Denkzettel für Cigerci, "Komplimente" an das Team: Cottbus kann auch verteidigen
Cottbus - Ja, Energie Cottbus kann auch ohne Tolcay Cigerci (31) Punkte holen, einen zumindest. Beim 0:0 in Braunschweig steht ohne den Zauberfuß die Defensive kompakt, das Offensivspiel bleibt großteils auf der Strecke.
Doch dies war an dem Abend zweitrangig. Energie ging mit einer defensiveren Denke ins Spiel, wollte keinesfalls wie gegen Fürth, Darmstadt oder Bochum einem direkten Konkurrenten drei Zähler schenken.
Top-Scorer Cigerci hütete deshalb - nach Wollitz Worten der Vorwoche erwartbar - die Bank. Energie agierte geschlossen gegen den Ball, ließ keine Braunschweiger Großchance zu. Ein klarer Fortschritt zu den letzten Wochen.
"Die Mannschaft war gewillt, eine Stabilität zu bekommen und sich gegenseitig mehr Unterstützung zu geben, besser die Räume zu schließen. Damit können wir heute erst mal zufrieden sein", stellte Pele Wollitz (61) fest.
Auch Leonardo Bittencourt (32), am Freitagabend erstmals Energie-Kapitän, stimmte ein: "Heute wurde uns vorgeführt, was 2. Liga auch bedeutet. Das heißt auch: Kratzen, beißen. Da haben wir gut gegengehalten. Kompliment an die Mannschaft, wie wir gemeinsam verteidigt haben, wie wir füreinander eingestanden haben."
Energie Cottbus muss nach der Länderspielpause offensiv Lösungen finden - mit oder ohne Cigerci
Energie kann mit diesem Punkt gut leben, weil es diesmal keinen direkten Konkurrenten aufbaute und aller Voraussicht nach die Länderspielpause über dem Strich verbringt.
Aber: Energie darf im kalten Herbst das forsche Angreifen, ein Markenzeichen des Teams, nicht verlernen!
"Dass wir besser nach vorne spielen wollen, dass wir mehr Torchancen spielen wollen, das ist klar. Aber ich glaube, für dieses Momentum mit dem Spiel von letzter Woche ist das absolut in Ordnung. Und diesbezüglich bin ich mit dem Punkt heute zufrieden", so Wollitz.
Der FCE-Trainer muss in den nächsten Wochen ein dickes Brett bohren, der Gesichtsausdruck von Tolcay Cigerci an diesem Abend sprach Bände. Den Gemütszustand seines Zauberfußes? "Verstehe ich absolut", so Wollitz.
Passte bisher kein Blatt zwischen Trainer und Spieler, erteilte Wollitz Cigerci einen Denkzettel. 87 Minuten schmorte der individuell stärkste Cottbuser auf der Bank. Das hatte es in über zwei Jahren Zusammenarbeit nie gegeben.
"Er ist ein absoluter Freigeist. Er hat dazu beigetragen, dass wir eine Liga höher sind. Nur spielen wir jetzt in der 2. Bundesliga, hier sind andere Anforderungen gefragt. Normalerweise würde so ein Spieler bei mir spielen. Aber es gibt Phasen im Fußball, da muss man solche Entscheidungen treffen. Und das haben wir gemacht", begründete Energies Trainer.
Fakt ist aber auch: Auf die Kreativkraft von Cigerci wird Wollitz auf Dauer nicht verzichten können.
Titelfoto: Bildmontage: Swen Pförtner/dpa; IMAGO / STEINSIEK.CH

