Berlin - Die WM fand ohne ihn statt. Bis ins Sechzehntelfinale kam Ghana, ehe sich die Black Stars Kolumbien geschlagen geben mussten. Derrick Köhn (27) aber musste das WM-Aus aus der Ferne, anstatt hautnah dabei zu sein, betrachten. Dabei haben nicht nur die Anhänger von Union Berlin fest mit seiner WM-Teilnahme gerechnet.
Auch der Linksverteidiger saß quasi auf gepackten Koffern. "Es war schon ein bisschen schwierig, weil ich keinen direkten Kontakt zum neuen Trainer Carlos Queiroz hatte. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich dabei bin. Nach der Saison habe ich mich deshalb ganz normal auf die WM vorbereitet", erklärt Köhn im Kicker-Interview.
Unter Otto Addo (50) debütierte der 27-Jährige noch im November und betrieb vor allem im Testspiel gegen Deutschland mächtig Eigenwerbung. Das WM-Ticket schien sicher, doch Queiroz hatte andere Pläne.
Köhn musste Zuhause bleiben - und erfuhr davon aus den sozialen Medien: "Ich hatte stets Kontakt mit Alex, der die Flüge und alles Weitere organisiert. Und dann kam die Kaderliste raus - ich habe bei Instagram gesehen, dass ich nicht draufstehe."
Eine Begründung warum er nicht dabei ist, erfuhr Köhn nicht. Damals nicht und heute auch nicht. "Kontakt bestand lediglich zu den Physiotherapeuten und Ärzten, weil sie sich nach mir erkundigt hatten. Aber mit dem Trainer habe ich nie gesprochen, weshalb ich bis heute nicht weiß, warum es so gelaufen ist", so der gebürtige Hamburger im Kicker.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Ausgerechnet in der heißen Phase der Saison war der Ex-Werder-Star seinen Stammplatz los. Unter Marie-Louise Eta (35) machte er nur zwei von fünf Spielen.
Beim neuen Union-Coach Mauro Lustrinelli (50) aber startet jeder wieder bei null. Die neue Spielweise ist dabei nicht gerade ein Nachteil, auch wenn Konkurrent Tom Rothe (21) auf der linken Abwehrseite punkten konnte.
"Meine Qualitäten und Stärken liegen eher in der Offensive, deshalb kommt mir das zugute. Der Trainer spricht, glaube ich, mit allen Spielern darüber, wie er das Ganze sieht und was er vorhat."
Einen neuen Trainer wird es dann auch bei den Black Stars geben. Trainer-Veteran Carlos Queiroz (73) trat nach Ghanas WM-Aus von seinem Amt zurück. Für Köhn war das wohl nicht gerade eine schlechte Nachricht.