unangenehme Auswärtsgegner. Zudem scheint die Mannschaft, nach anfänglichen Schwierigkeiten, immer besser mit Trainer Nenad Bjelica klarzukommen.

Jaja, ich versuche natürlich, aus allen Ecken irgendwelche positiven Zeichen zusammenzukratzen, ein Kennzeichen dieser Spielzeit. Und ich werde nicht müde, dieses Prinzip zu wiederholen, doch als alter Unioner hat man das hart und heftig gelernt und verinnerlicht. Und auch, wenn wir in den letzten Saisons diese Fähigkeit selten gebraucht haben: Mittlerweile ist diese Eigenschaft wieder überaus nützlich. Dazu noch ein inständiges Gebet an den Fussballgott und ein paar glückbringende Rituale - und fertig ist der Auswärtssieg. Verflucht sei der, der sich mit weniger zufriedengibt …

27. März: Europameister 2024 Deutschland?

Unioner Rani Khedira (30) spielt mit vollem Einsatz für die Eisernen.
Unioner Rani Khedira (30) spielt mit vollem Einsatz für die Eisernen.  © Tom Weller/dpa

Icke: Ja, so kann es klappen. So kann Deutschland im Sommer Europameister werden. Auch das zweite Spiel gewannen die Deutschen nach dem Neustart 2024.

Während das Spiel in Frankreich sehr souverän gespielt wurde, gab es gegen Holland erst einmal einen Rückstand nach drei Minuten. Mit exakt der gleichen Elf, wie auch gegen Frankreich. Eine neue Situation für das neue Team. Und sie kamen damit klar.

Gleich in der elften Minute konnte Mittelstädt ausgleichen und damit seinen Fehler zum 0:1 gleich selbst bereinigen. Gute Reaktion des deutschen Teams! In der ersten Halbzeit entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, vor allem nach Chancen betrachtet.

In der zweiten Halbzeit wurden dann die Holländer stärker. Ab der 60. Minute begann Nagelsmann dann zu wechseln. Und zu genau was führten die Wechsel? Die Deutschen gewannen wieder die Oberhand. Nach und nach wurden Groß, Führich, T.Müller, Füllkrug, Henrichs und Raum eingewechselt. Der Sieg durch Füllkrugs Schultertreffer war ein Sieg des Willens. Und wer hat's vorbereitet? Kroos! Die Deutschen wollten den Sieg mehr als die Holländer. Das spürte man und man sah es in den Gesichtern. So macht der deutsche Fußball wieder Spaß.

Die Deutschen können wieder kombinieren, ohne den Ball zu verlieren. Die Garanten hierfür heißen Kroos, Musiala und Wirtz. Kroos verteilt die Bälle klug und die beiden Jungschen trauen sich ins Dribbling zu gehen oder zelebrieren den One-Touch-Fußball, wie man ihn bei einem deutschen Team – so noch nie gesehen. Eine gute Mixtur, vor allem, weil sie die richtigen (Spieler-) Typen an ihrer Seite haben.

Neben Kroos hält Ex-Unioner Andrich ihm den Rücken frei. Er sieht die Lücken schon, bevor diese da sind. Und wenn Not am „Mann“ ist, knallt er auch mal humorlos dazwischen. Vorn in der Spitze lauert und spielt Havertz. Er hat sich im Vergleich zu 2023 stark verbessert. Er kann auf Grund seiner guten Technik den Spielfluss halten. Im Spiel gegen Frankreich fiel Gündogan in der zentralen Rolle etwas ab. Gegen Holland nicht mehr.

Er zeigte diesmal auch defensiv eine gute Leistung (Rettete einmal in höchster Not und verhinderte ein sicheres Holland-Tor). Auch wenn offensiv noch Luft nach oben war. Schade, dass er seine große Chance, nach genialer (zentraler Steckpass) Vorbereitung von Musiala, nicht genutzt hat. Interessant zu beobachten, wer sich später durchsetzt, wenn Sane wieder ins Team rückt. Mit dann vielleicht Musiala zentral und Wirtz und Sane auf den Halb-Außen könnte die deutsche Offensive noch stärker werden.

Und die Abwehr? Tah und Rüdiger bilden ein sehr sicheres Gespann. Sie strahlen Ruhe aus. Dahinter hat Nagelsmann mit Koch und Anton zwei weitere Neulinge für die Innenverteidigung berufen. Gegen Holland haben sie nicht gespielt.

Die Außenverteidiger dagegen hat der Bundestrainer gewechselt. Henrichs (rechts) und Raum (links) kamen hinein und fügten sich nahtlos in Nagelsmanns neues und einfaches Spiel-System ein. Apropos einfach, das ist wohl die beste Veränderung in diesem Jahr: Das 4-2-3-1 ist weder neu, noch spektakulär. Aber alle deutschen Fußballer beherrschen es. Das macht die Deutschen wieder stark. Nichts Kompliziertes. Kämpfen und hungrig sein. Und ein Höchstmaß an Disziplin und Ordnung auf dem Platz herstellen. So wird das was mit dem Ziel Europameister 2024 zu werden. Eisern!

