"2. Liga wäre eine extreme Herausforderung": Wollitz spricht im XXL-Interview auch über seine Zukunft

Cottbus - Drei Spiele trennen Energie Cottbus von der 2. Bundesliga. FCE-Trainer Pele Wollitz (60) nimmt sich – mitten im Aufstiegskampf – für TAG24 viel Zeit und spricht im XXL-Interview über die Möglichkeiten des Standortes Cottbus und seine persönliche Zukunft.

Pele Wollitz (60, r.) zeigt TAG24-Reporter Lukas Schulze (30) auf, wie schwierig das Unterfangen 2. Liga für Cottbus wäre.  © Norbert Neumann

TAG24: Herr Wollitz, Energie Cottbus klopft an der Tür zur 2. Bundesliga. Was ist für den Verein auf Strecke möglich?

Pele Wollitz: Es wäre eine große Sache für den Club, für die Fans, für die Stadt. Aber wir müssen die Möglichkeiten realistisch einordnen. Ein Aufstieg würde uns zwei Jahre Profifußball garantieren. Alles andere wäre vermessen.

Wenn man ehrlich ist, war der Zug 2020 schon abgefahren. Damals wurde über Konkurs nachgedacht. Deswegen sind das unfassbar erfolgreiche Jahre seitdem. Der Präsident [Sebastian Lemke, Anm. d. Red.], der damals ernannt worden ist, ist ein Glücksfall für den Verein.

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Wenn wir uns in der 2. Liga etablieren wollen, dann brauchen wir ja Spieler, die sich der Verein Stand jetzt nicht leisten kann. Man sieht an Dresden, Bielefeld oder Magdeburg, wie schwierig das ist für Vereine, die lange nicht im Konzert der Großen mitgespielt haben.

TAG24: Ist der Standort Cottbus bereit für 2. Liga?

Wollitz: Ich warne intern schon seit Monaten, Jahren davor: Es muss wirtschaftlich was passieren, es muss in der Infrastruktur was passieren, um den Worst Case, den jetzt vielleicht der SSV Ulm erfahren hat, zu vermeiden. Die 2. Liga wäre eine extreme Herausforderung. Das könnten wir nur stemmen, wenn Zusammenhalt und Vertrauen so ausgeprägt sind.

Was war die längste Niederlagenserie in den letzten fünf Jahren? Drei Spiele? Es würde sich dann zeigen, wie gefestigt wir sind, wenn wir in der 2. Liga vielleicht sechsmal in Folge verlieren. Dann sollte nicht alles infrage gestellt werden. Manche Dinge ändern sich schnell. Wenn der Erfolg ausbleibt, werden mitunter Leute verantwortlich gemacht, die gar nichts dafür können.

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Energie Cottbus und Pele Wollitz hoffen auf Strukturwandel in der Lausitz als Wachstumschance

Im Interview merkt man: Wollitz denkt voraus, erklärt Szenarien und Schwierigkeiten.  © Norbert Neumann

TAG24: Wie kann es gelingen, das Konstrukt stabiler zu bekommen?

Wollitz: Mein Wunsch ist, das eines Tages so stabilisiert zu hinterlassen, wie es gerade ist. Ob das realistisch ist, das hängt damit zusammen, ob der Klub es schafft, das Sponsorenvolumen zu erhöhen. Die Zuschauerzahlen, kann man die halten? Kann man die vielleicht sogar erhöhen?

Ich habe gehört, dass durch den Strukturwandel 15.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Das heißt ja, es wäre mehr Volumen da. Ich glaube, es sind sechs Milliarden Euro nur für die Stadt Cottbus, die durch diesen Strukturwandel investiert werden sollen. Das ist ja Wahnsinn.

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Das sind ja alles Zukunftsfragen. So viel nach vorne kann und will ich gar nicht gucken, sonst wird mir ein bisschen schummrig. Energie Cottbus sollte ein Teil dieser Entwicklung rund um den Strukturwandel sein.

Energie Cottbus müsste sich laut Wollitz im sportlichen Bereich breiter aufstellen

Der Fußballfanatiker versteht sich nicht nur als Trainer, will den Klub strukturell stabilisieren und voranbringen.  © Norbert Neumann

TAG24: Wie herausfordernd sind zum einen die quälenden Zukunftsfragen und zugleich die sportlichen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen?

