Hakenkreuz-Skandal erschüttert Hansa Rostock: Es passierte beim England-Trip
Rostock/London - Noch Ende Juli heimste Hansa Rostock bundesweit Anerkennung ein. Zum 60. Vereinsjubiläum war die Kogge mit gut 7000 Hansa-Anhängern nach England zum Freundschaftskick gegen den FC Watford geschippert. Gut einen Monat später überlagert den eigentlich überaus positiv beeindruckenden Trip ein handfester Skandal.
Nach Erkenntnissen der Recherche-Plattform EXIF sollen sich mehr als zehn Personen aus der Rostocker Hooligan-Szene in England zu sogenannten "Ackerkämpfen" verabredet haben.
Am Rande des Watford-Spiels sollen sie mit gleichgesinnten Anhängern der Glasgow Rangers (Schottland) und Olympique Lyon (Frankreich) aufeinander getroffen sein.
Dieses "Kräftemessen" ist eine Form der geplanten Schlägerei und unter harten Fangruppierungen nichts Ungewöhnliches. Nach deutschem Recht stellt dies jedoch eine Straftat (u.a. wegen Körperverletzung) dar.
Doch dabei blieb es nicht: Wie Bilder in sozialen Medien zeigen, posieren die Fans verschiedener Vereine gemeinsam vor einer Hakenkreuz-Fahne. Einige Hansa-Hools tragen zudem Kleidung mit verfassungsfeindlichen Aufschriften, EXIF benennt sogar die Beteiligten mit Namen.
In Szenekreisen ist klar, dass diese Bilder nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.
Nach der Veröffentlichung in den sozialen Medien wurde es turbulent: Dem Recherchezentrum sollen Nachrichten vorliegen, wonach einzelne Gruppen und Vertreter eindringlich das Löschen der Bilder forderten - aus Angst vor Sanktionen.
Dies geschah auch kurz nach der Veröffentlichung, allerdings hatten da schon die Bilder die Runde gemacht.
Hansa Rostock distanziert sich von den Vorfällen und Personen - Konsequenzen werden angekündigt
Die Clubführung Hansa Rostocks erfuhr am Freitag von den Vorgängen und zeigte sich zutiefst erschüttert. In einem langen Statement distanzierte sich die Kogge von diesen Personen, kündigte eine Aufarbeitung und Konsequenzen an.
Besonders heikel ist der Fall, weil einige auf dem Foto benannte Hools noch im Frühjahr auf dem Kinderfest des Clubs mitwirkten.
"Auf dieser Grundlage wird der F.C. Hansa Rostock die notwendigen vereinsseitigen Konsequenzen ziehen. Dazu gehören ausdrücklich auch Stadionverbote sowie – sofern es sich bei den betreffenden Personen um Vereinsmitglieder handelt – der Ausschluss aus dem Verein."
Hansa zeigt sich diesmal nicht zimperlich, setzte am Freitag Landespolizei und den Staatsschutz des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommerns, die Bundespolizeiinspektion Rostock in Kenntnis sowie den DFB und entsprechende Stellen.
Statt der fröhlichen Bilder, wie tausende Fans der Kogge friedlich die Londoner Tower Bridge kapern, wirft dieser Vorfall einen dunklen Schatten über Hansas Jubiläumsfahrt.
Titelfoto: x.com/ExifRecherche