26. März: Auf zum Endspurt!

Für Union Berlin gilt es in den verbleibenden acht Bundesliga-Spielen die nötigen Punkte für den sicheren Klassenerhalt zu sammeln.
Für Union Berlin gilt es in den verbleibenden acht Bundesliga-Spielen die nötigen Punkte für den sicheren Klassenerhalt zu sammeln.  © Andreas Gora/dpa

Unionfux: So, das war's mit dem Winter und den Länderspiel- und sonstigen Pausen, ab jetzt geht es absolut straight in den Endspurt, noch acht Punktspiele, die mindestens sechs bis acht Punkte bringen müssen, um nicht bis zum Schluss zu zittern. Bleibt Nenad Bjelica bei seinem Punkteschnitt von 1,5, dann würden es sogar die berühmten vierzig Punkte werden. Zum Vergleich: unsere bisherigen Schlussspurts brachten elf, zwölf, dann unfassbare neunzehn und schließlich abermals elf Punkte.

Okay, das Restprogramm hat es fraglos in sich, nichtsdestotrotz sollten die noch benötigten Zähler drin sein, auch, weil man ohne den ganz großen Angstschweiß in die letzten Aufgaben gehen kann. Und gefestigt genug sind wir mittlerweile allemal, um das letzte Viertel dieser so schwierigen Saison einigermaßen erfolgreich hinter uns zu bringen, nicht zuletzt geht es, neben dem Klassenerhalt, auch noch um das berühmte Fernsehgeld und wir werden jeden Euro gebrauchen können, um die nächste Saison etwas entspannter zu absolvieren.

Der große Umbruch wird nämlich im Sommer (wieder mal) anstehen: Diogo Leite soll bei einigen prominenten Vereinen auf dem Zettel stehen, Danilho Doekhi ebenso. Und Robin Knoche wird seine Degradierung zum Bankdrücker ins Grübeln gebracht haben - mit bald 32 geht es um den möglicherweise letzten Vertrag und da will man nicht das Gefühl haben, nur noch Backup zu sein. Wer könnte uns noch verlassen? Aissa Laidouni vielleicht, der auch nicht so richtig zum Zuge kommt, aber eben zu selten seine Unentbehrlichkeit nachweisen konnte, Jannik Haberer, der seit einiger Zeit stagniert, oder gar Robin Gosens, trotz seines langfristigen Vertrages enttäuscht von den vergangenen Monaten und obendrein der Nichtnominierung zur EM - wenn denn nicht noch ein Wunder passiert.

Soll man mit Alex Kral weitermachen, ein solider Spieler, aber doch zu oft unauffällig? Nicht zuletzt ist es ja auch eine Frage des Geldes, denn die Gehaltskosten müssen mit Sicherheit gedrückt werden und der eine oder andere Euro an Transfererlösen sollte auch noch reingespielt werden. Die große Kunst wird sein, die richtige Mischung wiederherzustellen (über die wir ja offenbar einige Zeit verfügt haben) und zwei, drei echte Glücksgriffe obendrauf zu tun - es ist nämlich für uns immer noch, wie in der noch laufenden Spielzeit erlebt, ein verdammt schmaler Grat zwischen Erfolg und Absturz. Und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben, ein stetiges Wiederaufwärtsrollen des Steines a la Sisyphos, für mehr fehlt uns einfach, Gott sei Dank, die zuverlässige Geldquelle, über die so einige Bundesligisten verfügen.

Gespannt darf man dabei sein, ob ein nahezu kompletter Neustart angestrebt wird, also auch Trainer Bjelica gehen soll, genauso wie Konstante in der Mannschaft wie beispielsweise Christopher Trimmel (dem ich allemal noch mindestens ein weiteres Jahr zutraue) - oder ob die sportliche Führung trotz allem genügend gesehen hat, was Hoffnung macht. Und nicht zuletzt gibt es ja noch die Spekulation, dass der eine oder andere erst in seiner zweiten Saison so richtig durchstartet.

Doch erstmal gilt es, die kommenden sieben Wochen zu absolvieren, das eine oder andere Erstaunliche zu bewerkstelligen, eine überaus gute Figur dabei zu machen und diese unfassbar anstrengende Spielzeit schlußendlich hinter uns zu bringen. Wir fangen am Samstag bei Eintracht Frankfurt an - mal sehen, ob es gelingt, unsere schwache Auswärtsbilanz im Deutsche Bank-Park aufzubessern (bei unserem einzigen Sieg dort hieß das Stadion noch Commerzbank-Arena), einen genaueren Blick auf das Spiel werfen wir in den kommenden Tagen. Bis dahin: tief Luft holen und schön optimistisch bleiben!