Wollitz: Viele wissen nicht, was das an Anstrengung bedeutet. Wir sind ein ganz kleiner Kreis. Wir haben den kleinsten Staff. Wir haben einen Co-Trainer. Was ist, wenn uns beiden mal was passiert?

Ich kann jetzt mal sagen, ich bin seit mehreren Monaten fällig, mehrere Operationen durchführen zu lassen. Ich habe Schmerzen. Aber in der Situation das Team und Tobi [Tobias Röder, Co-Trainer; Anm. d. Red.] alleine zu lassen, kommt nicht infrage. Ein guter Kaderplaner hört sich super an, aber Maniyel [Nergiz] ist auch alleine. Das Scouting muss erweitert werden. Wir haben da schon einige Themen.

Man kann ja trotzdem auf diesem Weg weitergehen. Man kann ja trotzdem weiter diese Kontinuität behalten. Gerade sollte man das auch. Aber trotzdem muss es alles professioneller werden, um Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen. Die zurückliegenden zwei Jahre 3. Liga sind ein Geschenk.

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Pele Wollitz denkt offen über einen Nachfolger als Trainer nach

Wollitz macht sich dieser Tage auch Gedanken über seine persönliche Zukunft.  © Norbert Neumann

TAG24: Sie wollten sich eigentlich schon vergangenen Sommer als Trainer zurückziehen. Wie schwierig ist es, vor dem Hintergrund, den richtigen Zeitpunkt zu finden, den Staffelstab weiterzugeben?

Wollitz: Sehr gute Frage. Die brennt natürlich in mir. Eigentlich haben wir gesagt, letztes Jahr. Das heißt ja nicht, dass jetzt nicht vielleicht im Sommer der Zeitpunkt kommt, ohne dass ich das jetzt in meinem Kopf hätte.

Ich bin ein absoluter Bauchmensch. Und ich beobachte und analysiere, ich reflektiere. Und deswegen ist beim Bauchmenschen alles möglich.

Aber dann in dieser Verantwortung diese Person zu bekommen, der den Typ Wollitz nicht kopiert, sondern seinen eigenen Weg hier findet, das wird eine Aufgabe sein. Auch in der Konstellation, wenn ich als Sportdirektor dabeibleibe.

TAG24: Was würde oder müsste sich unter einem Nachfolger ändern?

Wollitz: Ein anderer Trainer, der wird Vorstellungen haben, auch personell zum Beispiel einen weiteren Co-Trainer. Und das wäre auch klug. Er bräuchte Leute mit seiner DNA, sonst wird das nicht matchen.

Ich weiß nicht, wann der Tag kommt. Der kann auch, ohne dass ich das jetzt planen würde, schneller kommen. Die Umstände in Osnabrück haben bei mir Grenzen aufgezeigt. So ehrlich bin ich.

Tabelle 3. Liga

POS VEREIN Sp. +/- Pkt.
1 VfL Osnabrück 35 58:28 73
2 FC Energie Cottbus 35 68:48 66
3 Rot-Weiss Essen 35 73:58 64
4 MSV Duisburg 35 63:47 63
5 FC Hansa Rostock 35 64:42 60
6 SC Verl 35 75:47 58
7 Alemannia Aachen 35 66:55 57
8 TSV 1860 München 35 52:47 55
9 SV Wehen Wiesbaden 35 49:47 50
10 SV Waldhof Mannheim 35 57:65 49
11 Viktoria Köln 35 48:49 47
12 SSV Jahn Regensburg 35 52:55 46
13 FC Ingolstadt 04 35 55:49 43
14 VfB Stuttgart II 35 45:59 43
15 1. FC Saarbrücken 35 44:50 41
16 TSG 1899 Hoffenheim II 35 61:65 40
17 TSV Havelse 35 53:77 32
18 SSV Ulm 1846 35 46:72 32
19 FC Erzgebirge Aue 35 42:65 27
20 1. FC Schweinfurt 05 35 33:79 20

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Ende der Saison auf Platz 1 steht, ist Drittliga-Meister und steigt in die 2. Liga auf. Auch der Zweite steigt direkt auf. Platz 3 spielt mit dem drittletzten Platz der 2. Bundesliga um Aufstieg oder Verbleib in der Liga.

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