Hamburg - Die Verantwortlichen des FC St. Pauli wüschen sich eine "gesunde" Rückkehr in die Bundesliga, die dieses Mal nicht 15 Jahre auf sich warten lässt. Wie soll das gelingen?
So ganz klar scheint das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Klar sei aber auch, dass man seinen eigenen Weg finden müsse, schließlich sei man laut Präsident Oke Göttlich (50) kein "naturgeborener Erstligist".
"Das müssen wir uns über Jahrzehnte erarbeiten. Wenn wir dahin kommen wollen, müssen wir auf allen Ebenen über performen", so Göttlich.
Zweieinhalb Jahre habe man das auch gut geschafft, so der Vereinspräsident. In diesem Jahr habe man das Ziel nicht erreichen können.
"Wir gehen stabil miteinander, wirtschaftlich handlungsfähig in die 2. Liga, mit dem Ziel nicht wieder 15 Jahre warten zu wollen, bis wir in dieser höchsten Liga uns präsentieren dürfen und unsere Idee, wie wir Profifußball an diesem Standort spielen wollen, zu repräsentieren."
Dem konnte Andreas Bornemann (54) im Großen und Ganzen nur zustimmen, gleichzeitig treibe ihm seit dem Tag, "an dem wir in die Nähe der Bundesliga kamen" die Frage um: "Wie können wir das eigentlich schaffen, uns in einer Liga zu etablieren, die die letzten zehn Jahre zwei Vereine als Aufsteiger als etabliert betrachten kann?"
Bornemann nahm damit unter anderem Bezug auf das Konzept von RB Leipzig, die in diesem Jahr ihr Jubiläum "Zehn Jahre Bundesliga" feierten. Er betonte aber: "Kommt für uns nicht infrage."
Ist ein "anderer Fußball" wirklich möglich?
Für den FC St. Pauli ist das Leipziger Konzept das exakte Gegenteil der eigenen Identität.
Der Kiezklub definiert sich über gelebte Fan-Demokratie, soziale Werte, politische Haltung und eine klare Abgrenzung vom hyperkommerziellen Fußball-Business.
RB Leipzig umgeht inoffiziell den demokratischen Geist der 50+1-Regel, indem der Klub von wenigen Red-Bull-Mitarbeitern statt von stimmberechtigten Fans kontrolliert wird, und nutzt ein globales, kommerzielles Vereinsnetzwerk als Marketinginstrument.
Ein solches von oben herab diktiertes Investorenmodell würde die Kultur des Vereins im Kern zerstören.
Trotzdem ist die Idee des FC St. Pauli mit dem "schnellen" Abstieg in Liga zwei "fürs Erste nicht geglückt", gab Bornemann zu.
Dennoch bleibe man der Vision weiterhin treu, dass ein anderer Fußball, mit anderen Mitteln, möglich ist und eine Etablierung in der Bundesliga gelingen kann. Die richtigen Stellschrauben müssten mit dem Neuanfang nun gedreht werden.