Brisante Details im Prozess rund um den Elb-Clásico: Angeklagter warf "aus blindem Hass"

Magdeburg - Ein 29-Jähriger, der wegen versuchten Mordes an einem Polizisten im Zusammenhang mit Ausschreitungen bei einem Fußballspiel angeklagt ist, hat die Tat eingeräumt. Nach eigenen Angaben gehört er aber nicht zur gewaltbereiten Fanszene.

Der 29-Jährige habe den Pflasterstein "aus blindem Hass" auf die Beamten geworfen.  © Peter Gercke/dpa

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstags am Landgericht Magdeburg sagte er, er habe vor den Ereignissen Ende Januar noch nie Gewalt gegen die Polizei ausgeübt. "Ich weiß bis heute nicht, was in mich gefahren ist." Es sei falsch, was er getan habe, er wolle sich entschuldigen bei den Beamten.

Der Angeklagte gab zu, einer von vielen Fans gewesen zu sein, die Gegenstände auf eine Polizeikette warfen. Er hätte sich nicht mitreißen lassen dürfen, sagte der groß gewachsene und breitschultrige Mann.

Laut der Staatsanwaltschaft soll der Mann aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt eine führende Rolle bei Ausschreitungen beim Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden am 24. Januar eingenommen haben. Er soll die aggressive Stimmung angeheizt haben. Der Angeklagte warf laut der Staatsanwaltschaft einen etwa 15 Kilogramm schweren Pflasterstein in Richtung der Polizisten. Er habe ihn "aus blindem Hass" auf die Beamten geschleudert. 

In der ersten Reihe wurde ein Polizist getroffen und erlitt eine Platzwunde am linken Auge. Er habe tödlich verletzt werden können, so die Anklage. Bei den Ausschreitungen waren etwa 70 Polizisten verletzt worden. Ein Polizeibeamter sagte als Zeuge, der Angeklagte habe Videomaterial zufolge sehr offen im Bereich der Polizeikette agiert. Mit Gesten habe er andere aufgefordert, gegen die Polizeikette vorzugehen. 

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Der Angeklagte liest seine Aussage vom Blatt ab

Beim Elb-Clásico zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden waren mehr als 70 Polizisten verletzt worden.  © Andreas Gora/dpa

Der Angeklagte, der seine Aussage von einem Blatt ablas und danach keine Fragen beantwortete, berichtete von einer unübersichtlichen Lage, die ihn aufgewühlt habe. Frauen hätten geweint, unbeteiligte Fans seien von Polizeimaßnahmen betroffen gewesen. Er habe sich zu Fans begeben, die die Polizeikette auf Abstand hätten halten wollen. 

Eine Betonplatte von sieben bis acht Kilogramm Gewicht habe er in Richtung der Polizei geworfen und gesehen, dass sie einen Beamten traf. Er habe auch zu einem Gullydeckel gegriffen, habe ihn wegen des Gewichts aber zurückgelegt und beschlossen, keine weiteren Angriffe gegen Polizeibeamte zu richten. Der Getroffene habe seiner Wahrnehmung nach später wieder gestanden. 

Der angeklagte Mann war Ende Januar, einige Tage nach den Ausschreitungen, festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Neben dem Vorwurf des versuchten Mordes geht es bei dem Gerichtsprozess auch um schweren Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

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