23. März: Gemixtes aus der Försterei

Jakob Busk (30, r.) verlässt Union Berlin nach acht Jahren.
Jakob Busk (30, r.) verlässt Union Berlin nach acht Jahren.  © Andreas Gora/dpa

Icke: Heute am Samstag haben alle Unioner frei. Warum? Deutschland präsentiert sich mit seinem neuen Team in Frankreich. Da kann einem Angst und Bange werden. Ich werde es mir anschauen und ja… auch die Daumen drücken. Es ist ja schließlich die Nationalmannschaft meines Landes. Und ich hoffe, Nagelsmanns Mut wird belohnt – das deutsche Team einmal auf links gedreht zu haben.

Und was gibt’s bei Union Neues? Wir berichteten ja schon, dass Paul Jaeckel bei uns verlängert hat. Ein anderer - Jakob Busk verlässt Union nach 8 (!) Jahren Vereinszugehörigkeit. Er war zwar nur am Anfang seiner Union-Karriere Stamm-Keeper, aber umso erstaunlicher ist sein Weg bei uns. An dieser Stelle – auch von uns – ein ganz herzliches Dankeschön an unseren verlässlichen Keeper.

Vorige Woche hatten wir über ein mögliches Szenario bei unseren Türhütern zur nächsten Saison berichtet. Und die Variante Rönnow/Schwolow/Rodtnick bevorzugt. Einfach deshalb, weil so auch der 3.Torwart (bei den A-Junioren) Einsatzzeit bekommt. Einige fragten dann nach Grill. Ich halte Grill als 3.Keeper für ausgeschlossen. Er müsste sich auch hinter dem starken Schwolow anstellen. Und dafür wiederum ist der 25-jährige zu stark. Wahrscheinlich ist ein Verkauf hier für alle Seiten die beste Lösung. Allerdings haben wir für Grill rund 1 Million Euro überwiesen. Der (finanzielle) Schmerz sollte sich dann aber in Grenzen halten. Für Stein ist es sicherlich das Beste, wenn er für 1 Jahr weiter verliehen wird und dort absoluter Stamm-Keeper ist.

Die Außenverteidiger in einer Viererkette hatten wir noch nicht beleuchtet. Stand jetzt haben wir rechts Trimmel und Juranovic und links Gosens und Roussillon. Hinter Trimmel steht noch ein Fragezeichen, ob er noch eine Saison bei uns ranhängt. Das wäre dann wohl eine Rolle als Backup. Obwohl man auch sehen muss, dass er körperlich noch immer topfit ist. Eine schwierige Entscheidung. Deutsche Top-Spieler, die ablösefrei wären, sind Wolf aus Dortmund und Weiser aus Bremen.

Auf der linken Seite ist eigentlich alles geordnet. Eigentlich… weil immer mal wieder Gerüchte umhergehen, dass Gosens woanders „gehandelt“ wird. Italien wird oft als Ziel genannt. Wenn dem so ist, dann müssten wir vorbauen bzw. vorbereitet sein. An Geld für diese Position sollte es nicht scheitern. Gosens würde unseren Verein nicht unter 16 Millionen verlassen dürfen. Eher noch mehr. Da aber Puchacz aus Kaiserslautern zurückkehrt, der immerhin polnischer Nationalspieler ist, bräuchte man eventuell nicht mal einen neuen Spieler auf der Position. Roussillon ist gut genug – Stammspieler in der Bundesliga zu sein und als Backup ist ein Nationalspieler wie Puchacz durchaus geeignet. In 24/25 benötigen wir einen guten Kader, mitnichten einen Kader für die Champions League. Und wenn es dann doch ein neuer Spieler sein muss, zum Beispiel weil man etwas mehr auf die Defensive achten möchte, so könnte man sich den Holländer Gijs Smal von Twente Enschede mal anschauen. Der verkörpert diesen robusten Typen.

Das Projekt „Unions Frauen in die Bundesliga“ erreicht am Wochenende einen weiteren Höhepunkt. Wir spielen gegen Viktoria 89, den Tabellenzweiten. Gewinnen wir das Spiel, dann sind wir 6 Punkte und fast 40 Tore weg von ihnen. Der Drops wäre gelutscht. Unsere Frauen könnten sich schon einmal auf die 2.Liga freuen. Turbine Potsdam und Gladbach hießen dann die Gegner.

Ein ganz heißes Gerücht geht mit dem griechischen Mittelstürmer und Nationalspieler Tzolis um. Aktuell hat er 22 Torbeteiligungen (davon 15 Buden) in 23 Spielen für Düsseldorf vorzuweisen. Düsseldorf hat in von Norwich City nur geliehen. Wir müssten ihn auch dort rauskaufen. 5-6 Millionen müsste Union für den 22-jährigen (1,79 Meter groß) auf den Tisch legen. 2021 hatte Norwich für ihn 11 Millionen bezahlt, da hatte er aber auch noch einen Marktwert von 11 Millionen – als damals 19-Jähriger. Heute liegt er bei ca. 7 Millionen Marktwert. Eisern.