XXL-Fazit nach dem Trainingslager: Wollitz sieht "mental müde" Spieler und fordert weiter "Verstärkungen"
Oberndorf in Tirol (Österreich) - Ein zünftiger Teamabend auf der Seidlalm in Kitzbühel bildete den Abschluss des Trainingslagers von Energie Cottbus. Bevor es wieder Richtung Lausitz ging, zog Trainer Pele Wollitz (60) ein XXL-Fazit.
Das Trainingslager in Oberndorf geht dem Ende entgegen. Welche Pluspunkte nehmen Sie mit nach Cottbus?
Gute Frage. Zumindest, dass nach dem Mittwoch offene Diskussionen stattgefunden haben mit vielen Videoanalysen. Gute Beteiligung der Spieler, bei der dann auch in der Reflexion festgestellt worden ist, dass wir eine andere Struktur brauchen, dass wir eine andere Kommunikation brauchen, dass wir eine andere Verlässlichkeit brauchen.
Und dass auch auf dem Platz das Kollektiv funktioniert. Dafür brauchen wir die Anker-Spieler. Auf der anderen Seite, das dürfen wir auch festhalten, sind sie mental nach wie vor sehr müde, weil die Saison angestrengt hat.
Ich glaube, das sind Gründe dafür, warum wir es im Moment in dieser Vorbereitung echt schwer haben. Und das ist ja auch kein Geheimnis, das habe ich ja vor Wochen schon gesagt: Wir brauchen Verstärkungen.
Wie zufrieden sind Sie mit den Neuen?
Julian Guttau macht das richtig gut. Dass sich Fousseny Doumbia verletzt hat, ist natürlich sehr ärgerlich. Leonardo Bittencourt bringt genau das ein, wofür wir ihn geholt haben. Wie er im taktischen Training die Spieler verbal begleitet hat, auch in den Videoanalysen, ist sehr, sehr gut. In den Videoanalysen war auch Lucas Copado inhaltlich außergewöhnlich.
Pele Wollitz rechnet damit, dass seine Mannschaft noch Zeit braucht, um wieder ins Rollen zu kommen
Wie schnell kann denn der Transfer von den Inhalten aus den Analysen auf den Platz gelingen?
Das ist eine gute Frage. Also ich habe auch nochmal zur Mannschaft gesagt, dass das aus meiner Sicht jetzt auch ein bisschen länger dauert, weil man merkt schon, dass der eine oder andere ein Stück nicht mehr sein Selbstverständnis hat, auch ein Stück verunsichert ist.
Umso wichtiger ist, dass man dann da reingeht und die Themen klar anspricht, auch öffentlich macht, um die Spieler da auch ein bisschen zu sensibilisieren, vielleicht wieder die Sinne zu schärfen.
Einige Fans waren ein Stück weit überrascht über Ihre klaren Worte nach dem Mittwochsspiel...
Ich weiß nicht, was daran überraschend ist, also wir machen ein sehr schlechtes Freundschaftsspiel und das zieht sich jetzt aus mehreren Freundschaftsspielen zusammen.
Wenn viele meinen, dieser Rausch geht weiter, weil die Euphorie da ist und weil das selbstverständlich ist, dann sage ich: Eine Euphorie ist mit Niederlagen relativ schnell verflogen. Dann bin ich dafür da, dementsprechend den Finger zu heben und zu sagen: Das wird so nicht reichen.
Axel Borgmann soll Kapitän bleiben, aber hinter dem Saisonstart steht bei ihm ein Fragezeichen
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Tolcay Cigerci und Axel Borgmann pünktlich zum Saisonstart fit sein können?
Man sieht jetzt, welchen Impact sie auf die Mannschaft haben. Prinzipiell sind das natürlich auch immer Fragen an unsere Reha- oder Fitness-Trainer und Physiotherapeuten. Die sind in ihren Aussagen sehr vorsichtig.
Gibt es beim Thema Mannschaftsrat schon eine Entscheidung?
Wir werden wahrscheinlich zwei bestimmen und zwei oder drei lassen wir wählen. Ich wollte das diese Woche machen, aber nach Mittwoch habe ich das verworfen, weil ich mir oder der Mannschaft noch ein bisschen Zeit geben will, sich besser kennenzulernen und ein bisschen mehr zu vertrauen.
Beim Kapitän, da wird sich nichts ändern. Ich denke, dass er [Axel Borgmann; Anm. d. Red.] sich das über Jahre hier erarbeitet hat, es verdient hat. Er hat eine hohe Identifikation, hat eine sehr hohe Verlässlichkeit, auch in der Ansprache. Was die Verbindung zwischen Mannschaft, Staff, Klub, Medien, Publikum betrifft, macht er das herausragend.
Und ich glaube auch nicht, dass Leo eine Kapitänsbinde braucht, um zu wissen, welche Verantwortung er für sich hat.
Titelfoto: Bildmontage: TAG24/Lukas Schulze (2)

